Das alte Gewehr Romy Schneider

 

In Frankreich gilt der Film als Klassiker, bei uns ist er weniger bekannt. „Das alte Gewehr“ mit Romy Schneider von 1975 erscheint jetzt fürs Heimkino mit zwei deutschen Synchronfassungen – aus der DDR und aus dem Westen.

Vielleicht wird er nicht mit den ganz großen Regisseuren des französischen Kinos in einem Atemzug genannt – dennoch hat es Robert Enrico (1931-2001) einige fulminante Werke zu verdanken. Mit „Die Abenteurer“ (1966, mit Alain Delon und Lino Ventura) drehte er einen der schönsten Filme über Freundschaft und die Sehnsucht nach einem freien Leben; „Das Netz der tausend Augen“ (1974, mit Jean-Louis Trintignant) ist ein Meisterstück über Paranoia und die Macht des Staates.

1975 drehte Enrico einen Film, der in Frankreich einer seiner größten Erfolge ist, bei uns aber vergleichsweise unbekannt – umso willkommener ist jetzt die Veröffentlichung auf Blu-ray und DVD. „Das alte Gewehr“ ist ein verstörender Film, der vage Bezug nimmt auf das Massaker von Oradour 1944, als die Waffen-SS in einem französisches Dorf 642 Menschen ermordete. Philippe Noiret spielt einen Arzt, der seine Frau und Tochter während der letzten Kriegsmonate ins Hinterland auf den alten Landsitz seiner Familie bringt, um sie zu vor den deutschen Soldaten zu schützen – ein tragischer Fehler, denn dort wütet eine SS-Einheit. Deren Taten und die Rache des Arztes schildert der Film in erschütternden Bildern – zugleich zeigt er in Rückblenden immer wieder die Geschichte des Ehepaares, das Kennenlernen, ihre große Liebe, ihr Familienleben. Noiret und Schneider als Paar sind herzergreifend, der Kontrast zwischen den glücklichen Erinnerungen und der unmenschlichen Gegenwart macht den Film beklemmend. Anders als in üblichen Filmen, die sich um Rache drehen, bleibt ein Gefühl der Läuterung oder Genugtuung aus – wie könnte es sich auch einstellen bei diesem persönlichen Untergang?

Vielsagend ist der Umgang mit dem Film in Deutschland 1975. Die deutsch-französische Ko-Produktion wurde im Westen um einige Gewaltszenen gekürzt und in der Synchronisierung und durch eine zusätzliche Szene etwas entschärft: Dort beklagen die deutschen Soldaten – wie oft im Kriegsfilm – die bösen Befehle von oben; die Synchronisation durch die Defa in der damaligen DDR ist textgetreuer, zumal lief der Film dort ungekürzt. DVD und Blu-ray bieten nun beide deutschen Tonspuren – ein interessanter Vergleich bietet sich an.

Erschienen bei Studio Hamburg.