Die Profis The Professionals Lewis Collins

Die Profis The Professionals Lewis Collins

Im TV-Klassiker „Die Profis“ (1978-1983) räumte ein Trio mit allem auf, was in England im Argen lag. Die Serie erscheint nun aufwändig restauriert komplett auf DVD und Blu-ray. Eine Wiederbegegnung mit einer Serie, die eines, zum Glück, nicht ist: zeitlos.

Ein Auto, das durch eine Glasscheibe rast und Splitter regnen lässt. Dazu eine reißerische Musik, während die Hauptdarsteller flink in Autos steigen oder Gewichte stemmen oder einen Sandsack verprügeln – und das ist bloß der Vorspann. Wer im Fernsehen der 70er und 80er Jahre knallige Krimis suchte, der wurde bei „Die Profis“ fündig. In den späten 70ern lief die Serie erstmals im ZDF und präsentierte zwei betont maskuline Helden, Agenten der fiktiven Geheimdienst-Abteilung CI5, die es mit den Gesetzen nicht immer so genau nehmen und recht ruppig ermitteln – weshalb das ZDF damals vorzog, einige der 57 gedrehten Episoden erst gar nicht zu kaufen.

Die beiden Helden waren wackere Mannsbilder in engen Hosen: Lockenkopf Doyle (Martin Shaw) und Bodie (Lewis Collins), ein harter Hund mit dubioser Söldner-Vita. In den Kampf für die britische Krone schickte sie Cowley (Gordon Jackson), ein chronisch cholerischer Übervater.
Zwischen 1978 und 1983 lösen Doyle und Bodie 57 Fälle, die ein düsteres Porträt Englands und Londons zeichnen. Selten sind die Touristen-Orte zu sehen, fast alles spielt sich in Hinterhöfen, verrauchten Pubs und muffigen Amtsstuben ab – oder in des Duos Ford Capri. Wird der Staat nicht von Finsterlingen mit ausländischem Akzent bedroht oder gar von einer deutschen Terrorbande namens „Meyer-Helmut-Gruppe“ (!), erwächst die Gefahr aus dem Staat selbst: Korrupte Polizisten und korrupte Politiker geben sich die Klinke in die Hand. So kann es schon mal eine ganze, eher untypische Folge lang um kriminellen Pfusch bei Sozialwohnungen gehen. Eine andere Folge, in der Schwarze in London terrorisiert werden, weist Bodie als Alltags-Rassisten aus – und die Serie als gleichzeitig wohlmeinend und grob gestrickt: Bodie überwindet seinen Rassismus, indem er mit der sexy schwarzen Krankenschwester anbandelt, die ihn in der Klinik pflegt.

Viel kritisiert wurde die Serie für Gewalt und den Sexismus der Hauptfiguren – was die Reihe heute besonders interessant macht: Der Zeitgeist von einst, so befremdlich er bisweilen ist, wirkt förmlich greifbar und macht die Serie zu einem Dokument ihrer Zeit, ganz abgesehen von ihrem Unterhaltungswert: So rasant war im Fernsehen damals wenig – hier lernte etwa Regisseur Martin Campbell sein Handwerk, der später die Bond-Filme „Goldeneye“ und „Casino Royale“ inszenierte.
Ab 2005 kamen bei uns ausgesprochen lieblose, bonusfreie DVDs heraus, die man nun getrost entsorgen kann. Die alten Filmkopien wurden für eine Neu-Edition aufwändig restauriert, das Ergebnis auf DVD und besonders Blu-ray ist erstaunlich: So gut hat die Serie noch nie ausgesehen – bei Doyles Minipli kann man die Löckchen zählen, Bodies enge Lederjacke glänzt stärker denn je. Zudem werfen die Episoden, hier erstmals ungekürzt zu sehen, ein Licht auf den damaligen Umgang des Fernsehens mit angekaufter Serienware: Das ZDF kürzte die Episoden um einige Minuten, damit sie ins Programmschema passten; noch problematischer war die deutsche Synchronisation – kaum eine Serie wurde wohl derart schlampig und oft sinnentstellend übertragen. Sich nun die deutsche Sprachfassung gleichzeitig mit den Untertiteln des Originals anzuschauen, ist fast eine Grenzerfahrung. Da wird das „Marines“-Spezialkommando des Originals zur seefahrenden „Marine“, während Bewohner eines heruntergekommenen Mietshauses, im Original ohne nähere Bezeichnung, nun „zu Molukkern und Studenten“ (!) werden. Da stehen einem die Haare zu Berge. Oder in Doyles Fall, die Löckchen.

Die Serie ist komplett bei bei Koch Media erschienen. Bonus-Material: Alternativer Vorspann, Bildergalerie, Tonspur nur mit der Filmmusik.