Patricia Kaas

Ob sie nicht wollte? Oder ob gute Angebote ausblieben? 2002 gab Patricia Kaas ihr Debüt als Schauspielerin, dem lange nichts folgte. „And Now … Ladies & Gentlemen“ hieß die Romanze, die in den Kinos, auch in den deutschen, wenig Eindruck hinterließ – trotz Filmpartner Jeremy Irons und Regisseur Claude Lelouch („Ein Mann und eine Frau“). Erst 2011 nahm Kaas wieder eine Rolle an – im französischen Fernsehfilm „Assassinée“. Der zählte bei den Nachbarn auf France 3 im Mai 2012 über fünf Millionen Zuschauer, lief unter dem merkwürdig geschraubten Titel „Der Preis des Todes“ Ende 2013 im Bayrischen Rundfunk und ist mittlerweile aud DVD erhältlich.
Kaas spielt eine Frau im französischen Hinterland, die den 20. Geburtstag ihrer Tochter vorbereitet. Während die Gäste schon im Garten feiern, wartet die Mutter auf die Tochter, die über Nacht nicht nach Hause gekommen ist. Unbehagen weicht wachsender Angst, bis die Mutter die Gewissheit hat – die Tochter ist ermordet worden, ihre Leiche wird an der Landstraße gefunden.
Es ist die Stärke des Films von Thierry Binisti, dass er sich wenig für die Lösung des Mordfalles interessiert: „Der Preis des Todes“ ist kein üblicher TV-Krimi. Vielmehr beschreibt er den Zusammenbruch der Eltern und ihre Ratlosigkeit gegenüber einem gründlich, aber langsam ermittelnden Polizeiapparat und einer Justiz, deren unpersönliche Arbeitsweise sie als kalt und gnadenlos empfinden. Der Untersuchungsrichter hat keine Zeit für die Eltern, sie bekommen nur den Rat, eine Abfindung zu beantragen: Geld als Entschädigung für den Tod der Tochter. Schnell kommen Mutter und Vater an ihre Grenzen, was sich bei ihnen unterschiedlich zeigt: Sie zieht sich innerlich von allem zurück, entfernt sich auch von ihrem Sohn und fixiert sich völlig auf die Suche nach dem Täter. Der Vater reagiert hilflos mit Aggression, bis er seelisch zusammenbricht. „Der Preis des Todes“ ist, natürlich, kein einfach zu sehender Film. Er rührt an Urängste, an elterliche Albträume und ist in manchen Passagen schwer zu ertragen: etwa wenn man als Zuschauer schon weiß, dass die Tochter nicht mehr lebt, aber die zunehmend panische Mutter immer noch nach ihr sucht.

Der Film ist dabei ganz auf Patricia Kaas und ihre Rolle zugeschnitten. Sie bietet eine gute Leistung als Zerbrochene, die ihre letzte Kraft aufbietet, um so etwas wie Gerechtigkeit und einen relativen Frieden zu finden. Sie rastet aus, bricht zusammen, ist manchmal eine selbstgerechte Furie, oft ein Häufchen Elend – das alles ist sehr gut und sehr natürlich gespielt.
Gewöhnen muss man sich aber an ihre Synchronisierung. In der deutschen Fassung von „And Now…“ hatte sich die Forbacherin selbst gesprochen, wodurch ihr rauchiges Timbre auch bei uns erhalten blieb, was sich mit ihrem Akzent im Umfeld deutscher Synchronsprecher aber etwas deplatziert ausnahm. In „Der Preis des Todes“ wird sie von der Schauspielerin Nina Kronjäger gesprochen, was von der Stimmlage her gar nicht mal schlecht passt – aber die Kaas klingt hier eben anders als gewohnt. Ihrer Leistung tut das keinen Abbruch, auch nicht das Ende des Films, das hektisch die losen Enden verknüpft, ungeschickt begleitet von einer Erzählerstimme. Für Kaas tut sich eine mögliche Zweit- oder Parallelkarriere auf.

Auf DVD erschienen bei EdelMotion.
Fotos: BR/EdelMotion.
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