DDR Trickfilm

Eine gelungene DVD-Zusammenstellung wirft einen Blick auf die Trickfilmproduktion in der DDR: Insgesamt 14 Filme aus dem staatseigenen Defa-Studio und Werke, die abseits staatlicher Kontrolle entstanden – und künstlerisch wie politisch gewagter zu Werke gingen.

Ein steinernes Monument wird feierlich enthüllt, die Menge klatscht enthusiastisch Beifall und eilt von dannen. Der Mann aus Stein zeigt arbeiterdenkmalmäßig mit einer Pranke visionär gen Himmel – bis das Telefon klingelt und dem Monument neue Anweisungen erteilt. Flugs dreht es sich, zeigt in die entgegengesetzte Richtung und wird erneut heftig beklatscht. „Das Monument“ heißt dieser Trickfilm, der 1989 in den staatlichen Defa-Studios der DDR entstand. Eine satirische Vision kommender „Wendehälse“? Ein trickfilmgewordener Wunsch nach Veränderung?

„Das Monument“ ist einer der Filme der exzellenten DVD-Sammlung „Zwischen Staatskunst und Underground – Animation in der DDR“. Ulrich Wegenast, Programmgestalter des Internationalen Trickfilmfestivals in Stuttgart, hat 14 Filme zwischen 1959 und 1990 zusammengestellt. Den ersten Teil machen Produktionen des volkseigenen Defa-Studios aus: verspielt Utopisches wie die Weltraum- und Märchenland-Reise „Gleich hinterm Mond“ (1959) und Gewitztes wie die Groteske „Ein gemachter Mann“ von 1978. Dieser Film spielt im dekadenten Westen, einem Hochhausmoloch, durch den unablässig Werbebotschaften schallen – über die Vorzüge, sich neue Schuhe oder gleich mal einen neuen Kopf kaufen zu können. In dieser grellbunten Welt bringt ein Polizist eine Geldfälscherbande zur Strecke und nimmt einen Teil der Scheine an sich. Fortan kann er das tun, was man im Westen eben gerne tut: konsumieren.
Das alles erzählt der Film optisch gewitzt, mit Puppentricks und knalligen Bildcollagen. Vordergründig bedient der Film dabei die staatlich angeordnete Kritik am Westen; manche Bilder kann man aber ganz anders deuten: Wände voller Augen, die alles genau beobachten, lassen durchaus an das Überwachungssystem der DDR Films denken.

Den zweiten Teil der DVD machen freie Produktionen aus, die abseits staatlicher Kontrolle entstanden, meist auf Super-8-Material, das leichter zugänglich war als der teurere 35-Millimeter-Film. Wo sich die DEFA-Filme auf technisch hohem Niveau in formal klassischen Grenzen bewegten, operierte der Untergrund avantgardistisch: In Produktionen wie „Action Situation“ sind die Bilder verzerrt, zerkratzt, übermalt, von merkwürdigen Toncollagen begleitet. Diese Filme zeichnen ein ganz anderes Bild ihrer Heimat. Eine Filmsammlung, in der sich viel entdecken und interpretieren lässt – manchmal in jede Richtung.

DVD erschienen bei AbsolutMedien. 115 Minuten, dazu ein ausführliches Booklet über die Geschichte des DDR-Trickfilms.

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