Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Monat: Januar 2017 (Seite 3 von 3)

Todesreise im Schnee: „The Grey“ von Joe Carnahan

The Grey Joe Carnahan Liam Neeson

Ein klarer Fall von Marketing-Irreführung: Der Trailer von „The Grey“ lässt einen Actionfilm im Schnee vermuten, mit einem Finale, in dem Liam Neeson, seit „Taken“ auch eine Art Action-Held,  sich mit Wölfen prügelt, mit zerbrochenen Schapsfläschchen zwischen den Fingern als Krallenersatz – siehe Foto. Der tatsächliche Film geht  in eine etwas andere Richtung. Regisseur und Ko-Autor Joe Carnahan („Narc“, „The A-Team“, auch mit Neeson) schickt seine Figuren auf eine Todesreise. Neeson spielt Ottway, den Angestellten einer Raffinerie in Alaska, der die Kollegen mit seinem Jagdgewehr schützt – etwa vor Wölfen, die mit der Geschwindigkeit eines Sportwagens durch den Schnee in Richtung Menschenfleisch pflügen. Bei einem Flug stürzt die Maschine der Firma ab, eine Handvoll Menschen überlebt, unter ihnen Ottway, der als Alpha-Rüde die Gruppe durch die Wildnis führt – verfolgt von Wölfen, die sich mit effektiver Logik die Schwächsten heraussuchen. Doch es geht im Film nicht um Mensch contra Wolf, sondern um den Menschen und seinen Tod, dem jeder einzelne in einigen sehr berührenden, oft auch drastischen Szenen anders begegnet – mit Panik oder innerer Ruhe, mit Resignation oder einem letzten Aufbäumen.

Vor dem Hintergrund einer tödlich eisigen, gleichzeitig ehrfurchtgebietenden Natur nimmt der Film seinen knapp, aber prägnant skizzierten Figuren die scheinbare Sicherheit des Macho-Gehabes und der Männerrituale. Ohne sie bleiben sie einsame Figuren im Schnee – selbst Alpha-Rüde Ottway, dessen letzten Gang dieser Film überraschend erzählt.

Auf DVD und Blu-ray erschienen bei Universum. Bonus: Überflüssige Mini-Interviews, Aufnahmen von Dreharbeiten und ein sehr guter Audiokommentar des Regisseurs. Fotos: Universum.

 

The Grey Joe Carnahan Liam Neeson  The Grey Joe Carnahan Liam Neeson

The Grey Joe Carnahan Liam Neeson

„Maigret“ mit Rowan Atkinson auf DVD

Maigret Rowan Atkiinson

Ein paar Minuten braucht man schon. Erst dann befürchtet man nicht mehr reflexhaft, dass dieser Kommissar Maigret plötzlich eine Grimasse schneidet oder mit der Tücke des Objekts ringt. Schließlich spielt ihn der Brite Rowan Atkinson, den seine tölpelige Kunstfigur „Mr. Bean“ weltweit bekannt machte. Atkinson wird an diesem Freitag 62 Jahre alt, verspürt wohl keine Lust mehr auf  Grimassen und hat sich fürs britische Fernsehen einer ernsten Rolle zugewandt – der des großen Kriminalisten, Kommissars und Menschenerforschers Maigret, den auch schon Kollegen wie Heinz Rühmann, Jean Gabin, Bruno Cremer und Rupert Davies spielten.

Zwei Maigrets hat Atkinson bereits gedreht: Der erste, „Die Falle“, lief an Neujahr in der ARD, der zweite, „Der tote Mann“, ist am Sonntag (21.45 Uhr) zu sehen; auf DVD und Blu-ray erscheinen sie morgen. Hat sich der sichtliche Aufwand mit 50er-Jahre-Kostümen und (manchmal zu) edler Optik gelohnt? Englische Kritiker waren nur mäßig überzeugt von dieser Georges-Simenon-Adaption. Der „Guardian“ spekulierte gar, während der ersten Episode sei die Zeit (oder zumindest die Uhr) stehen geblieben, so langsam ermittele Maigret im Fall eines Pariser Frauenmörders. Das kann man so sehen; oder aber den Film schätzen für die Ruhe, mit der er von den Ermittlungen erzählt – eine rasante Verfolgungsjagd zu Fuß über den Montmartre (Maigret sitzt symptomatischerweise im Auto) wirkt da fast wie ein Fremdkörper.

Und Rowan Atkinson, der Ex-Komiker? Der gibt den Maigret grüblerisch, in sich gekehrt, mit kleinen Gesten und einer gewissen Härte, ohne die der Beruf nicht durchzuhalten wäre. Erfreulich, dass zwei weitere Filme in Planung sind.

Ab Freitag auf DVD und Blu-ray bei Polyband („Die Falle“/„Der tote Mann“). DVD-Extras: Berichte von den Dreharbeiten in Budapest, das oft das Paris der 40er Jahre doubelt.
Fotos: Polyband

Maigret Rowan Atkiinson

Maigret (Rowan Atkinson) grübelt und schmaucht

Maigret Rowan Atkiinson

Lognon (Colin Mace) und Maigret (Rowan Atkinson)

Fotos zu „Blade Runner 2049“

„Blade Runner 2049“ startet am 5. Oktober, der Trailer ist jetzt veröffentlicht, ebenso einige Entwürfe, Szenen- und Set-Fotos – unter anderem mit Produzent Ridley Scott und Regisseur Denis Villeneuve.
In der Fortführung von Ridley Scotts SF-Film Noir „Blade Runner“ von 1982 spielt Ryan Gosling den Polizisten K, Harrison Ford spielt wieder den Ex-Replikantenjäger Dick Deckard.

Alle Bildrechte: Sony Pictures

 

Blade Runner 2049 Photos

Blade Runner 2049 Photos

Blade Runner 2049 Photos

Blade Runner 2049 Photos

Blade Runner 2049 Photos Ryan Gosling

Blade Runner 2049 Photos Harrison Ford

Blade Runner 2049 Photos Ryan Gosling

Blade Runner 2049 Photos

Blade Runner 2049 Photos Dennis Villeneuve

 

Blade Runner 2049 Photos

 

Blade Runner 2049 Photos

 

Blade Runner 2049 Photos

 

Blade Runner 2049 Photos

 

 

 

„Der Preis des Todes“ / „Assassinée“ mit Patricia Kaas

Patricia Kaas

Ob sie nicht wollte? Oder ob gute Angebote ausblieben? 2002 gab Patricia Kaas ihr Debüt als Schauspielerin, dem lange nichts folgte. „And Now … Ladies & Gentlemen“ hieß die Romanze, die in den Kinos, auch in den deutschen, wenig Eindruck hinterließ – trotz Filmpartner Jeremy Irons und Regisseur Claude Lelouch („Ein Mann und eine Frau“). Erst 2011 nahm Kaas wieder eine Rolle an – im französischen Fernsehfilm „Assassinée“. Der zählte bei den Nachbarn auf France 3 im Mai 2012 über fünf Millionen Zuschauer, lief unter dem merkwürdig geschraubten Titel „Der Preis des Todes“ Ende 2013 im Bayrischen Rundfunk und ist mittlerweile aud DVD erhältlich.
Kaas spielt eine Frau im französischen Hinterland, die den 20. Geburtstag ihrer Tochter vorbereitet. Während die Gäste schon im Garten feiern, wartet die Mutter auf die Tochter, die über Nacht nicht nach Hause gekommen ist. Unbehagen weicht wachsender Angst, bis die Mutter die Gewissheit hat – die Tochter ist ermordet worden, ihre Leiche wird an der Landstraße gefunden.
Es ist die Stärke des Films von Thierry Binisti, dass er sich wenig für die Lösung des Mordfalles interessiert: „Der Preis des Todes“ ist kein üblicher TV-Krimi. Vielmehr beschreibt er den Zusammenbruch der Eltern und ihre Ratlosigkeit gegenüber einem gründlich, aber langsam ermittelnden Polizeiapparat und einer Justiz, deren unpersönliche Arbeitsweise sie als kalt und gnadenlos empfinden. Der Untersuchungsrichter hat keine Zeit für die Eltern, sie bekommen nur den Rat, eine Abfindung zu beantragen: Geld als Entschädigung für den Tod der Tochter. Schnell kommen Mutter und Vater an ihre Grenzen, was sich bei ihnen unterschiedlich zeigt: Sie zieht sich innerlich von allem zurück, entfernt sich auch von ihrem Sohn und fixiert sich völlig auf die Suche nach dem Täter. Der Vater reagiert hilflos mit Aggression, bis er seelisch zusammenbricht. „Der Preis des Todes“ ist, natürlich, kein einfach zu sehender Film. Er rührt an Urängste, an elterliche Albträume und ist in manchen Passagen schwer zu ertragen: etwa wenn man als Zuschauer schon weiß, dass die Tochter nicht mehr lebt, aber die zunehmend panische Mutter immer noch nach ihr sucht.

Der Film ist dabei ganz auf Patricia Kaas und ihre Rolle zugeschnitten. Sie bietet eine gute Leistung als Zerbrochene, die ihre letzte Kraft aufbietet, um so etwas wie Gerechtigkeit und einen relativen Frieden zu finden. Sie rastet aus, bricht zusammen, ist manchmal eine selbstgerechte Furie, oft ein Häufchen Elend – das alles ist sehr gut und sehr natürlich gespielt.
Gewöhnen muss man sich aber an ihre Synchronisierung. In der deutschen Fassung von „And Now…“ hatte sich die Forbacherin selbst gesprochen, wodurch ihr rauchiges Timbre auch bei uns erhalten blieb, was sich mit ihrem Akzent im Umfeld deutscher Synchronsprecher aber etwas deplatziert ausnahm. In „Der Preis des Todes“ wird sie von der Schauspielerin Nina Kronjäger gesprochen, was von der Stimmlage her gar nicht mal schlecht passt – aber die Kaas klingt hier eben anders als gewohnt. Ihrer Leistung tut das keinen Abbruch, auch nicht das Ende des Films, das hektisch die losen Enden verknüpft, ungeschickt begleitet von einer Erzählerstimme. Für Kaas tut sich eine mögliche Zweit- oder Parallelkarriere auf.

Auf DVD erschienen bei EdelMotion.
Fotos: BR/EdelMotion.
Patricia KaasPatricia Kaas

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