Alison Goldfrapp

Alison Goldfrapp. Foto: Goldfrapp

Was sind sie wohl diesmal? Folkpopper mit Blumen im Haar und einem Bett im Kornfeld, wie beim vorigen, auch schon drei Jahre alten Album „Tales of Us“? Oder 80er-Jahre-Nostalgiker wie bei der CD „Head First“ (2010)? Oder gar Herbstmelancholiker mit Vorliebe für flauschige Streicherteppiche wie bei Goldfrapps Debüt „Felt Mountain“, das jetzt auch schon 17 Jahre alt ist?

Gänzlich berechenbar ist sie nicht, die Arbeit des britischen Duos (Will Gregory/Alison Goldfrapp), auch wenn Goldfrapps leicht angeraute Stimme eine Konstante ist. Das neue, siebte Album „Silver Eye“ ist nun keine Neuerfindung im großen Stil, sondern weist zurück auf ihre vornehmlich elektronische Phase mit den CDs „Black Cherry“ und „Supernature“. Die große Überraschung fehlt also, dennoch ist das ein überwiegend spannendes Album – mit eingängigen, dabei aber nicht aufdringlichen Melodien und cleveren Arrangements irgendwo zwischen 70er/80er-Jahre-Nostalgie und der Elektronik von heute.

Gregory lässt die Synthesizer pulsieren, blubbern und jaulen, dass es eine Wonne ist. Die Rhythmen changieren zwischen elegant klackend und elefantös stampfend – manches erinnert vage an Giorgio Moroders Stöhn-Discohits mit Donna Summer wie „I feel love“. Andere Stücke wagen die große melodramatische Geste: „Zodiac Black“ etwa beginnt karg und zart, um sich dann, mit verrätselten Texten um Wasser und Dunkelheit, hochzuschrauben zur großen sphärischen Klangexplosion mit rhythmischem Wummern und entrückten Chören.

Nicht jedes der zehn Stücke ist derart gelungen, ein, zwei Songs wirken wie allzu routiniertes Füllmaterial. Das ist aber verschmerzbar angesichts des grandiosen Höhepunkts „Moon in your mouth“: eine Ode an Liebe und Leben, die in ihrem nostalgischen 80er-Elektronikkleid und mit wunderbarer Melodie direkt ans Herz geht – zum Heulen schön.

Goldfrapp: Silver Eye
(Mute).

http://www.goldfrapp.com

 

Alison Goldfrapp