Im Nachtlicht Diana Maria Frank

Diana Maria Frank als geplagte Minthe Hellheim. Foto: RealFiction

 

Gruselfilm, phantastischer Film, Horrorfilm. Wie immer man das Genre auch nennen mag – deutsche Produktionen haben es im Kino schwer, sind selten und werden oft unabhängig auf den Weg gebracht, mangels Interesse großer Produktionsfirmen oder Verleihe. „Im Nachtlicht“ ist nun einer dieser seltenen neuen deutschen Horrorfilme. Geschrieben und inszeniert von Kino-Debütant Misha L. Kreuz, erzählt der Film eine düstere Geschichte: Eine junge Frau (Diana Maria Frank), angeschlagen von Depressionen, verliert am selben Tag Aushilfsjob und Aushilfswohnung. Rettung in der Not ergibt sich bei einem Gespräch in der Arbeitsagentur. In ihrer Heimatstadt Hellheim, die genau so heißt wie die junge Frau, soll sie, dank ihrer Kenntnisse der Schreinerei und der Architektur, eine historische Mühle restaurieren.

Minthe Hellheim bricht in die alte Heimat auf, mit der sie einige Traumata verbindet, und richtet sich in dem Gebäude ein, das im Wald liegt, aber nicht menschenleer ist. Eine Frau mit dem sinnig sprechenden Namen Goost wuselt um die Mühle herum und geht immer wieder in den dortigen Keller, in dem sich etwas Schreckliches verbirgt: Nicht jeder Besucher kommt aus dem Gemäuer zurück. Zugleich gibt es im Ort einen Mord per Armbrust. Was geht vor in dem Ort, dessen Name Hellheim mehr oder weniger subtil auch eine Spur in Richtung Hölle legt?

Potenzial wird vergeben

Eine altes Gemäuer, mysteriöse Vorgänge, ein Panoptikum der bizarren Charaktere und etwas Monströses im Keller – „Im Nachtlicht“ hat Material genug für gediegenen Grusel. Doch der Film vergibt einiges Potenzial, da er bisweilen handwerklich unbeholfen ist: Etwa wenn die Biografie der Hauptfigur (unbekannte Eltern, Heimaufenthalte, Depressionen) in einer Szene beim Arbeitsamt wenig elegant transportiert wird. Auch die Besetzung der Nebenrollen ist nicht immer gelungen, da wirkt manches laienhaft – wobei die Profis, darunter Diana Maria Frank als geplagte Minthe und David Rott (Ophüls-Nachwuchspreisträger 2003 für „Ganz und gar“) als öliger Bankdirektor, sehenswert sind.

Gelungen ist die Atmosphäre, vor allem im Ort Hellheim selbst – hier steht die Luft in der Provinz, und das Böse dominiert. Dieses Böse ist durchweg männlich, in Form eines finsteren Anwalts, des öligen Bankers, eines homophoben Polizisten und eines Mannes, dessen erste Szene aus dem Würgen einer Frau und dem Satz „Du Scheißhure, ich bring Dich um“ besteht. Einzige Lichtgestalt abseits dieser düsteren Männerwelt ist ein sensibler Polizist mit eigenen Problemen, der aus dem Film allerdings mit einer recht abenteuerlichen Drehbuchkonstruktion herauskatapultiert wird. Subtil will „Im Nachtlicht“ da wohl nicht sein, eher satirisch zugespitzt. Doch die Übergänge zwischen Horror-Ernst und etwas Genre-Satire sind oft abrupt, es holpert in der Dramaturgie. Ob einem das nun die Freude an einem ambitionierten, unabhängig produzierten deutschen Grusel-Versuch vergällt oder nicht, wird Geschmackssache sein.

REALFICTIONFILME – Im Nachtlicht