Szene aus "Jenseits der blauen Grenze": Lena Urzendowsky als DDR-Schwimmerin Hanna - Sportlerin für ein Land, aus dem sie fliehen will. Foto: Wood Water Films

Lena Urzendowsky als DDR-Schwimmerin Hanna – Sportlerin für ein Land, aus dem sie fliehen will. Foto: Wood Water Films

Sommer 1989 in der DDR. Die junge Schwimmerin Hanna (Lena Urzendowsky) zeigt Talent und wird zur Olympia-Hoffnung der DDR. Ihr bester Freund Andreas (Willi Geitmann) wird von der Staatsmacht drangsaliert und will fliehen – durch die Ostsee. Dazu braucht er Hannas Hilfe. „Jenseits der blauen Grenze“ über Enge, Hoffnung und Freundschaft war einer der stärksten Produktionen des Spielfilmwettbewerbs beim Ophüls-Festival 2024, schnörkellos erzählt und sehr berührend – er gewann den Publikumspreis Spielfilm und den Preis der Ökumenischen Jury. Regie führte Sarah Neumann, die auch das Drehbuch nach dem Roman von Dorit Linke geschrieben hat. Wir haben mit Neumann gesprochen, die an der Filmakademie in Ludwigsburg Regie studiert.

Der Film ist am Dienstag, 2. Juli, ab 19 Uhr im Kino Achteinhalb zu sehen.

 

Was hat sie an der Romanvorlage besonders angesprochen?

NEUMANN Ich habe den Roman 2015 zum ersten Mal gelesen. Mich hat auf Anhieb angesprochen, dass er so filmisch geschrieben ist. Besonders die Fluchtszenen sind so eindrucksvoll beschrieben, dass ich mir dachte: „Das habe ich im deutschen Kino noch nicht gesehen – das würde ich gern einmal auf der Kinoleinwand sehen“.

Wie sind Sie mit der Buchvorlage umgegangen, was haben Sie verändert?

NEUMANN Ich habe immer versucht, möglichst nahe am Roman zu bleiben. Doch ein paar Figuren und Situationen mussten leider gestrichen werden, weil es sonst mindestens drei Filme geworden wären. Die Grundaussage des Romans ist aber unverändert geblieben.

Wie schnell war klar, dass Lena Urzendowsky Hanna spielen würde?

NEUMANN Nachdem wir ihr Casting-Video gesehen haben, war für uns alle klar, dass sie die Hanna spielen muss. Im Konstellations-Casting mit Willi Geitmann und Jannis Veihelmann hat sich das nochmal hundertprozentig bestätigt, weil die drei sofort wunderbar miteinander harmoniert haben.

Musste Urzendowsky für die Schwimmszenen ein besonderes Training absolvieren?

NEUMANN Lena hat ein Jahr lang trainiert, um möglichst nahe an die Statur einer Schwimmerin zu kommen. Sie hatte einen Schwimmtrainer, mit dem sie regelmäßig trainiert hat, damit ihre Schwimmbewegungen möglichst authentisch und professionell aussehen.

 

Fototermin beim Ophüls-Festival im Januar, von links: Darsteller Jannis Veihelmann, Regisseurin/Autorin Sarah Neumann. Darstellerin Lena Urzendowsky und Schauspieler Willi geitmann. Foto: Max Kullmann / Filmfestival Max Ophüls Preis

Fototermin beim Ophüls-Festival im Januar, von links: Darsteller Jannis Veihelmann, Regisseurin/Autorin Sarah Neumann. Darstellerin Lena Urzendowsky und Schauspieler Willi Geitmann.   Foto: Max Kullmann / Filmfestival Max Ophüls Preis

Wie war es, im Meer zu drehen? Schwierig – und vor allem kalt?

NEUMANN Wir haben alle Fluchtszenen in der Ostsee gedreht, was ziemlich hart war, weil das Wetter dort unberechenbar ist. Wir sind jeden Tag mit einem Boot ungefähr 20 Minuten weit aufs Meer hinausgefahren. Von da mussten Lena und Willi dann ins Wasser. Und es war, trotz Sommer, wirklich ziemlich kalt.

Wie viele Drehtage hatten Sie?

NEUMANN Wir hatten 28 Drehtage und das Budget eines Abschlussfilms, was für einen historischen Film eigentlich viel zu wenig ist. Aber wir haben unserer tollen Szenenbildnerin Lorena Hahn und Team sowie unserer tollen Maskenbildnerin Mara Laibacher mit Team zu verdanken, dass der Film so authentisch wie möglich ist. Sie haben mit unseren wenigen finanziellen Mitteln die DDR auf der Leinwand zum Leben erweckt.

Interview mit Dominik Graf

Sie sind ein Jahr vor dem Mauerfall in Görlitz geboren. War Film auch die Möglichkeit, sozusagen die DDR-Historie noch einmal mehr für sich selbst zu erforschen?

NEUMANN Ich gehöre zu einer Generation, die sich nun, 35 Jahre nach Mauerfall, noch einmal neu mit der DDR-Geschichte auseinandersetzt. Nachdem es eine Filmwelle gegeben hatte, die alles sehr auf die Stasi-Thematik reduziert hat, und es eine „Ostalgie“-Welle gab, die alles sehr verharmlost und ins Lächerliche gezogen hat, ist es an der Zeit, von der DDR und allen Menschen, die dort gelebt haben, ambivalenter zu erzählen. Und es gibt ganz viele Geschichten, die noch nie erzählt wurden.

Haben Sie Favoriten, was das Behandeln der DDR im Kino angeht?

NEUMANN Ich finde „Gundermann“ einen wirklich guten Film, der eben auch diese Ambivalenz hat, die so wichtig ist, wenn es um die DDR geht. Ansonsten hat mich der Defa-Film „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“ unheimlich inspiriert.

Der wunderbar lapidare Dialog über die DDR in Ihrem Film: „Ist es wirklich so schlimm?“ – „Ja“ – ist der auch so im Buch?

NEUMANN Ja, ein zentraler Dialog, der auch im Roman ist.

Der Film hatte beim Festival gleich zwei Schauspiel-Nominierungen – wie lange haben Sie gecastet?

NEUMANN Dass beide nominiert sind, hat uns unendlich gefreut. Für die Rolle von Andreas haben wir in Hamburg und Berlin insgesamt etwa um die 15 tolle junge Schauspieler eingeladen. Aber als wir Willi Geitmann in Berlin gesehen haben, waren wir alle uns auf Anhieb einig, dass er den Andreas spielen muss. Bei der Rolle des Jensi war es nicht einfach, Schauspieler zu finden, die Charme haben und einen natürlichen sächsischen Akzent. Dass wir Jannis Veihelmann gefunden haben, ist ein großes Geschenk.

Dienstag, 2. Juli, 19 Uhr im Kino Achteinhalb in Saarbrücken,
im Rahmen der Filmtage der Arbeitskammer.