Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Schlagwort: Kino Achteinhalb

Wie geht es dem saarländischen Filmbüro am 30. Geburtstag?

Saarländisches Filmbüro Großregion Jörg Witte, Sigrid Jost und Anna Kautenburger (v.l.). Foto: Keßler

Die drei Vorstandsmitglieder Jörg Witte, Sigrid Jost und Anna Kautenburger (v.l.). Foto: Keßler

 

Das Saarländische Filmbüro wird 30 Jahre alt – ein Blick zurück und nach vorn. Am Montag beginnt eine große Tagung.

Nächtelang waren die Diskussionen damals, und hitzig. Pausenlos habe man sich getroffen und beraten, erzählt Sigrid Jost – damals vor 30 Jahren, als sich aus einem Dutzend Kinobegeisterter das Saarländische Filmbüro gründete. Dies besteht seitdem, auch wenn sich seine Rolle über die Jahre verändert hat. Konstant geblieben sind nur Geldknappheit und Idealismus der Beteiligten, ohne die der gemeinnützige Verein längst Geschichte wäre.

Das Klagelied der kulturellen Selbstausbeutung aber wollen die drei Vorstandsmitglieder Jörg Witte, Sigrid Jost und Anna Kautenburger nicht singen, lieber erzählen sie von heute und damals: Als das Filmbüro in den 1990er Jahren auch als Geschäftsstelle der Kulturellen Filmförderung im Saarland über Mittel aus dem Kulturministerium entschied. Die  damaligen Förderungen, ob nun von Filmen oder Strukturen, kann man  auf der Internet-Seite des Büros nachlesen, eine oft nostalgische Lektüre: „Umrüstung auf Stereoabtastung einer bestehenden Tonanlage und Abspielförderung“ bei der Kinowerkstatt St. Ingbert im Juli 1994 etwa  (4073 Mark und 56 Pfennig) oder, auch 1994: Stoffentwicklung (6500 Mark) für ein Drehbuch, das neun (!) Jahre später verfilmt und ein bundesweiter Kino-Erfolg wurde –  „Schultze gets the Blues“ von Michael Schorr aus Landau.

„Keine Überzahl von Saarländern“

 

„Das Regionale war uns enorm wichtig“, sagt Jost, „es ging uns um unverbrauchte Bilder,  um die spezifische Saarlandkultur, das Besondere in der Grenzregion.“ Die Mitgliederversammlung wählte ein Gremium aus, das strengen Proporz wahren sollte: zwischen Männern und Frauen, zwischen Film-Produktion und Film-Abspiel. Außerdem, und so etwas hört man nicht oft: „Es sollte keine Überzahl von Saarländern geben, um Vetternwirtschaft zu vermeiden.“ Deshalb wurden auch Fachleute etwa aus Luxemburg berufen. Die Fördersummen der einzelnen Projekte bewegten sich zwischen 400  und 100 000 Mark, doch 1997 war das alles vorbei. Die SPD-Regierung fror die Mittel ein, erzählt Witte, erst ab 1999 gab es mit der neu gegründeten Saarland Medien GmbH wieder eine saarländische Filmförderung.

Vielen ähnlichen selbstverwalteten Filmbüros ging es damals ähnlich, Strukturen veränderten sich, die Politik sah vielerorts die Rolle der Filmförderung vor allem in der wirtschaftlichen Stützung des Standorts. „Unser kultureller Enthusiasmus hat nicht mehr so in  die Zeit gepasst“, erinnnert sich Jost, „man galt als Dinosaurier, wenn man nicht ausschließlich wirtschaftlich argumentiert hat“.

Nur – was tun? Das Filmbüro widmete sich noch stärker der Großregion, durch Kontaktpflege und Verknüpfung an „vielen runden Tischen“, wie Jost sagt. Das SaarLorLux Film- und Videofestival hatte das Büro schon 1990 auf den Weg gebracht, es wurde 2003 von Kino im Fluss/Cinéfleuve (bis 2007) abgelöst; 2009 bis 2013 gastierte die Filmschau Großregion hier und bei den Nachbarn; und Créajeune mit Nachwuchsfilmen der Großregion feiert seinen zehnten Geburtstag.

Nachwuchs dringend gesucht

Viel Arbeit also, darunter regelmäßige Workshops und die Filmwerkstatt-Abende, die im Verein organisiert werden muss – und finanziert. Die Förderung für das Büro ist seit Jahrzehnten gleich (schrumpft real also): Anfangs gab es 50 000 Mark im Jahr, jetzt sind es 26 000 Euro. Die müssen immer wieder jährlich beantragt werden, genau wie die Förderungen für einzelne Projekte, etwa für pädagogische Filmarbeit. „Das alles geht nur mit Herzblut“ sagt Anna Kautenburger.  Fest anstellen könne man niemanden, so setzt man auf Praktika und idealistisches Ehrenamt. „Wir überschreiten manchmal unsere Kraftreserven“, sagt Jost, „aber das Tolle ist ja, dass man nicht im üblichen Sinne zur Arbeit geht, sondern Projekte umsetzt – das wiegt das  Ganze wieder auf.“ Dennoch fehlt dem Verein mit seinen um die 20 Mitgliedern der Nachwuchs, „junge Menschen, die in der Filmszene etwas gestalten wollen“, wie es Kautenburger sieht.

Das Archiv plus Kaffee

Ein Schwerpunkt des Büros in der Nauwieserstraße 19 ist sein Archiv mit knapp 3000 Filmen aus den vergangenen Jahrzehnten aus der Region. Interessierte sind sehr willkommen. „Man kann sich bei uns melden“, sagt Jost, „und sich die Filme hier ansehen – einen Kaffee gibt’s auch.“ Die Filme liegen teilweise noch auf dem ausgemusterten VHS-Videoformat vor, technisch noch antiker etwa geht es bei den Kollegen der Forbacher Médiathèque zu, wie Witte erzählt: Dort schlummern in einem Stahlschrank rund 100 Kurzfilme und Dokus aus den Jahren 1980 bis 1993, vor allem zum Bergbau. Hochinteressantes Filmerbe also, „aber im alten U-matic-Videosystem, das keiner mehr abspielen kann“. Um diese Frage, wie man das Filmerbe retten kann (und auch mit welchem Geld) dreht sich von Montag bis Mittwoch das internationale „Kolloquium Filmkulturelles Erbe“ in Saarbrücken, das das Filmbüro ausrichtet, unterstützt vom saarländischen Kulturministerium. „Wir müssen etwas tun, sonst ist das alles nicht mehr zu sehen“, sagt Witte. Zu tun bleibt also genug, auch über den 30. Geburtstag hinaus.

Informationen, auch zur Tagung:

http://www.filmbuero-saar.de

 

Die Doku „Akrobaten unter freiem Himmel“ beim Festival Perspectives

Akrobaten unter freiem Himmel Yoann Bourgeois

Yoann Bourgeois bei einem seiner kunstvollen Treppenstürze. Foto: Program33

Ein Mann taumelt auf einer Treppe, stürzt hinab und aus unserem Blickfeld – einen Augenblick später schwebt er traumwandlerisch wieder nach oben, die Füße finden die Stufen, er geht weiter – um gleich wieder zu fallen. Das sind die ersten, aber nicht die einzigen atemberaubenden Bilder aus der Dokumentation „Akrobaten unter freiem Himmel“ von Netty Radvanyi und Nicos Argillet. Der knapp einstündige Film porträtiert vor allem französische Artisten des zeitgenössischen Zirkus – der Treppenstürzer ist Yoann Bourgeois.

Am Montagabend erlebte die Arte-Produktion im Saarbrücker Kino Achteinhalb ihre Premiere – im Rahmen des Festivals Perspectives. Deren Leiterin Sylvie Hamard freut sich über die erste Kooperation mit dem deutsch-französischen Sender, „seit Jahren waren wir im Gespräch, der Film hat jetzt optimal gepasst“. Denn in der Dokumentation (mit einem leider etwas langweiligen Titel) sind einige Künstler zu sehen, die man vom Festival kennt – etwa Camille Boitel, Yoann Bourgeois und auch Alexandre Fray, der gerade mit seiner Compagnie „Un loup pour l’homme“ und der Performance „Rare Birds“ beim Festival zu sehen war – er war bei der Vorstellung dabei, ebenso wie die Regisseurin Radvanyi, die diesen Künstlern „eine Stimme geben“ will, denn „sonst reden die ja weniger“.

Im Film, der sich in Kapitel wie „Schwerkraft“, „Balance“, „Zeit“ und „Zufall“ gliedert, erscheint Fray unter dem Motto „Anziehung“; man sieht ihn mit seinen Kollegen bei Bewegungen und Formationen, die der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen scheinen und wirken, als gebe es zwischen den Körpern ein blindes Verständnis. Was aber täuscht – hier ist alles Kommunikation, und die ist laut Fray einfach harte Arbeit: „Wenn man stürzt, hat die Kommunikation versagt.“ Tatiana-Mosio Bongonga balanciert 40 Meter über dem Boden des nächtlichen Caen über ein Stahlseil („Der Straßenverkehr ist vielleicht gefährlicher als das“, sagt sie), der Jongleur Jörg Müller sieht als Grundlage seiner Kunst „das Verstehen der Objekte“. Und der gewitzte Performance-Künstler Camille Boitel liefert sich gerne dem Zufall aus, etwa wenn er auf einem Tischchen steht, das unter seinen Hammerschlägen immer wackeliger wird.

Optisch kunstvoll ist der Film, mit manchmal magischen Bildern in der Natur im Sonnen- und Gegenlicht, mit Zeitlupen-Aufnahmen, die die urwüchsige Schönheit der Bewegungen betonen – eine Liebeserklärung an die neue Zirkus-Kunst.

Termin: 23. Juli, 17:30 Uhr, Arte.

Akrobaten unter freiem Himmel

Bei der Vorstellung des Films im Kino Achteinhalb (v.l.): Akrobat Alexandre Fray, Regisseurin Netty Radvanyi, Festivalleiterin Sylvie Hamard und Waldemar Spallek vom Achteinhalb. Foto: tok

Der komplette Jacques Tati: Große Werkschau im Saarbrücker Kino Achteinhalb

Jacques Tati

Das Saarbrücker Kino Achteinhalb zeigt alle Filme von Jacques Tati. Kuratiert hat die Reihe  der Saarbrücker Filmwissenschaftler Nils Daniel Peiler.

Jetzt kann er es ja zugeben: Als Nils Daniel Peiler Jacques Tatis Film „Playtime“ zum ersten Mal sah, ist er sanft eingeschlummert. „Ich habe erstmal keinen Zugang gefunden“, sagt Peiler. Damals war er Student in Saarbrücken, heute ist er Filmwissenschaftler und mittlerweile ein großer Anhänger des Franzosen (1907-1982) und dessen „zeitloser, filmisch visionärer Komik“. Tati blickte in Filmen wie „Die Ferien des Monsieur Hulot“, „Mein Onkel“ und „Trafic“ humoristisch und kritisch auf die Welt (vor allem die französische), auf ihre Kuriositäten und Macken. Der damals dösende Peiler entdeckt heute „in diesen Zeitdokumenten der französischen Gesellschaft“ ständig Neues, „in jeder Einstellung gibt es kleine Raffinessen“, wenn Tati sich filmisch elegant über grenzenlose Fortschritts- und Technikgläubigkeit mokiert oder über seelenlose Architektur.

Filmwissenschaftler und Kurator Nils Daniel Peiler. Foto: Oliver Dietze

Peiler zeigt ab Donnerstag nächster Woche im Saarbrücker Kino Achteinhalb das Gesamtwerk Tatis. Das Kuratieren war für ihn eine Frage des „Jetzt oder nie“: Die Rechtelage eines filmischen Gesamtwerks ist oft zersplittert, erfordert viel Recherche und Verhandlungsarbeit. „Aber hier war die Lage luxuriös“, sagt Peiler. Die Rechte aller Filme Tatis (abgesehen vom posthumen Trickfilm „Der Illusionist“ nach einem Tati-Drehbuch) liegen zurzeit beim französischen Verleih Studiocanal. „Aus Kurator-Sicht ein Geschenk“, sagt Peiler, der einen „passablen Preis“ ausgehandelt hat. „In einem Jahr könnte die Rechtelage ganz anders sein.“

 

Jacques Tati

Eine Szene aus „Mon oncle“. Foto: Les films de Mon Oncle

Vor den Filmen gibt Peiler eine dreiviertelstündige Einführung, mit Filmausschnitten, Fotos und Querverweisen: Man könne etwa sehen, „was ein Film wie ‚Mr. Bean macht Ferien’ alles bei Tati geklaut hat“. Die Reihe zeigt auch die selten zu sehenden Kurzfilme Tatis, die oft einen Bezug zum Hauptfilm haben: „Schule der Briefträger“ etwa, in dem er 1946, drei Jahre vor „Schützenfest“, einige Ideen durchspielte. Oder „Abendschule“, den Tati 1967 in den Kulissen von „Playtime“ gedreht hat. Eine „rare Archivperle“ nennt Peiler „Spezialität des Hauses“, ein Kurzfilm von Tatis Tochter, den sie 1976 im selben Städtchen drehte, in der „Schützenfest“ entstand: Sainte-Sévère-sur-Indre.

Mit sechs Spiel- und sieben Kurzfilmen wirkt das Lebenswerk Tatis schmal – was aber täuscht, wie Peiler erklärt. „Er hat immer wieder an Filmen gearbeitet, oft Jahre nach ihrer Premiere.“ Was ist dann die definitive Version? Peiler zeigt die jeweils jüngste Version, „die für Tati letztgültige Fassung“ – von „Die Ferien des Monsieur Hulot“ (1953) etwa die Fassung von 1978, von „Schützenfest“, Premiere 1949, die Fassung von 1964.

Jacques Tati

Kein schöner Arbeitsplatz. Ein Szenenfoto aus „Playtime“. Foto: Les films de Mon Oncle

Es ist nicht Peilers erste Retrospektive im Achteinhalb. An die These „Das Thema Werkschau im Kino ist tot“ glaubt er nicht und hat einige beachtete und gut besuchte Reihen kuratiert: über den US-Regisseur Wes Anderson („Grand Budapest Hotel“) etwa oder über Louis de Funès. Billige oder einfache Unternehmungen sind das nicht, für „Playtime“ etwa musste Peiler deutsche Untertitel erstellen; überrascht ist er darüber, dass „es diesmal wirklich schwer war“, Unterstützer abseits der traditionellen Begleiter wie der Uni Saarbrücken oder der Volkshochschule Regionalverband Saarbrücken zu finden. „Die Bereitschaft zur Förderung ist allgemein rückläufig.“ Dass dies Peilers vorerst letzte Reihe ist, liegt an seiner anstehenden Doktorarbeit, aber eben auch am schwierigen Finanzieren. „Wenn man wegen 50 Euro Zuschuss endlos telefonieren muss, fragt man sich schon, ob die Rahmenbedingungen noch stimmen.“

 

Die Termine:

Donnerstag, 9. März: „Tatis Schützenfest“ und Kurzfilm „Die Schule der Briefträger“.

Freitag, 10. März: „Die Ferien des Monsieur Hulot“ und „Raufbold gesucht“.

Samstag, 11. März: „Mein Onkel“ und „Halte Deine Linke hoch“.

Sonntag, 12. März: „Playtime“ und „Abendschule“.

Montag,13. März: „Trafic“ und „Fröhlicher Sonntag“.

Dienstag, 14. März: „Parade“ und „Spezialität des Hauses“.

Mittwoch, 15. März: „Der Illusionist“ und „Forza Bastia 78“.

Einführung jeweils um 19 Uhr, Filme (Original mit Untertiteln) ab 20 Uhr.

http://www.studiocanal.de/

 

Jacques Tati

Citroens legendäre DS in Bewegung. Eine Szene aus „Trafic“. Foto: Les films de Mon Oncle

 

 

 

Jules Herrmann und ihr Film „Liebmann“

Liebmann Jules Herrmann

Regisseurin Jules Herrmann

 

Jules Herrmann Godehard Giese Liebmann

Godehard Giese

 

Wenn er doch endlich schlafen könnte. An Lärm liegt es nicht – in dem  französischen Flachlandnest, in das sich der Deutsche Liebmann zurückgezogen hat (oder geflüchtet?), hört man höchstens den Wind sachte durch die Bäume säuseln – ganz selten schallt ein Schuss durchs Dickicht. Die Jäger, erklärt Liebmanns Vermieter, der nicht schlau wird aus diesem freundlichen, aber wortkargen Mann, dessen Französischkenntnisse davon abzuhängen scheinen, was man ihn fragt (bei Privatem sind sie nicht mehr vorhanden).

In ihrem herausragenden Spielfilmdebüt „Liebmann“ erzählt die 1970 in Saarbrücken geborene Regisseurin Jules Herrmann (plus Buch, Produktion und Schnitt) die Geschichte eines Rückzugs, von der Suche nach einem Neuanfang. Etwas nagt, vielmehr frisst an Liebmann, er mag örtlich weit weg sein von dem, was geschehen ist, aber es lässt ihn nicht los. „Du erinnerst mich an Ines“, sagt er einmal zu seiner Nachbarin – quälen ihn Liebeskummer oder gar der Tod seiner Freundin/Frau? Der Film lässt das lange rätselhaft, und wenn er auf Hintergründe blicken lässt, überrascht er immer wieder, unterläuft  Erwartungen und bricht mit Wonne den eigenen Erzählfluss: Die deutliche Annäherung seitens der netten Nachbarin wird in einem kleinen „Film im Film“ aus Kindersicht persifliert. Und wenn „Liebmann“ den Grund der Seelenqual erklärt und dabei zeitweise seinen luftigen Erzählduktus zu verlieren droht, entgeht er dieser Schwere durch einen kleinen Strindberg-Exkurs, der wie eine Parodie aufs klassische Arthouse-Bildungsbürgerkino wirkt. Wie Herrmann das alles filmisch schlüssig unter einen Hut bekommt, ist famos. Bittersüß ist „Liebmann“ und bei allem Kummer der Hauptfigur, eindringlich gespielt von Godehard Giese, auch immer wieder sehr komisch, auf stille Weise.

Ungewöhnlich ist auch die Entstehung des Films: Herrmann hat die Idee in sechs Tagen entwickelt, auf 27 Zetteln waren Handlung und einzelne Szenen skizziert – und los ging es ins nordfranzösische St. Erme in der Nähe von Reims. Herrmanns Arbeitshypothese: „Alles kann, nichts muss – und vielleicht geht alles schief.“ Man habe beim Dreh ganz auf Intuition gesetzt, „denn es gab keine  Zeit für Analyse“, sagt Herrmann bei der Vorstellung des Films im Kino Achteinhalb. Schnell musste es gehen, zum einen weil Herrmann den Dreh selbst finanziert hat (Unterstützer kamen erst später dazu) und weil Godehard Giese nur knapp drei Wochen Zeit hatte. Giese und Herrmann kennen sich seit Jahren, sind befreundet; er spielte in Herrmanns Kurzfilm „Auszeit“, 2006 im Ophüls-Wettbewerb, sie produzierte und schnitt Gieses Regiedebüt „Die Geschichte vom Astronauten“. Schmale 15 Drehtage hatten sie nun für „Liebmann“, dessen Handlung zwar vor Ort entwickelt wurde, „aber es wurde nie vor der Kamera improvisiert“, betont Herrmann. Sie wollte keinen jener betont spontan und etwas formlos wirkenden Improvisationsfilme drehen, „Liebmann“ wirkt geschlossen und buchstäblich formvollendet. Ein halbes Jahr schnitt Herrmann, die von 1999 und 2005 Regie in Potsdam studierte (und zuvor BWL in Saarbrücken), den Film – am Ende unter besonderem Druck, denn die Berlinale 2016 wollte den Film als Uraufführung zeigen, „da musste alles sehr schnell gehen“. Danach hat der Film eine Festival-Weltreise angetreten, lief unter anderem in Toronto, Mailand, Irland und Taiwan. Nur, und das verwundert Herrmann angesichts ihres in Frankreich und fast ausschließlich in Französisch gespielten Films, hält sich das Interesse von gallischen Festivals oder Verleihern in Grenzen. „Wir haben uns da lange bemüht, aber jetzt haben wir keine Lust mehr.“ Pech für die Nachbarn.

„Liebmann“ gibt es jetzt auch auf DVD, bei MissingFilm


Fotos: Sebastian Egert/MissingFilms

 

Jules Herrmann Godehard Giese Liebmann

 

Jules Herrmann Godehard Giese Liebmann

 

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