Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Schlagwort: Marion Cotillard

Brad Pitt und die Sorgenfalten: „Allied“ auf DVD

Aus den Kinos schnell verschwunden, erscheint der Film „Allied“ mit Brad Pitt und Marion Cotillard nun auf DVD – ein Liebesmelodram, das sich viel vornimmt.

 

Brad Pitt Allied Marion Cotillard

Marion Cotillard als französische (oder gar deutsche?) Spionin  Marianne Beausejour. Fotos: Paramount

 

Die Weltgemeinschaft atmet auf: Brad Pitts Harnwege erfreuen sich bester Gesundheit. Denn er hat dem Alkohol abgeschworen und stößt nur noch mit Beerensaft an. Das war eine der Erkenntnisse der weltweit veröffentlichten, „großen Lebensbeichte“ (Bild) des Schauspielers, dem ersten Interview seit der Trennung von Angelina Jolie. Im Rahmen dieses Ehe-Kollapses erwähnten bunte Blätter gerne, dass Pitt zuvor einen Film mit der a) schönen und b) französischen (oh la la!) Kollegin Marion Cotillard gedreht hat – hat es da also geknistert und folglich in der Ehe gekriselt? Wer weiß? Und wer will es eigentlich wissen?

 

 Brad Pitt Allied Marion Cotillard

 

Der Film selbst verschwand recht schnell wieder aus den Kinos; jetzt erscheint „Allied“ (mit dem etwas holprigen Bei-Titel „Vertraute Fremde“) auf DVD – ein Film mit Ambitionen und Macken, weder ganz geglückt noch misslungen.
Hoch vom Himmel schwebt er ein – der kanadische Spion Max Vatan (Brad Pitt) landet per Fallschirm im Casablanca des Jahres 1942. Er und die französische Agentin Marianne Beauséjour (Marion Cotillard) geben sich dort als Paar aus. Ihre Mission: der Mord am deutschen Botschafter. Bei der Vorbereitung kommen sich die Kollegen näher – die Anziehung ist da, ebenso aber auch antrainiertes und verständliches Misstrauen unter Spionen. Die aufgestauten Gefühle entladen sich schließlich im Auto während eines – da ist der Film nicht allzu subtil – symbolisch tosenden Sandsturms. Aus den Spionen wird alsbald ein Ehepaar, man lebt in London, bekommt ein Kind, hofft, den Krieg zu überleben – und ist dabei wunschlos glücklich miteinander. Doch Vatans nächster Auftrag ist fatal: Er soll seine Frau heimlich überprüfen. Könnte sie eine deutsche Spionin sein? Die Saat des Misstrauens ist gesät – er beginnt, auf jede Geste der Gattin zu achten, kleine Fallen zu stellen.

 

 Brad Pitt Allied

 

Sorgenfalten und Hundeblick

 

Regisseur Robert Zemeckis („Forrest Gump“) und Autor Steven Knight („Peaky Blinders“) haben viel im Sinn: Spionage, Romanze, Ehedrama, ein wenig Action und auch eine Hommage an betagte Kriegsmelodramen – die erste Hälfte des Films spielt nicht zufällig in Casablanca. Doch wirklich packend ist diese Melange nicht: So aufwendig etwa die Ausstattung ist, so steril wirkt sie bisweilen auch; zumal Zemeckis sehr gerne auf computergenerierte setzt, was man den prachtvollen Tableaus (das Pärchen in einer Wüste oder auf einer grünen Londoner Wiese) zwar nicht gleich ansieht – aber irgendwie spürt man diese Künstlichkeit (siehe Foto unten). An seine Grenze stößt auch Pitt – wenn er den Gatten in der Krise spielt, legt er die Stirn monoton in Sorgenfalten, im Finale kommt noch ein Hundeblick dazu. Wurde er schlecht geführt? Dachte er an etwas anderes? So wenig überzeugend hat man ihn jedenfalls lange nicht gesehen. Und Cotillard? Sie ist mit ihrer vor Gefühl pulsierenden, dabei nie ganz durchschaubaren Rolle das Herz des Films; doch der macht sie in der zweiten Hälfte fast zur Nebenfigur, während der Gatte versucht, ihre Unschuld beziehungswiese Schuld zu beweisen. So bleibt „Allied“ unter seinen Möglichkeiten, auch wenn die letzten Momente, nach einem Finale im schickssalsfeucht prasselnden Regen durchaus ans Herz gehen.

 

 Brad Pitt Allied Marion Cotillard

Hier stößt die CGI-Technik an ihre Grenzen – man spürt eine gewisse Künstlichkeit.

 

 

„The Immigrant“ von James Gray – TV-Premiere am 14. 12. bei Arte

Immigrant james Gray Marion Cotillard

James Grays Film „The Immigrant“ hätte die Kinoleinwand verdient gehabt – in Deutschland erschien der Film direkt auf DVD, jetzt erlebt er seine TV-Premiere. Er erzählt vom Leidensweg einer jungen Polin, die im New York des Jahres 1921 zu überleben versucht.

Ein trügerisches Bild des Willkommens: Die Freiheitsstatue ragt in den Himmel, aber sie wirkt im Nebel nur schemenhaft – und ist auch noch von hinten zu sehen. Der amerikanische Traum scheint in Sichtweite und dennoch weit entfernt im ersten Moment des Films „The Immigrant“. Die junge Polin Ewa (Marion Cotillard) kommt 1921 in New York an, auf der Suche nach einem besseren Leben. Doch ihre mitreisende Schwester wird wegen Verdachts auf Lungenentzündung gleich in Quarantäne behalten, man droht ihr, sie zurückzuschicken – auch Ewa, denn der Einwanderungsbehörde kommen Gerüchte zu Ohren, sie habe sich auf der Überfahrt von Europa als Frau „von niederer Moral“ erwiesen. Vor der Abschiebung bewahrt sie nur der mysteriöse Bruno Weiss (Joaquin Phoenix), der seine Kontakte spielen lässt, Bestechungsgeld zahlt und Ewa von der Hafeninsel Ellis Island mit in die Stadt nimmt. Der scheinbare Menschenfreund hat ganz andere Motive – dass er für ein Theater attraktive Tänzerinnen anwirbt, ist nur die halbe Wahrheit.

Der amerikanische Regisseur und Autor James Gray, Jahrgang 1969, ist so etwas wie ein Heimatfilmer: Seine Werke „Little Odessa“ (1994), „The Yards – Im Hinterhof der Macht“ (2000) und „Helden der Nacht“ (2007) erzählen von Familienstrukturen, von Polizei und Gewerkschaften, aber immer auch von Grays Geburtsstadt New York, vom Leben dort und der (meist düsteren) Atmosphäre. Gray, dessen Großeltern aus der Ukraine stammen, schildert nun die Geschichte einer schwierigen Heimatsuche und konzentriert sich dabei ganz auf die Hauptfigur. Man erlebt New York durch Ewas Augen: als Labyrinth schäbiger Hinterhöfe, beengter Wohnungen und karger Behördenzimmer. Kameramann Darius Khondji („Sieben“, „Amour“) findet atmosphärische Bilder, zart getönt in Sepiabraun, aber ohne nostalgische Färbung – das 1921 des Film ist auch bildlich im Hier und Jetzt verankert.
New York ist hier eine Welt der strengen Teilung zwischen Haben und Nichthaben – und es ist eine Männerwelt, in der Ewa nur ihren Körper als Währung einsetzen kann. Bruno macht sie zur Prostituierten, und Ewa wehrt sich nicht, weil sie für sich und vor allem ihre Schwester zu allem bereit ist. Gray macht daraus kein Rührstück – er zeigt einfach, wie sich eine Person einer katastrophalen Situation stellt und dabei enorme Stärke beweist. Die Figuren sind vielschichtig: Marion Cotillard spielt Ewa anrührend, zelebriert aber keine Leidens-Leistungsschau. Joaquin Phoenix spielt einen Zuhälter, der sich langsam in Ewa verliebt, vor allem wohl in ihre Integrität, die ihm so fern ist – am Ende scheint Bruno in Selbsthass zu köcheln. Ein Varieté-Magier (Jeremy Renner) scheint eine Ausflucht aus Ewas Misere zu sein, aber der Film macht es sich nicht so simpel, einfach einen besseren Mann als Rettung anzubieten.

Mittwoch, 14.12., 20.15 Uhr, Arte.
Auf DVD ist der Film bei Universum erschienen.
Die Fotos stammen von Arte France/Wildside.

 

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