Film und dieses & jenes

Schlagwort: Rolf Giesen

„Der Schnorchel“ aus dem Hause Hammer – gute Heimkinoveröffentlichung von Anolis

Natürlich: Dracula und Frankenstein, Peter Cushing und Christopher Lee, dazu geplante Invasionen aus dem Weltall in den Quatermass-Filmen – das verbindet man am ehesten mit den Werken der britischen Film-Firma Hammer. Doch die bot durchaus mehr als Horror. Der Film „Der Schorchel“,  1957 hammer-untypisch, weil relativ kostspielig, auch in Italien gedreht, ist ein kleiner, feiner, manchmal überraschend böser Thriller der Briten. Peter van Eyck, dank „Lohn der Angst“ ein veritabler Euro-Star, spielt einen Mann, der seine Gattin ermordet – in einer trickreichen, minutenlangen, dialoglosen Eröffnungssequenz, in der er eine Taucherbrille, Schnorchel, Gas und Gummischläuche braucht. Die Polizei glaubt an einen Freitod (worauf der Mörder spekuliert), nur seine junge Stieftochter ahnt, was geschehen ist. Doch niemand glaubt ihr, und der Mörder weiß, dass sie das nächste Opfer sein muss.

Im Mittelteil des Films von Guy Green stellt sich eher solide Spannung denn Hochspannung ein, aber im Finale zieht der Film an und bietet eine schöne Schlusspointe. Van Eyck, wunderbar ölig und von finsterem Charme, tut das, was sich nicht jeder Bösewicht traut (ACHTUNG SPOILER!!): Er bringt den süßen Filmhund um.

Die Extras der Bluray (auf der Hülle unterschlagen) sind exzellent: ein Audiokommentar mit Uwe Sommerlad und Volker Kronz, Booklet und Audiokommentar von Rolf Giesen, dazu ein 23-Minuten-Special über Komponist Francis Chagrin, Bildergalerien, Trailer – und eine Rekonstruktion des Endes, wie Drehbuchautor Jimmy Sangster es eigentlich im Sinn hatte. Doch diese grimmige „Rache ist süß“-Variante hat sich Hammer dann doch nicht getraut.

Erschienen bei Anolis.

 

Die Geschichte der Hammer-Studios.

Die Doku „The Frankenstein Complex“.

German Grusel: „Die Schlangengrube und das Pendel“

 

 

 

 

„Die Rebellen vom Liang Shan Po“: eine Kindheitserinnerung auf DVD

Schulhofgespräch Nummer 1 war das, montagmorgens 1980: Wie haben der edle Lin Chun und seine Getreuen dem kaiserlichen Schmierlappen Kao Chiu wieder mal ein Schnippchen geschlagen? Und wie geht es weiter mit diesen „Ausgestoßenen im Kampf gegen die Tyrannei“, wie der Erzähler sie nennt?

Reifere Leser werden es ahnen: Es geht um die TV-Serie „Die Rebellen vom Liang Shan Po“. 1973/74 wurde sie produziert, Ende 1980 lief sie erstmals in der ARD – am familienfreundlichen Sendeplatz Sonntagvorabend. Basierend auf chinesischen Volkssagen erzählt die japanische Serie von Männern (und einer Frau), die sich, nicht zuletzt mit dem Schwert, gegen die Gewaltherrschaft des Kaisers auflehnen, der sein Volk hungernlässt. Um Edelmut und Korruption geht es, um Freiheitskampf und Unterdrückung – erzählt mit viel Aufwand an Kostümen und Pferden, mit einem großen Ensemble und, für eine TV-Serie, viel Action. Die entsetzte jedoch, auch wenn die ARD schon manches entschärft hatte, viele Eltern und Jugendschützer. Nach Protesten wurde die Serie abgesetzt; die noch ungesendeten Folgen liefen dann 1982 und 1983 zu späterer Stunde.

Vor Jahren erschien die Serie als DVD-Edition, in mäßigem Bild und nur mit den Kürzungen der ARD (denen damals nicht nur Action-, sondern auch Dialogszenen zum Opfer gefallen waren). Mehr als verdienstvoll also, dass der Anbieter Turbine nun die ungekürzten Folgen in überarbeiteter Bildqualität auf DVD und Blu-ray herausbringt und die damals gekürzten, nun erstmals kompletten Szenen neu synchronisiert hat – mit den meisten Sprechern von damals. Allen voran Christian Rode, der noch einmal als edler Lin Chun vor das Mikrofon trat. Es war eine seiner letzten Arbeiten, Rode starb im Februar. Das macht seine Begrüßung auf der ersten DVD dieser schönen Box etwas wehmütig.

Erschienen bei Turbine Medien. 26 Folgen, 1200 Minuten.


Extras: Informationen zu Kürzungen und der Restaurierung, Interview mit Filmwissenschaftler Rolf Giesen und China-Experte Wolfram Wickert sowie nicht zuletzt ein sehr gutes Booklet.

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