KINOBLOG

Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Schlagwort: Steve McQueen

Guter Import: „Robbery“ mit Stanley Baker auf DVD

Robbery Stanley Baker DVD

 

Mit Stanley Baker will man sich nicht anlegen. Er war der „tough guy“ des britischen Kinos, hätte in einem Wettbewerb des grimmigen Schauens ebenso Sean Connery wie Oliver Reed von der Leinwand gestarrt. Gegen Ende seines kurzen Lebens (Baker starb mit 48 an Krebs) drehte er recht wahllos Filme, da er sich als Produzent und Geschäftsmann finanziell verhoben hatte. Dennoch findet man in seiner Filmografie viele Perlen – am bekanntesten wohl das Spektakel „Zulu“, das er auch produzierte und das Michael Caine zum Star machte.  Künstlerisch herausragend ist eine seiner mehreren Zusammenarbeiten mit Regisseur Joseph Losey: „Accident“, ein Beziehungsdrama aus Oxfords akademischer Oberschicht, in dem Baker mit und gegen Dirk Bogarde spielte – ein grandioser, ziemlich harter und schmerzlicher Film (und leider nicht als deutsche DVD zu haben).

Akademiker waren sonst nicht Bakers Rollen-Domäne, es dominierten Gangster, harte Helden, Militärs. Sehenswert und in England als sehr liebevolle DVD-Edition erschienen, ist „Robbery“ von 1967. Er erzählt vom Überfall auf einen Postzug, der in Deutschland als Mehrteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ verfilmt wurde. „Robbery“ erzählt mätzchenfrei von Planung, Rekrutierung des Teams, Durchführung und den Folgen des Überfalls, zeigt viel vom London der 60er Jahre und beginnt mit einer ebenso rasanten wie dramaturgisch eigentlich unnötigen Autojagd quer durch London – diese Arbeitsprobe aber brachte dem Regisseur Peter Yates ein Angebot von Steve McQueen ein, für ihn „Bullitt“ zu inszenieren – inklusive einer legendären Autojagd.

Und Horst Tappert auf Englisch

Nach der Raserei quer durch London geht es der Film ruhiger an, gewinnt aber viel Spannung durch die Planungen – hier sind Profis am Werk, die mit Umsicht und Präzision ihr Team zusammenstellen. Dieses schmückt sich mit Charakterköpfen des englischen Kinos: Barry Foster, Frank Finlay, William Marlowe, George Sewell  und James Booth als Polizist. Der ganz große Wurf ist der Film dennoch nicht, denn ein wenig mehr hätte man gerne von diesen Figuren erfahren, der Film lässt ihre Vorgeschichte im Dunkeln. Dennoch bleibt es spannend und auch atmosphärisch – der Film hat fast ganz auf das Drehen in Studiobauten verzichtet.

Als Bonus-Material bietet „Robbery“ neben einem guten Booklet , einem alten Interview mit Baker und neueren mit  dem Produzenten, dem Drehbuchautor etc. die englisch synchronisierte Kinofassung von „Die Gentlemen bitten zur Kasse“, die 1967 in die US-Kinos kam: So kann man auch mal Horst Tappert englisch reden hören.

 

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Robbery Stanley Baker DVD

 

 

Jäger und Sammler in Sachen „Le Mans“

Auf der Spur von Steve McQueen und „Siggi“ Rauch: Der Saarbrücker Frank Wrobel sammelt alles, was mit dem Rennfahrer-Film „Le Mans “ zusammenhängt. Diese Leidenschaft führt ihn quer durch Europa und verlangt manchmal auch detektivischen Spürsinn. Ein Gespräch übers Sammeln und ein Blick auf seine „Le Mans“-Kostbarkeiten.

Le Mans

Frank Wrobel mit dem Helm und den Handschuhen, die bei den Dreharbeiten zu „Le Mans“ der Schweizer Schauspieler Fred Haltiner (als Johann Ritter) trug. Foto: Keßler

 

Nach drei Stunden zieht sich Frank Wrobel die weißen Handschuhe über. Das muss sein – denn seine Sammlerstücke werden immer kostbarer: Kuchenkrümel oder Fingerabdrücke auf über 40 Jahre alten, vielfach signierten Filmplakaten? Das muss nicht sein. Auch der Rennfahrerhelm, den Wrobel mit Fingerspitzengefühl auf dem Wohnzimmertisch platziert, ist ein veritables Stück Kinogeschichte: Er stammt aus dem Rennfahrer-Film „Le Mans“ (1970) mit Kinolegende Steve McQueen. Bei den Dreharbeiten vor 47 Jahren trug den Helm der Schweizer Fred Haltiner; er spielte den Fahrer Johann Ritter, einen Porsche-Teamkollegen des US-Fahrers Michael Delaney alias Steve McQueen. Der war Motor, Star und Produzent dieses Films mit einer legendär chaotischen Produktionsgeschichte: Egos schepperten mit mehr Rumms aufeinander als die Autos, Regisseur John Sturges floh mit Vollgas, und im Kino lief der Film dann stotternd wie ein Motor, dem das Benzin ausgeht. „Aber über die Jahre ist aus dem Flop ein Kultfilm geworden“, sagt Frank Wrobel, während er vorsichtig ein antikes Filmplakat entrollt. „Auch hochdekorierte Rennfahrer schauen ihn sich immer wieder an, nicht zuletzt wegen des Porsche 917 – das ist ein herrliches Auto.“

 

Le Mans

Das alte Presseheft des Films.

 

Le Mans

Die Laserdisc.

 

Le Mans

Das Vinyl-Album der Filmmusik, geschrieben und signiert (unter anderem) von Michel Legrand.

 

Wrobel (51), der aus Kaiserslautern kommt und seit 1995 in Saarbrücken lebt, ist diesem Rennfilm verfallen, er sammelt alles, was er in die Finger bekommen kann. Einen Bruchteil hat er an diesem Nachmittagsbesuch mitgebracht; sein Kofferraum ist gut gefüllt, mehrmals pendeln wir mit Kisten, Posterrollen und Bilderrahmen zwischen Auto und Wohnung hin und her. Wrobel packt aus, kramt, erklärt, erzählt. Da sind Pressehefte, Aushangfotos, ein altes Rennfahrer-Quartett mit McQueen, eine seltene Picture-Disc, eine 33 Jahre alte Videokassette, signiert von Rennfahrerlegende Hans Herrmann, der 14 Mal in Le Mans fuhr. Das Rennen gewann er 1970, just als die Filmemacher aus Hollywood die rasanten Rennszenen für ihren Film einfingen. Eine besondere Preziose ist, neben dem vielfach signierten Filmmusik-Album, das Original eines Filmvertrags, unterschrieben von Steve McQueen höchstselbst.
Die Liebe zu „Le Mans“ traf Wrobel über den kurvigen Umweg eines anderen McQueen-Films: „Bullitt“. Vor 30 Jahren sah er den Krimi mit der legendären Autojagd durch San Francisco zum ersten Mal. „Das war der Anfang allen Übels“, sagt er, der seit 17 Jahren passenderweise einen Ford Mustang 1966 besitzt und sich das Automotiv plus McQueen sogar auf den Arm tätowieren ließ.

 

Le Mans

Ein Filmvertrag mit zwei Unterschriften Steve McQueens – einmal als Star, einmal als Produzent.

Wirklich geschehen um ihn war es aber erst Jahre später, als er „Le Mans“ entdeckte. Wrobel begann zu sammeln und schaltete schnell einen Gang höher – warum nicht die Beteiligten von damals treffen und befragen? McQueen starb schon 1980, und so war als Erster Co-Star Siegfried Rauch an der Reihe, der im Film den Konkurrenten mit dem teutonischen Namen Erich Stahler spielt. Rauch, zuletzt „Traumschiff“-Kapitän, war schnell gefunden. Aber der erste Anruf war erfolglos: „Ich muss gerade weg mit dem ‚Traumschiff’“, beschied Rauch. Wrobel blieb dran, „ich habe ihn drei oder vier Mal genervt“, dann wurde ein Termin vereinbart. „Mit Sack und Pack“, den Preziosen seiner Sammlung, reiste Wrobel nach Oberbayern, wo ihn Rauch auf seinem Hof empfing, dort „kistenweise Material“ und Anekdoten hervorkramte: etwa zur Freundschaft zwischen Rauch und McQueen, der der Pate von Rauchs Sohn wurde. Auch von den legendenumrankten Ego-Kollisionen am Set hatte Rauch einiges zu erzählen. Regisseur Sturges („Die glorreichen Sieben“) verabschiedete sich von dem einmischungsfreudigen McQueen mit dem schönen Satz „Ich bin zu alt und zu reich für diese Scheiße“ auf Nimmerwiedersehen. Zum Abschied von Wrobel schenkte Rauch ihm eines seiner selbstgemalten Bilder: „Gefällt’s Dir? Dann kannst Du’s haben“. So einfach geht es manchmal.

 

Le Mans

Das Ehepaar Rauch und Frank Wrobel. Foto: Wrobel

Schwieriger war da die Suche nach Darstellern, deren Karrieren irgendwann versandeten: nach dem Franzosen Luc Merenda etwa, der McQueens Konkurrenten im Ferrari 512 spielte. Merenda handelt heute in Paris mit japanischer Kunst und hatte erstmal keinerlei Lust, über alte Zeiten zu palavern – oder wie Wrobel es ausdrückt, „er war positiv schroff“. Doch er ließ sich erweichen und parlierte schließlich in den Pariser Tuilerien über den Film und über „Siggi“ Rauch, der ihn am meisten beeindruckt hatte: „The guy with his steel blue eyes and the big balls“ – familiengerecht übersetzt als „der Typ mit den blauen Augen und ordentlich Mumm in den Knochen“.

 

Le Mans

Wrobel und Luc Merenda, Schauspieler und heute Kunsthändler in Paris.

 

Die härteste Nuss war Richard Rüdiger, der McQueens zweiten Fahrer im Porsche 917 spielte. Rüdiger hat sich in den 70er Jahren aus dem Geschäft komplett zurückgezogen; zwei Jahre suchte Wrobel, kam ihm auf die Spur und bettelte über drei Ecken erstmal vergeblich um einen Termin – bis Rüdiger ihn schließlich anrief: „Sind Sie der, der nicht lockerlassen kann? Damit Sie endlich Ruhe geben, machen wir einen Treffpunkt aus.“ Man traf sich in München und plauderte dann doch drei Stunden lang. Hat Wrobel einmal eine Spur aufgenommen, gibt er Gas bis zur Ziellinie.

Sogar den einstigen Koch der „Le Mans“-Produktion spürte er auf: Fredy Zurbrügg war bei den Dreharbeiten noch keine 20 und begeisterte McQueen mit einer Kreation namens „Steve Steak“ – mariniert in Honigsoße, veredelt mit Ananasstücken. Derart angetan war McQueen, dass sich der Koch aus dem edlem Fuhrpark des Stars einen Wagen aussuchen durfte – Zurbrügg wählte stilsicher einen Jaguar E, den er heute noch besitzt. Als Wrobel Zurbrügg in der Schweiz zum ersten Mal besuchte, schenkte der ihm eine Kiste alter Foto-Abzüge vom Dreh – höchstes Sammlerglück.
Was die guten Stücke, die Wrobel aus Sicherheitsgründen nicht zuhause lagert, in schnödem Geld wert sind, kann er nicht genau sagen. „Einen fünfstelligen Betrag habe ich sicher ausgegeben.“ Einen norwegischen Verkäufer entlohnte er gar mit einem großen Paket deutscher Brezel. Dass jeder Cent (und Brezel) es wert war, versteht sich von selbst. Ihm geht es neben den Stücken auch um die Begegnungen, aus denen sich manche Freundschaften entwickelt haben: Zu Wrobels 50. Geburtstag im letzten Jahr hat ihn Zurbrügg gar in sein Restaurant in der Schweiz eingeladen und bekocht – mit, man ahnt es, einem „Steve Steak“.

Le Mans

Eine seltene Picture-Disc.

Würde Wrobel, der sein Geld in der Werbung verdient, die Kostbarkeiten irgendwann verkaufen? „Niemals – aber man weiß ja nie, was passiert.“ Dass ihm ein anderer Sammler für seinen Helm das Mehrfache dessen bietet, was Wrobel selbst für ihn bezahlt hat („und das war nicht wenig“) ist jedenfalls keinerlei Versuchung.
Fehlt ihm noch eine Perle in der „Le Mans“-Krone? Bei der Frage wird ihm das Sammler-Herz schwer: Zum Filmstart damals verloste die „Bravo“ drei Rennanzüge, die McQueen bei den Dreharbeiten getragen hat. Zwei von ihnen wurden 2008 und 2015 in New York versteigert, für 425000 Dollar und für eine Million. Aber Rennanzug Nummer drei? Den spürte Wrobel detektivisch in Baden-Württemberg auf, bei der Familie des damaligen Gewinners. Wrobel konnte sein Glück nicht fassen und machte ein gutes Angebot; doch erst dadurch wurde der Familie klar, was sie da im Schrank hängen hat. Diesen Schatz will sie nun international verkaufen. Da kann Wrobel nicht mitbieten, sagt er. „So nah und doch so fern“ – Sammlertragik.

Kontakt zu Frank Wrobel: per facebook und unter V8PromotionFW@web.de

 

Le Mans

Das amerikanische Presseheft zum Film.

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Siegfried Rauch spielte Steve McQueens Konkurrenten mit dem teutonischen Namen Erich Stahler.

 

Le Mans

Ein altes Quartett, in dem McQueen als Rennfahrer auftaucht.

 

 

Le Mans

Das Titelblatt einer Zeitung mit dem schönen Namen „Vollgas Revue“.

 

Le Mans

Wrobel mit Michel Legrand, dem Komponisten der Filmmusik von „Le Mans“.

 

Le Mans

Kurios: Die Ankündigung des Films, als er noch anders hieß und auf dem Nürburgring gedreht werden sollte.

Männerfreundschaft und Motoren: Ein Buch über Steve McQueen, Siegfried Rauch und „Le Mans“

Le mans Steve McQueen

Le mans Steve McQueen

Le mans Steve McQueen Siegfried Rauch

 

Rasende Autos, zusammenkrachende Egos – die Dreharbeiten 1970 zum Rennfilm „Le Mans“ hatten es in sich. Abseits des Trubels entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den Darstellern Steve McQueen und Siegfried Rauch, die nun ein Buch verewigt.

Es sollte der definitive Film über den Autorennsport werden und über die 24 Stunden von Le Mans. Doch öfter noch als die Wagen auf der legendären Rennstrecke krachten die Egos ineinander – die von Star/Produzent Steve McQueen und von Regisseur John Sturges. Der war mit McQueen in den Filmen „Die glorreichen Sieben“ und „Gesprengte Ketten“ besser zurecht gekommen. In Le Mans hatte er irgendwann von seinem einmischungsfreudigen Star die Nase voll und verabschiedete sich mit dem schönen Satz „Ich bin zu alt und zu reich für diese Scheiße“. TV-Regisseur Lee Katzin brachte den Film irgendwie zu Ende, ganz glücklich war am Ende niemand – die Rennszenen waren zwar rasant, Dramaturgie und Spannung aber untertourig.

Erfreulicher war da die Freundschaft, die sich zwischen McQueen und seinem Kollegen Siegfried Rauch entwickelte. Der spielte McQueens deutschen Konkurrenten Erich Stahler (ein typisch deutscher Hollywoodname). Von dieser Freundschaft, dem Film und dem Renn-Rummel handelt das bunt gemischte, sehr unterhaltsame Buch „Unser Le Mans“. Da erzählt Rauch, wie das angefangen hat mit McQueen, den er bei den Dreharbeiten erst einmal in Ruhe lässt, was dem Viel-Umrummelten positiv auffällt. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich über die jeweiligen armen Kindheiten aus und findet so einen Draht zueinander. Nach den Dreharbeiten geht es gemeinsam nach Paris, später besucht McQueen Rauchs Familie im Schatten der bayerischen Alpen und wird der Taufpate von Rauchs Sohn Benedikt. Irgendwann, wie es halt so geht, verliert man sich aus den Augen, die Jahre fliegen – bis Rauch vom Krebstod McQueens 1980 in der Zeitung liest. Einige Fotos zeigen einen ungewohnt entspannten McQueen in der rustikal gemütlichen Wohnstube Rauchs. Vier Briefe an Rauch sind abgedruckt, in denen der Amerikaner ihn jedesmal anders anredet: „Sigi“, „Siegi“, „Ziggi“ und „Ziggy“. McQueensche Vielfalt.

Diese Freundschaft ist ein Aspekt des Buchs – aber es geht auch generell um das Rennen in Le Mans, um die Dreharbeiten und den Rennsport; da werden einige Porsche vorgestellt, darunter der legendäre 917, Fahrer und Techniker erzählen von damals und heute. Film- und Autofans, McQueen- und Rauch-Anhänger werden bei der Lektüre gleichermaßen zufrieden sein.

 

Unser Le Mans. Siegfried Rauch. Steve McQueen – Der Film. Die Freundschaft. Die Fakten. Herausgegeben von Hans Hammer. Delius Klasing Verlag, 208 Seiten, 29,90 Euro. Die DVD des Films ist bei Paramount erschienen.

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