Film und dieses & jenes

Schlagwort: Trickfilm

„Luis Buñuel im Labyrinth der Schildkröten“ von Salvador Simó

Dreharbeiten im Elend: Luis Buñuel (rechts) und sein Team, das mit dem Großkünstler nicht immer einer Meinung ist.

Dreharbeiten im Elend: Luis Buñuel (rechts) und sein Team, das mit dem Großkünstler nicht immer einer Meinung ist. Foto: Good!Movies

 

Der Hass kommt aus jeder Richtung. „Faschist!“ schreien die einen, „Kommunist!“ die anderen – und ein Gotteslästerer ist er auch noch. So läuft im Film „Luis Buñuel im Labyrinth der Schildkröten“ die Pariser Premiere 1930 von „Das goldene Zeitalter“ ab, Buñuels zweitem Film. Der verstörte mit seinen surrealen Bildern ebenso wie ein Jahr zuvor des Spaniers Kinodebüt „Der andalusische Hund“ – unter anderem – man kennt es gut – mit dem Motiv der Rasiermesserklinge im Augapfel. Groß ist der Skandal um Buñuel, klein die Zahl der Geldgeber, die seine skandalträchtige Kunst unterstützen wollen. Auch nicht sein Kollege und zuvor künstlerischer Begleiter Salvador Dali, der sich blumen- und erfindungsreich herausredet: „Eine Wahrsagerin hat mir geraten, Freunden kein Geld zu leihen.“ Was tun?

In der Limousine zum Elend

Das ist der Ausgangspunkt dieses biografischen Animationsfilms von Salvador Simó, der auf einem Comic von Fermín Solís über Buñuel (1900-1983) basiert und die Geschichte seines nächsten Projekts nachzeichnet: Ein Buch macht ihn auf Las Hurdes aufmerksam, eine abgelegene Gebirgslandschaft in Spanien, mit katastrophaler Armut und viel Krankheit durch generationenlange Inzucht. Über das schwierige Leben und Überleben dort will der große Surrealist eine realistische Dokumentation drehen. Finanzieren mag das niemand. Außer einem engen Freund, dem Anarchisten und Bildhauer Ramón Acin. Doch der hat kein Geld, verspricht ihm aber, den Film namens „Las Hurdes – Land ohne Brot“ zu finanzieren, sollte er in der Lotterie gewinnen. Und da das Leben manchmal so ist wie ein schlechtes (oder auch surreales) Drehbuch, gewinnt Acin tatsächlich und finanziert den Film. Mit einem großspurigen neuen Auto, für das Buñuel schon mal ein Viertel des Budgets ausgibt, geht es bequem los in Richtung Elend.

Kein Denkmal

„Luis Buñuel im Labyrinth der Schildkröten“ – der Titel bezieht sich auf die flachen Steinhütten der Bewohner von Las Hurdes – setzt dem spanischen Künstler kein kritikloses Denkmal. Buñuel, befeuert von seiner Kunst, geht buchstäblich über Leichen, wenn auch zumindest nicht über die von Menschen: Ein lokales Ritual des Abreißens von Hühnerköpfen (lebend) stellt er gerne noch einmal nach, um es gut vor die Kamera zu bekommen; wenn Ziegen keine steilen Klippen herabstürzen wollen, hilft er nach, schließlich trägt er immer einen Revolver bei sich; und die tödliche Attacke wütender Bienen auf einen Esel provoziert er bewusst. Wie viel oder wenig dieses Tun allerdings mit dokumentarischer Arbeit zu tun hat (ganz abgesehen von der Grausamkeit), muss sich Buñuel irgendwann fragen. Sein entsetzter Freund/Produzent stellt sich diese Frage schon früher.

„Der wilde Planet“ auf Bluray

Um die Frage des Verhältnisses zwischen Dokumentarfilmer und seinen menschlichen Objekten geht es auch in diesem halbfiktionalen Film. Anfangs bereitet Buñuel seinem Team immer ein opulentes Frühstück zu, damit man zu den Dreharbeiten bei den Hungernden kein Essen mitnehmen muss, das man dann verteilen müsste. Doch mit der Zeit scheint er diese Elendswelt nicht mehr nur als faszinierende Kulisse für einen möglichst schockierenden Film zu begreifen, sondern wirklich als bedrückendes Thema. So ist „Luis Buñuel im Labyrinth der Schildkröten“ auch die Geschichte einer persönlichen Reife – zugleich aber auch eine satirische Komödie über Filmemacher, die sich mit Nobelauto und in edlem Zwirn dem großen Elend nähern.

Nostalgischer Animationsstil

Der Trickfilm, der im Dezember 2019 den Europäischen Filmpreis als Beste Animationsproduktion gewann, erzählt das alles (die Todesfälle abgesehen) mit leichter Hand, oft witzig, mit einem Animationsstil, der bewusst altmodischer und weniger fließend wirkt als glattere Hollywood-Trickfilme. In surrealen Traumsequenzen hat Buñuel wundersame Visionen und Gespräche, wird von Hühnern verfolgt (vor denen er sich wohl zeitlebens ängstigte) und sucht, ein Psychologie-Klassiker, die ihm bisher versagte Anerkennung seines Vaters. Regisseur Simó schneidet immer wieder kurze Szenen aus Bunuels „Las Hurdes“ in seinen Film hinein, ein interessanter Kontrast von Bildern und Ästhetiken.  Mit der Fertigstellung von „Las Hurdes“ (Bunuel schneidet ihn in seiner Küche) endet der Trickfilm, der noch auf das Schicksal des lotteriespielenden Produzenten verweist: Er wird im Spanischen Bürgerkrieg von den Faschisten erschossen, ebenso wie seine Frau.

Den Film gibt es auf DVD und Bluray bei Good!Movies.
Das Kino Achteinhalb zeigt ihn am Donnerstag, 1. Februar, OmU ab 19 Uhr. Vorher gibt es eine Einführung von Prof. Oleksandr Pronkevich von der Katholischen Universität Lviv, hinterher einen kleinen Umtrunk.

„Wenn der Wind weht“ auf Blu-ray

Turbine Medien

Jim und Hilda, als die Welt noch in Ordnung ist. Foto: Turbine

 

Am Ende hört das Zahnfleischbluten gar nicht mehr auf. Die Haare fallen in Büscheln auf den staubigen Boden – und es bleibt nur noch das Beten des Psalms 23, den das alte Ehepaar nicht mehr ganz zusammenbekommt. Die letzte Viertelstunde von „Wenn der Wind weht“ ist erschütternd – nachdem der Film zuvor die Härte seiner Geschichte noch ein wenig mit einem gewissen schwarzen, manchmal grausigen  Humor abgemildert hatte. Der britische Zeichentrickfilm von 1986, der jetzt in einer mustergültigen Edition mit viel Bonus-Material erstmal aus Blu-ray erscheint, erzählt eine einfache Geschichte: In England schlägt eine Atomrakete ein, ein Ehepaar versucht, sich eine Art Schutzraum zu bauen, angeleitet von einer himmelschreiend verharmlosenden Broschüre der Regierung. Die rät etwa, die Fenster weiß zu streichen, das helfe gegen die radioaktive Strahlung. Das hilft natürlich nicht – aber was sollte auch helfen?

Lotte Reinigers „Prinz Achmed“ auf Bluray

Die Buchvorlage schrieb und zeichnete der  englische Künstler Raymond Briggs, der zuvor eher für Kinderbücher bekannt war wie „Oje, Du fröhliche“ (über einen vom Advent gestressten Weihnachtsmann). „Wenn der Wind weht“ erschuf er Anfang der 1980er Jahre, bewegt von der Angst vor Aufrüstung und einem atomaren Krieg. Im Buch wie Film steht fast ausschließlich das Paar Jim und Hilda Bloggs im Mittelpunkt, die Außenwelt dringt anfangs noch per Radio und Telefon zu ihnen, dann ist Stille. Insuläre Eheleute im beschaulichen Hinterland sind sie; er zumindest informiert sich noch ein wenig über die Weltlage, sie lebt ganz für eine britische Idylle zwischen Teestunde, Würstchen und Hackbraten. Briggs lässt da zwei schlichte Gemüter mit dem Unfassbaren kollidieren – der Auslöschung eines ganzen Landes, dem Ende der Welt.

 

Turbine Medien

Abendessen nach dem Einschlag. Foto: Turbine

 

Die politischen Spannungen und die Bedrohung durch Russland vor der Explosion versucht vor allem Hilda noch zu ignorieren. In den Zeitungen stehe ohnehin „nur Quatsch“, außerdem haben „wir den letzten Krieg überlebt, dann werden wir auch den nächsten überleben“. Als die letzten Radionachrichten melden, dass in drei Minuten eine Atomrakete einschlägt, sagt Hilda: „Dann hole ich noch schnell die Wäsche rein.“ Eine Atomexplosion verwüstet das Land, was der Film (inszeniert von Jimmy Murakami, „Sador – Herrscher im Weltraum“) nur aus der Perspektive des Paares zeigt und dafür von reinem Zeichentrick zu einer Mischung aus Animation und Modelltrick wechselt: Die Möbel werden von einer Druckwelle durchs Haus gewirbelt, zurück bleibt eine Ruine. Die einst sattgrünen Wiesen sind schwarzes Ödland, durch das der radioaktive Wind pfeift.

Stalin war ja „immer sehr nett“

Briggs gönnt seinen Figuren kleine Fluchten des Elends, vor allem auf dem Weg der Verklärung der Vergangenheit. „War eigentlich schön der Krieg damals“, sagt Hilda, die auch Stalin mit seinem onkeligen Schnurrbart „immer sehr nett“ fand, ebenso wie das Übernachten in U-Bahnschächten, wenn deutsche Bomben fielen. Jim steigert sich in eine Kriegsfantasie hinein, in der England zurückschlägt und Russland die Demokratie aufzwingt, angeführt vom legendären „Monty“ Montgomery, von dem Jim nicht weiß, ob er nicht schon längst gestorben ist. Rule Britannia. Hatte Autor Briggs hier nebenbei auch eine Parodie auf manche seiner betont rückwärtsgewandten Landsleute im Sinn? Man kann sich vorstellen, wie Jim und Hilda zum Brexit stehen würden. In jedem Fall federt dieser Humor die Härte der Handlung lange etwas ab – bis es ans Sterben geht und man sich nichts mehr schön reden kann.

Stimmen von Brigitte Mira und Peter Schiff

Meisterlich ist „Wenn der Wind weht“ in seiner kompromisslosen Konsequenz, zudem hat der Kontrast zwischen der Handlung und der knubbelnasigen und zarten Zeichnung seiner Figuren eine manchmal fast verstörende Wirkung. Synchronisiert wurde dieses Zwei-Personen-Weltuntergangsstück von zwei sehr prägnanten Schauspielern: Brigitte Mira (ebenso Fassbinders „Angst essen Seele auf“ wie der TV-Klassiker „Drei Damen vom Grill“) und Peter Schiff – mit seiner leicht angerauten Stimme sprach er auch den Computer Hal in der deutschen Fassung von Kubricks „2001“. In der Originalfassung von „Wenn der Wind weht“ sind es die britischen Bühnenstars Peggy Ashcroft und John Mills – der Vergleich beider Fassungen lohnt sich, klingt Ashcroft doch etwas weniger naiv und verhuscht als Mira, und Mills etwas weniger  wissend und alles erklärend als Schiff. Da besitzt das Ehepaar ein anderes, ausgeglicheneres Kräfteverhältnis.

Bowies 80er-Aroma

Zeitlos wirkt dieser Film, nimmt man die Musik aus: David Bowies Titelsong hat das deutliche Aroma jener 1980er Jahre, in denen er sich schwer tat – hier ist das Pathos ziemlich aufdringlich, im Gegensatz zum Film, der das umgeht. Und eine sehr konventionelle Ballade  von Roger Waters zum Abspann hätte es nicht gebraucht, sie wird dem unkonventionellen Film nicht gerecht. Vielleicht wollte man dem Publikum keine Stille oder das schlichte Heulen des verseuchten Windes nicht zumuten.

 

Bonusmaterial:
Gutes Booklet.
Zwei Dokumentationen zum Film.
Audiokommentar von Schnittassistent Joe Fordham und Filmhistoriker Nick Redman.
Tonspur nur mit Musik und Klangeffekten.
Interview mit Raymond Briggs.
Internationale Trailer.

Erschienen bei Turbine Medien.
www.turbine.de

Lotte Reinigers Trickfilm „Prinz Achmed“ auf Blu-ray

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Eine ganz eigene Welt ist das, die Lotte Reiniger da entstehen ließ: an ihrem Tricktisch mit Kamera, einer Glasscheibe und Scherenschnittfiguren aus schwarzer Pappe, die sie einzelbildweise animierte. Reiniger (1899-1981) hatte sich in die chinesische Kunst des Silhouetten-Puppenspiels verliebt und setzte die filmisch um: Drei Jahre arbeitete sie an ihrem ersten abendfüllenden Film, der heute als Klassiker und Pioniertat des Animationskinos gilt: „Die Abenteuer des Abenteuer des Prinzen Achmed“ (1926).

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Diese poetische Tausendundeine-Nacht-Melange um Dämonen, Geister, ein fliegendes Pferd und eine große Liebe erschien vor Jahren auf DVD; nun ist der Film restauriert auf Blu-ray zu haben und zeigt seine kunstvollen Figuren, Dekors und eingefärbten Hintergründe noch prächtiger. Bei der musikalischen Untermalung kann man wählen zwischen der damaligen Originalmusik und zwei Neuvertonungen, mal konventioneller, mal moderner und leicht angeschrägt. Eine schöne Wiederbegegnung mit einem Kunstwerk, das so ganz anders ist als die fotorealistische, manchmal klinisch wirkendende Kunst des heute gängigen Animationsfilms.

Bonus: ausführliches Booklet, vier Kurzfilme (1921-1935) und ein TV-Porträt Lotte Reinigers. Erschienen bei AbsolutMedien.

http://www.absolutmedien.de

 

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Staatskunst und Underground: Trickfilme aus der DDR

DDR Trickfilm

Eine gelungene DVD-Zusammenstellung wirft einen Blick auf die Trickfilmproduktion in der DDR: Insgesamt 14 Filme aus dem staatseigenen Defa-Studio und Werke, die abseits staatlicher Kontrolle entstanden – und künstlerisch wie politisch gewagter zu Werke gingen.

Ein steinernes Monument wird feierlich enthüllt, die Menge klatscht enthusiastisch Beifall und eilt von dannen. Der Mann aus Stein zeigt arbeiterdenkmalmäßig mit einer Pranke visionär gen Himmel – bis das Telefon klingelt und dem Monument neue Anweisungen erteilt. Flugs dreht es sich, zeigt in die entgegengesetzte Richtung und wird erneut heftig beklatscht. „Das Monument“ heißt dieser Trickfilm, der 1989 in den staatlichen Defa-Studios der DDR entstand. Eine satirische Vision kommender „Wendehälse“? Ein trickfilmgewordener Wunsch nach Veränderung?

„Das Monument“ ist einer der Filme der exzellenten DVD-Sammlung „Zwischen Staatskunst und Underground – Animation in der DDR“. Ulrich Wegenast, Programmgestalter des Internationalen Trickfilmfestivals in Stuttgart, hat 14 Filme zwischen 1959 und 1990 zusammengestellt. Den ersten Teil machen Produktionen des volkseigenen Defa-Studios aus: verspielt Utopisches wie die Weltraum- und Märchenland-Reise „Gleich hinterm Mond“ (1959) und Gewitztes wie die Groteske „Ein gemachter Mann“ von 1978. Dieser Film spielt im dekadenten Westen, einem Hochhausmoloch, durch den unablässig Werbebotschaften schallen – über die Vorzüge, sich neue Schuhe oder gleich mal einen neuen Kopf kaufen zu können. In dieser grellbunten Welt bringt ein Polizist eine Geldfälscherbande zur Strecke und nimmt einen Teil der Scheine an sich. Fortan kann er das tun, was man im Westen eben gerne tut: konsumieren.
Das alles erzählt der Film optisch gewitzt, mit Puppentricks und knalligen Bildcollagen. Vordergründig bedient der Film dabei die staatlich angeordnete Kritik am Westen; manche Bilder kann man aber ganz anders deuten: Wände voller Augen, die alles genau beobachten, lassen durchaus an das Überwachungssystem der DDR Films denken.

Den zweiten Teil der DVD machen freie Produktionen aus, die abseits staatlicher Kontrolle entstanden, meist auf Super-8-Material, das leichter zugänglich war als der teurere 35-Millimeter-Film. Wo sich die DEFA-Filme auf technisch hohem Niveau in formal klassischen Grenzen bewegten, operierte der Untergrund avantgardistisch: In Produktionen wie „Action Situation“ sind die Bilder verzerrt, zerkratzt, übermalt, von merkwürdigen Toncollagen begleitet. Diese Filme zeichnen ein ganz anderes Bild ihrer Heimat. Eine Filmsammlung, in der sich viel entdecken und interpretieren lässt – manchmal in jede Richtung.

DVD erschienen bei AbsolutMedien. 115 Minuten, dazu ein ausführliches Booklet über die Geschichte des DDR-Trickfilms.

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„Captain Future“ auf Bluray – Wiedersehen mit einem Helden der Kindheit

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Den medialen Helden seiner Kindheit Jahrzehnte später wiederzubegegnen, ist riskant – manche Heroen von einst entpuppen sich als große Langweiler. Wie verhält sich das mit Captain Future, der mit seinem Raumschiff „Comet“ ab 1980 im ZDF-Programm herumsauste?  Seine Abenteuer sind wieder auf DVD und erstmals auf Blu-ray zu haben.

Samstagmittags, gegen halb 3, da ging es ins Weltall – zumindest Anfang der 1980er. Da lud das ZDF alle Vorpubertierenden ein, mit ins Raumschiff „Comet“ zu steigen und das All vor allerlei Ungemach zu bewahren: an der Seite von Captain Future, dem Titelhelden jener Zeichentrickserie, und seines durchaus bunten Personals: ein Kunststoff-Androide namens Otto, ein stahlglänzender Roboter namens Grag und, als akademische Unterfütterung, Professor Wright – ein bloßes Gehirn, das in einem Behälter umherschwebt. Mit ihnen suchte man „nach der Quelle der Materie“, löste das „Geheimnis der sieben Steine“ oder traf „die Elektromenschen“ – allesamt verheißungsvolle Episodentitel. Bunte Abenteuer in knalligen Trickfilmwelten waren das, ideal für 13-, 14-Jährige, denen Sätze wie „Photonentriebwerk Y3 volle Leistung!!“ durch Mark und Bein gingen; vor allem, wenn sie von Christian Bruhns schmissigem Disco-Sound begleitet wurden – so schmissig übrigens, dass eine seiner Aufnahmen etwas aufgepeppt 1998 ein veritabler Tanzhit in Großraumdiscos wurde.

Warum dieser „Heidi“-Effekt?

Dass Bruhns Musik gar nicht mal die Originaluntermalung war, wussten wir damals nicht – ebenfalls nicht, dass die Serie aus Japan kam, auch wenn manche ruckeligen Animationen und rehäugige Kindchen-Schemata durchaus an Trickserien wie „Heidi“ und die „Biene Maja“ erinnerten, ebenfalls japanische Produktionen.

„Flash Gordon“, die galaktische Kitsch-Torte

Nach 40 Episoden (in Japan waren es ein Dutzend mehr) war im All alles gesagt, der Captain war hinfort, aber nicht vergessen. Vor 13 Jahren erschien eine erste DVD-Edition, die schnell vergriffen und dann nur noch zu schmerzhaften Sammlerpreisen zu haben war. Nun erscheinen die Abenteuer wieder auf DVD und erstmals auch auf hochauflösender Blu-ray; deren Bild müsste für wahren HD-Genuss etwas schärfer sein, aber die Geschichten haben sich gut gehalten: durchweg flott erzählt, mit einiger Action und manchmal auch etwas Grusel (was Jugendschützern einst gar nicht gefiel) – etwa im Auftakt „Der Herrscher von Megara“: Dessen Titelheld verwandelt Siedler auf einem fernen Planeten in Affenmonster, was die terrestrischen Kolonialpläne durchkreuzt.

„Da, links, ein Raumschiff!“

Als gereifter Zuschauer macht man sich heute bei dramatischen Feststellungen wie „Ich glaube, das Hypnotrom ist beschädigt“ deutlich weniger Sorgen als noch vor 35 Jahren; andere Sätze sind heute ein sprudelnder Quell der Heiterkeit. „Da, links, ein Raumschiff!“ vermittelt immerhin die Gewissheit, dass es im All zwar kein Oben und Unten gibt, wohl aber ein Rechts und ein Links. Auch das Verhältnis der Geschlechter ist noch festgefügt: Als Future eine Gegnerin (höchst simpel) übertölpelt, konstatiert er etwas mitleidig: „Ach, sie sind und bleiben eine Frau.“ Das würde sich heute kein Weltall-Held mehr trauen.

Als Gesamtedition und als Staffelboxen bei Universum Film erschienen.

 

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