So stellt man sich das Paradies vor: Das Herbstlaub vor den pittoresken Häusern leuchtet in Technicolor, eine Jahreszeit später rieselt der Schnee so sanft herab, als regnete es Wattebäusche – stakste gleich Bambi im Vorgarten vorbei, es würde niemanden wundern. Und doch trügt die Idylle: Wer sich hier nicht an die Regeln des Kleinstadtlebens hält, der sitzt schnell geächtet und allein im gepflegten Eigenheim.

Fassbinder und Sirk

Willkommen in der Welt von Regisseur Douglas Sirk (1897-1987). Der Hamburger, der eigentlich Hans Detlef Sierck hieß, flieht mit seiner jüdischen Frau vor den Nationalsozialisten nach Amerika und wird in Hollywood ein bekannter Filmemacher, auch wenn ihm künstlerische Anerkennung erst Jahre später zuteil wird: durch die französische Filmkritik und durch Kollegen wie Rainer Werner Fassbinder, der das Hohelied auf Sirk singt.

Loriot und Douglas Sirk: „Da kommt noch was“

Die 1950er Jahre sind Sirks ganz große Zeit: In kunstvoll komponierten Bildern erzählt der Regisseur von Vorurteilen und Konventionen, die vor allem Frauen zu erdrücken drohen – in gefühlvollen, aber unsentimentalen Filmen wie „In den Wind geschrieben“, „Die wunderbare Macht“ und „Was der Himmel erlaubt“. Den kann man jetzt im Heimkino wieder entdecken, in einer neuen, sehr guten Edition auf hochauflösender Blu-ray mit neu abgetastetem, grandiosen Bild.

Eine erste erhobene Augenbraue

Der Film von 1955 erzählt von einer Witwe (gespielt von Jane Wyman) in einer malerischen US-Kleinstadt. Gediegene Trauer erwartet die Gemeinde von ihr, doch sie verliebt sich in einen Mann und verstößt doppelt gegen die Regeln. Denn der Gärtner ist a) nicht standesgemäß und b) auch noch jünger als die Witwe. Die Menschen reagieren erst mit kleinen Gesten. Eine erhobene Augenbraue hier, eine Anspielung da (etwa an der Metzgertheke). Ratschläge folgen, dann erhöht sich der Druck auf das Paar.

Interview mit Christoph Hochhäusler

Wer Sirks Filme nicht kennt, muss sich hier vielleicht ein paar Minuten lang hineinfinden in diesen Kosmos, der anfangs wie ein nostalgisch schillerndes Kleinstadtparadies wirkt – doch „Was der Himmel“ hat inhaltlich seine Härten und ist formal aufregend: Wenn Sirk enorm kunstvoll Farben einsetzt, oft auch Spiegelungen, um eine ganz eigene Atmosphäre und Dramaturgie zu schaffen. Sein Ruf als Schauspielerregisseur kommt nicht von ungefähr – Wyman als liebende Witwe und Kleinstadtopfer ist herausragend, ebenso wie der immer gerne cineastisch-reflexhaft als hölzern geschmähte Rock Hudson, mit dem Sirk viele Filme drehte. Hier zeigt er eine schöne Verbindung aus Sensibilität und naturburschenhafter, herber, aber nicht tumber Filmstar-Männlichkeit.

Die neue Blu-ray bietet neben dem guten Bild eine isolierte Tonspur mit Musik und Klangeffekten, ein gutes Booklet und einen munteren Audiokommentar: Da unterhalten sich der Filmwissenschaftler Werner Kamp und Christian Bartsch (vom Heimkino-Label Turbine) über den Film, Sirks Bildkompositionen und Sirks Anhänger – etwa den erwähnten Fassbinder, der mit seinem Film Angst essen Seele auf (eine Frau verliebt sich in einen jüngeren Gastarbeiter) „Was der Himmel erlaubt“ die filmische Ehre erwiesen hat.

 

Blu-ray erschienen bei Turbine Medien.

http://www.turbine.de