Über Film und dieses & jenes, von Tobias Keßler

Schlagwort: Französisches Kino

„Pacifiction“ von Albert Serra – die Insel und die Bombe

Pacifiction

Benoît Magimel (links) als Vertreter Frankreichs auf der Insel.   Foto: Filmgalerie 451

Welch ein schöner Kontrast. Jüngst zeigte das Kino Achteinhalb Kirill Serebrennikows „Petrovs Flu“, einen atemlosen, rasanten, fiebrigen Film, nach dem man erstmal durchschnaufen musste. Jetzt läuft ein ebenso eigenwilliger Film, der, formal gesehen, das Gegenteil ist: „Pacifiction“, zwei Stunden und 40 Minuten lang, ein Werk mit lange ausgespielten Szenen, mit einer Kamera, die sich zumindest in der ersten Filmhälfte sehr wenig bewegt, mit vielen Dialogen, aber immer wieder auch kontemplativen Blicken in die Landschaft Polynesiens. Das Resultat ist nahezu hypnotisch.​

Smalltalk-Pirouetten​

Zentrum des Films ist ein Mann namens De Roller (Benoît Magimel), der Hochkommissar auf Französisch-Polynesien, Repräsentant des französischen Staates. De Roller ist im Dauereinsatz, auch wenn es nicht immer so wirkt, etwa, wenn er abends auf Tahiti im Club mit dem blumigen (und reichlich einfallslosen) Namen „Paradise Night“ sitzt und an einem Cocktail nuckelt. Jeder will irgendetwas von ihm. Sei es Hilfe bei Investitionen, Ratschläge oder Unterstützung beim Knüpfen von Seilschaften. Er zeigt sich dabei als Meister der Smalltalk-Windungen und –Pirouetten, „bien sur“ scheint sein erster verbaler Reflex auf alles zu sein – die personifizierte Unverbindlichkeit im hellen Leinenanzug. Doch erfordert es die Situation, kann De Roller auch anders: Etwa, wenn der lokale christliche Geistliche gegen ein geplantes Casino opponiert – da macht ihm de Roller höflich, aber bestimmt klar, dass er kraft seines Amtes das Gotteshaus in eine Veranstaltungshalle umwidmen könnte, bestens geeignet für Töpferkurse. Oder Bingo.​

Neue Atombombentests?​

So wieselt sich De Roller durch seine Tage an diesem Ort, der paradiesisch scheint, in dem die Verhältnisse aber klar und ungleich sind – die Macht und die Mächtigen, die Politik und die Wirtschaft kommen von außen. Kein Wunder, dass der Film mit einer langen Kamerafahrt an europäischen Containern am Hafen beginnt und damit auch wieder, nach dem Abspann, endet. Die alten Kolonialherren und die Ur-Bewohner haben sich zwar arrangiert, doch unter der Oberfläche gibt es Spannungen, die von einem Gerücht noch verstärkt werden: Will Frankreich hier seine unterseeischen Atombombenversuche wieder aufnehmen? Jedenfalls zieht ein französisches U-Boot seine Kreise (und rekrutiert nachts lokale Frauen als Prostituierte).​

Kritik zu „In der Nacht des 12.“

Auch De Roller weiß erst einmal nichts. Aber er weiß, dass Bewohner massiven Widerstand planen, Demonstrationen, gerne auch das Streuen von „fake news“. Im Gespräch mit dem Anführer verliert er auch erstmals seine Smalltalk-Contenance und verbittet sich die Floskel „mon ami“, die er selber gerne nutzt, ob nun bei Freund oder Feind. Ungewohnt für ihn ist, dass er langsam den Überblick verliert – sind einige Neuankömmlinge nur übliche Zugereiste oder doch Repräsentanten fremder Mächte? Und falls ja, unterstützen die den lokalen Widerstand aus eigenen geostrategischen Interessen?

Pacifiction

Benoît Magimel (links) als Frankreichs Vertreter De Roller und Pahoa Mahagafanau als Shannah. Foto: Filmgalerie 451

 

Davon erzählt der katalanische Regisseur Albert Serra (47) äußerlich in aller Ruhe – abgesehen von einer spektakulären Szene auf dem Meer – und mit einer enormen Fülle an Dialogen voller Untertöne. Hier ist das Wenigste genau so gemeint, wie es geäußert wird; es wird verbal taktiert, sozusagen um den heißen Brei herumgeredet. Es ist ein Vergnügen, da zuzuhören. Dabei wirken die Szenen mit den doppel- bis dreifachbödigen Dialogen im besten Sinne un-inszeniert – als hätten die Mimen die Kamera längst vergessen. Benoît Magimel ist fabelhaft als rätselhafter Mittelpunkt des Films. Als Zuschauer erlebt man De Roller so oft beim Tricksen, dass man anfangs nie sicher sein kann, wann er das meint, was er sagt. So kommt man ihm nie ganz bei, fühlt sich ihm im Laufe des Films aber doch näher, wenn seine Fassade kleine Risse bekommt, weil er nicht mehr Herr der Lage ist.​

„Wild wie das Meer“ mit Cécile de France

Die Unbehaglichkeit im Paradies​

„Pacifiction“ schafft sich eine Atmosphäre des Vagen, des Verrätselten. Die Musik von Marc Verdaguer und Joe Robinson ist extrem sparsam eingesetzt, unterlegt sphärisch und nur sporadisch ein Gefühl der Unbehaglichkeit und der Bedrohung, die mit den bunten Bildern des scheinbaren Inselparadieses kontrastiert. Wird De Roller aus diesem Paradies vertrieben werden? Zumindest am Ende gibt es einen Moment, an dem man als Zuschauer mehr weiß als er.​

Auf DVD und digital bei  www.filmgalerie451.de

„Die Küchenbrigade“ von Louis-Julien Petit

Audrey Lamy Die Küchenbrigade

Köchin Cathy Marie (Audrey Lamy) bei der Ravioli-Schadensbegrenzung. Foto: Piffl Medien

„Arbeit gibt es überall!“, verkündet die Köchin Cathy Marie – und stapft mit großer Geste aus dem Sterne-Lokal. Dort hat sie sich gerade einmal zu viel mit ihrer Chefin angelegt. Doch so einfach ist das nicht mit der Stellensuche, und der Traum eines eigenen Restaurants rückt weiter weg als je zuvor. Nur eine Stelle tut sich auf, die die ehemalige Sous-Chefin allerdings als Abstieg empfindet: die Arbeit als Kantinenköchin in einem Heim für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Doch mangels Alternativen beißt sie sozusagen in den sauren Apfel, muss erstmal die Kantine auf ein hygienisches Mindestmaß bringen und dann tonnenweise leere Ravioli-Dosen entsorgen. Denn die hat ihr Vorgänger den Flüchtlingen vorgesetzt, in den Augen des Heimleiters eine logische Entscheidung. „Sie lieben Fußball und Ravioli, und deshalb bekommen sie Fußball und Ravioli.“ Außerdem bekomme er vom Staat bloß acht Euro pro Person pro Tag fürs Essen. Die Köchin versteht die Welt nicht mehr, duscht die nächsten Ravioli erst einmal ab und köchelt ihnen eine frische Soße. Doch eine Welle der Dankbarkeit brandet ihr weder von Heimleitung noch Bewohnern entgegen.

2018 hatte der französische Regisseur und Autor Louis-Julien Petit mit seinem Film „Der Glanz der Unsichtbaren“ von Obdachlosigkeit erzählt, von Gewalt gegen Frauen und von aufreibender Sozialarbeit – und das in Form einer Komödie, mit großem Erfolg in Frankreich. Auch in „Küchenbrigade“ will er wichtige, aber eben unkommerzielle Themen wie Migration, Integration, Abschiebung einem großen Publikum nahebringen – mit einigem Witz und mit Optimismus inmitten vieler Schwierigkeiten.

In dem Heim in Nordfrankreich – gedreht wurde an der Cote d’Opale – ist die Luft anfangs dick. Die mitunter störrische Köchin (Audrey Lamy) muss erst einmal den professionellen Abstieg verdauen und die papierdünnen Wände des Hauses ertragen lernen; der idealistische, aber etwas ermüdete Heimleiter (Francois Cluzet) hat auf keine Primadonna in der Kantinenköchin gewartet; und die Flüchtigen müssen ihre Abschiebung fürchten, wenn sie als Volljährige keine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle haben – die Frage, ob die Ravioli-Soße nun aus der Dose kommt oder frisch geköchelt wurde, ist für sie zweit- bis drittrangig.

Der Wohlfühl-Pegel soll oben bleiben

Und doch entwickelt sich langsam ein gegenseitiges Verständnis, als Cathy die jungen Männer in die Küchenarbeit einbindet, ihnen feste Strukturen gibt und das Leben im Heim etwas unterhaltsamer macht – auch wenn sie sich erst einmal durchsetzen muss. Ein junger Mann etwa erklärt ihr, dass bei ihm „zuhause nur die Frauen kochen“, und weigert sich, den Gemüseschäler auch nur anzufassen. Doch der Konflikt ist bald behoben, nachdem er ihr im Fernsehraum die Mannschaften einer afrikanischen Meisterschaft erklärt hat. Für die Köchin gilt: „In meiner Küche gibt es keine Religion, keine Sexualität, keine Nationalität.“ Und die jungen Männer halten sich ebenso daran wie der Film, denn hier brechen keine Konflikte wegen Glaubensfragen aus, es gibt keine Probleme mit den verschiedenen Sprachen, nicht mit Aggression, nicht mit eventuellen Traumata. Wenn der Film da eine flott geschnittene Küchenszene serviert, in der alle glücklich schnippeln und brutzeln, unterlegt von französischer Discomusik, wirkt er schon arg bemüht, den Wohlfühl-Pegel nach oben zu heben.

An anderen Stellen aber lässt der Film die wirkliche Welt einsickern – wenn einer der Jugendlichen, der einst ohne Papiere einreiste, von der Polizei abgeholt und abgeschoben wird; eine medizinische Analyse hatte ergeben, dass er wohl mittlerweile volljährig ist, und der Heimleiter konnte ihm trotz aller Mühe keine Ausbildungsstätte vermitteln. Eindrücklich ist auch die Szene, in der die jungen Männer in Cathys altem Restaurant essen und ihre Stimmen aus dem Off erzählen, woher sie kommen und welche Hoffnungen sie mit einem Leben in Frankreich verbinden. Reale Sätze sind das, keine Drehbuch-Fiktionen, denn besetzt sind diese Rollen mit tatsächlichen Flüchtlingen, die für den Film gecastet wurden und hier ihre Geschichte erzählen (und im Film famos spielen).

Im finalen Viertel der „Küchenbrigade“ macht Cathy bei einer ihr herzlich verhassten Koch-Fernsehshow mit, mit edlen Rezepten und einem cleveren Plan, der das schrill-bunte TV-Format zugunsten von etwas Realismus geradezu subversiv nutzen wird. Da wird es filmisch etwas hektisch, sehr optimistisch, aber dann doch nicht märchenhaft. Kochkunst rettet nicht jeden vor der Abschiebung.

Belmondos Autobiografie: „Diese 1000 Leben sind zu schnell vergangen“

 
Jean-Paul Belmondo, eine Legende des französischen Films, ist jetzt auch schon 85 Jahre alt. In einem munteren Buch blickt er zurück auf ein Leben, in dem er vor allem seinen Spaß haben wollte. Geglückt ist ihm das nicht immer.

 

„Diese 1000 Leben sind zu schnell vergangen, viel zu schnell“. Wehmütig beginnt Jean-Paul Belmondo seinen Erinnerungsband, und man muss ihm beipflichten. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen er, als europäischer Action-Star, auf dem Dach von Pariser U-Bahnen über Seine-Brücken ratterte (in „Angst über der Stadt“) oder an einem Helikopter hängend über Venedig gondelte, in gepunkteten Unterhosen (in „Der Puppenspieler“). Und noch viel länger her ist die Zeit, als Belmondo, mit Kippe zwischen den Lippen, in „Außer Atem“ von Jean-Luc Godard im gallischen Kino einen ganz neuen Anti-Helden erschuf (und seine eigene Legende gleich mit): lässig, lakonisch und vom  Leben desillusioniert.

85 ist er nun, ledern braungebrannt, von einem Schlaganfall vor 17 Jahren gezeichnet, und  schaut zurück. Ein munter plaudernder  Band ist das, flott und anekdotenprall, wobei sich Belmondos Lebenseinstellung eindampfen lässt auf eine Kernaussage: Er wollte vor allem seinen Spaß haben und das Leben nicht zu ernst nehmen. Das hätten auch alle verstanden, bis auf die nörgelnden Kritikerschnösel.

Mit großer Zuneigung erzählt er von seinen Eltern und dem Wissen, „dass ich in eine intakte Familie ohne Geldsorgen geboren wurde, in der man sich gegenseitig liebte“. In der Besatzungszeit träumt der junge Jean-Paul davon, einen abgeschossenen US-Piloten lebend zu finden, zu verstecken und dafür bei Kriegsende einen Orden  an die Brust geheftet zu bekommen. Piloten sieht er, allerdings tote – der Pfarrer von Clairefontaine nimmt ihn mit in den Wald, um Abgeschossene zu bergen und zu begraben. „Wenn man noch ein Kind ist, ist der Tod weit weg“, schreibt Belmondo zwar, aber diese Erinnerungen haben sich eingebrannt.

Sauerkraut und Altherren-Duktus

Während der Vater rund um die Uhr bildhauert, nimmt die Mutter den Sohn in nahezu jedes Pariser Kino und Theater mit. Das Interesse des jungen Belmondost geweckt, der Berufswunsch klar – aber der Karrierepfad steinig. An der Schauspielschule kommt er erst beim dritten Versuch an, und ein Lehrer kränkt ihn zeitlebens mit einem harschen Satz, den man küchenpsychologisch als Triebfeder sehen könnte für Belmondo Karriere und Leben: Zu hässlich sei er für Liebhaberrollen, zu unbegabt für wirklichen Erfolg. So kann man sich irren.

Als unentdeckter Schauspieler in Paris erlebt er „die besten Jahre meines Lebens“, wie er schreibt, er frönt seiner Liebe zu Streichen, mischt etwa ein elitäres Edellokal auf, in dem er einen epileptischen Anfall vortäuscht und Tische umwirft, auf dass Sauerkraut auf die „Dauerwellen der alten Schachteln“ herniederregnet. Das  muss man nicht zwingend lustig finden, auch nicht seinen Hang zu manchmal chauvinistischem Altherren-Duktus, wenn er sich an alte Liebschaften erinnert: „Es stimmte schon, dass Mädchen mit 16 Jahren selten noch Jungfrauen waren, aber sie gaben dank ihrer Erfahrung die besten Ehefrauen ab.“ Mon dieu.

Algerienkrieg

Im Algerienkrieg wird er verwundet und erreicht seine Ausmusterung, so erzählt er es, durch die Einnahme von Amphetaminen, die seinen Körper ausgemergelt wirken lassen (ein Tipp des Kollegen Jean-Louis Trintignant), und durch betont abstruse Antworten bei einer Befragung. Zurück in Paris stagniert die Karriere wie gehabt, und Belmondo, nie „ungestümer und ehrgeiziger als in jenem Sommer 1955“, geht nach Rom. Im „Cinecittà“-Studio gibt es immer etwas zu tun, heißt es. Doch Belmondo findet das Studio nicht und reist ohne Geld  in einem Viehwagon zurück.

Immerhin: Die Theaterrollen werden größer, auch Filmrollen gibt es mittlerweile, durch die er sich manchmal noch mit großer Bühnengeste spielt. Einen Rat des Filmregisseurs Marc Allégret nimmt sich Belmondo zu Herzen: „Ein bisschen leiser, bitte.“ Kollege Jean Marais ist übrigens sehr angetan vom jungen Bébel: „Solltest Du zufällig einmal schwul werden, melde Dich.“

Godard, der Trauerkloß  mit Sonnenbrille

Diese Erinnerungen sind überwiegend heiter bis sonnig, lesen sich flott – und doch kann man als Belmondo-Anhänger ein wenig ungeduldig werden beim Warten auf die Schilderung von Bébels größter Zeit. Aber auf Seite 155 begegnen wir schließlich Regisseur Jean-Luc Godard, den Belmondo erstmal gar nicht mag: ein Trauerkloß  mit Sonnenbrille (auch in dunklen Räumen), das Gegenteil Belmondo. Doch gemeinsam schreiben sie Filmgeschichte, drehen „Außer Atem“ ohne Studiokulissen und ohne Drehbuch im strengen Sinn. „Ich hatte völlige Freiheit“, schreibt Belmondo, „es war schon fast beunruhigend.“ Der Film ist eine Sensation, Belmondo ist der Star eines jungen, frischen  Kinos – doch die  unkommerzielle Kunst der Intellektuellen allein ist ihm dann doch zu trocken: Die Dreharbeiten zum Film „Moderato Cantabile“, inszeniert von Peter Brook und nach einer Vorlage von Marguerite Duras, sind für ihn die quälendsten seiner ganzen Karriere. Solch „affiger Intellektualismus“ ist nichts für ihn. Viel mehr Spaß hat er da am Spontanen und Komödiantischen: ob im herrlichen Jux „Abenteuer in Rio“ oder in bunten Helden-Persiflagen wie „Ein irrer Typ“.

Belmondo, der Action-Star

In den 1970ern dominiert Belmondo das französische kommerzielle Kino, er wird seine eigene Marke mit Filmen, die ganz auf ihn zugeschnitten sind, oft Krimis. „Der Greifer“, „Der Profi“, „Der Außenseiter“, „Der Windhund“. Der Star liebt die Gagen, die Arbeit, die Stunts in luftiger Höhe, die Späße: Gerne räumt er Hotelzimmer der Kollegen aus, indem er alles aus dem Fenster wirft, schwere Möbel vielleicht ausgenommen. Eine Alternative: Mehl in die Hotel-Klimaanlage stäuben. Oder das Herumwerfen von Couscous bei einer Filmpremiere. Ein bisschen albern wirkt das, aber Belmondo will eben, das erklärt er immer wieder gerne, ewig Kind bleiben, das „spielt und Grenzen überschreitet“. Aber man fragt sich manchmal schon, wer in den Hotels hinter ihm aufgeräumt hat.

Delon, der ewige Rivale

Ein Belmondo-Buch wäre ohne Alain Delon nicht komplett, dem anderen Mythos des gallischen Kinos der 60er und 70er. „Wie Tag und Nacht“ beschreibt  Belmondo ihren Kontrast. 1969 drehen sie gemeinsam den Gangsterfilm „Borsalino“ in Marseille; die Kinos sind gut gefüllt, die Rivalitätsfreundschaft aber schnell wieder abgekühlt – Belmondo fühlt sich durch die doppelte Nennung von Delon im Vorspann (als Darsteller und als Produzent) deklassiert. Ganze 27 Jahre später arbeiten sie wieder zusammen: Die Actionkomödie „Alle meine Väter“ wird aber nur ein mäßiger Erfolg, der ganz große Starglanz der beiden ist dahin. Es ist der Lauf der Welt.

„Der Kummer vergeht nie“

Er wendet sich wieder stärker der Bühne zu, 1991 hatte er das Théatre des Varietés in Paris gekauft, „es war das Beste, was ich mit meinem Geld je machen konnte“. Ein wunderbarer Karriereherbst für  Belmondo beginnt, doch ein Schicksalsschlag verändert alles: Seine Tochter Patricia stirbt bei einem Brand. „Der Kummer vergeht nie“, schreibt er, „er begleitet einen für immer.“ Die intensive Arbeit am Theater hilft ihm, „wenigstens ab und zu schlafen zu können“. Seinen Schlaganfall von 2001 erwähnt  Belmondo nur kurz, als wolle er ihm nicht zu viel Ehre antun. Jetzt, mit 85, fasst er sein Leben so zusammen: „Es war trotz aller Dramen und grausamer Tode, die einer Amputation gleichkamen, leicht und leuchtend.“

Jean-Paul Belmondo: Meine tausend Leben.
Heyne, 320 Seiten, 22 Euro.

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