Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Kategorie: Auf DVD und Blu-ray (Seite 1 von 10)

„Frauen im Beruf sind unnötig ehrgeizig“. Die Serie „Die Journalistin“ mit Marianne Koch

Die Journalistin Marianne Koch Horst Frank Pidax

Marianne Koch in „Die Journalistin“. Foto: Pidax

 

„Eigene Gedanken? Wenn ich das schon höre – die Leute wollen Popos und Busen sehen.“ So rustikal argumentiert ein wohl ziemlich desillusionierter Journalist  bei einer Redaktions-Konferenz in der Serie „Die Journalistin“. Der 13-Teiler, auf DVD nun von der Riegelsberger Firma Pidax herausgebracht, ist schon 41 Jahre alt – die Diskussion, was Leserin und Leserin wirklich wollen, wird aber heute aber ebenso intensiv geführt wie 1970. Die Titelfigur der Serie glaubt jedenfalls an ein Interesse der Leserschaft jenseits von Sex & Crime – Renate Albrecht (gespielt von Marianne Koch) arbeitet beim fiktiven Hamburger Magazin „Prisma“, ihre Reportagen sind Thema der 13 Episoden, die Georg Tressler („Die Halbstarken“, „Tatort“) inszeniert hat.

Um einen alten Herren geht es etwa, der zu Unrecht, aber ohne es zu wissen, jahrelang zu viel Rente bezogen hat und nun 13 000 Mark zurückzahlen soll – mit einer Rente von 350 Mark im Monat. Eine andere Reportage führt die Schreiberin nach Amsterdam, wo ein Popsänger im Blümchenhemd und mit maskulinen Kräusel-Koteletten in tiefer Sinnkrise versinkt; selbst im Urlaub hat die Journalistin keine Freizeit, kommt sie unter südlicher Sonne doch zwei Trickbetrügern auf die Spur. Weniger glamourös ist es in Wanne-Eickel, wo die Schreiberin – in einer der originellsten Folgen – den Auswirkungen eines Lottogewinns nachspürt: Angesichts von 240 000 Mark und des damit verbundenen Neids bröckeln Familienbeziehungen und Freundschaften. In einer Nebenrolle als gitarrespielenden Ruhrpottler mit buschigem Haarschopf kann man einen sehr jungen Marius Müller-Westernhagen sehen.

 

Die Journalistin Pidax Siegfried Rauch Nürburgring

Mit Siegfried Rauch auf dem Nürburgring. Foto: Pidax

Nicht jede Episode, musikalisch umschmeichelt von einem wohligen Titelthema von Martin Böttcher („Winnetou“), spannt einen großen Spannungsbogen – reizvoll aber sind selbst die gemächlicheren Folgen, weil die Serie viel nostalgische Atmosphäre versprüht: Keine tut dies mehr als „Der erste Sonntag im August“, die beim Rennen auf dem Nürburgring spielt. Dort will die Journalistin etwas über einen schneidigen Nachwuchsrennfahrer schreiben; einen straffen Plot besitzt diese Folge nicht, dafür aber eine nahezu dokumentarische Anmutung: Es scheint, das Filmteam hat sich mit den Darstellern (darunter Siegfried Rauch, der kurz darauf auch im Steve-McQueen-Film „Le Mans“ als Rennfahrer auftrat) einfach in den Rennställen niedergelassen und dort die Kamera laufen lassen. Das Ergebnis ist ein interessantes Zeitdokument.

Den roten Faden durch die Episoden knüpft das Verhältnis der Journalistin zu einem Star-Fotografen, der ihr mehr oder weniger aufgezwungen wird. Den spielt der raubeinige Horst Frank als harten Hund mit weicher Seite, der netter ist, als seine Großspurigkeit vermuten lässt. Erst knirscht es laut zwischen den beiden, sind sie im Blick auf die Emanzipation doch nicht ganz auf Augenhöhe. „Frauen im Beruf sind unnötig ehrgeizig“, stellt der Fotograf fest und ist mit seiner Sicht nicht allein. Der Chefredakteur etwa stellt seine Sekretärin so vor: „Gisela, meine rechte Hand. Hochempfindlich, aber zuverlässig wie eine Dampfwalze.“ Charmant. Und der Verläger rät dem Fotografen: „Sagen Sie bloß nicht, Sie arbeiten nicht mit Frauen – sie ist als Journalistin nämlich so gut, wie sie hübsch ist.“ Beides wird dem Fotografen im Laufe der Serie immer klarer, und auch die Journalistin blickt irgendwann hinter die glatte Macho-Fassade. Wie die Annäherung ausgeht, kann man sich ausmalen, ohne zu viel Fantasie zu bemühen. Doch vor dem Glück steht noch ein finaler Streit um Rebellion und Bürgerlichkeit – die Journalistin will vom Fotografen mit Bohemien-Gestus nicht spießig genannt werden, „nur weil ich nicht Mao schreie und Hasch rauche“. Verständlich.

Erschienen bei Pidax.
13 dreiviertelstündige Folgen auf 4 DVDs.
www.pidax-film.de

 

„Luzie, der Schrecken der Straße“ auf DVD und Bluray

Luzie, der Schrecken der Straße

Luzie (Žaneta Fuchsová) und ihre Freunde aus Knet. Foto: WDR

 

Schlittschuhfahren in der Küche? Oder durch das überflutete Wohnzimmer paddeln – auf dem überraschend schwimmfähigen Fernsehsessel? Im Leben von Luzie eigentlich keine große Überraschung, denn turbulent geht es zu bei ihr in den letzten Wochen vor dem ersten Schultag. Zu gerne wäre sie Mitglied in der Rabaukenbande des Nachbarjungen Oswald, deren Mitglieder bei ihren garstigen Aktionen nicht einmal davor zurückschrecken, dem Stofftier eines kleinen Mädchens die Zunge herauszustrecken. Doch für die höheren Weihen muss Luzie erst einige Mutproben bestehen – darunter ein Ladendienstahl von Knetmasse, die ein überraschendes Eigenleben entwickelt: Aus ihr formen sich zwei kleine Gestalten, die Luzie fortan bei einigen Abenteuern begleiten, mit denen sie sich den Ehrentitel „Luzie, der Schrecken der Straße“ verdient.

Ein wonniges Vergnügen ist diese tschechisch-deutsche Serie, die jetzt auf DVD und Blu-ray erscheint; frisch ist sie geblieben, auch wenn sie mit 40 Jahren dem Vorschulalter ihrer Heldin lange entwachsen ist. Im Oktober und November 1980 liefen die sechs halbstündigen Episoden erstmals in der ARD und atmen jenen Geist, der so viele Kinderfilme aus der damaligen Tschecheslowakei ausgezeichnet, ob klassische Märchen-Adaptionen, Filme wie „Wie soll man Dr. Mráček ertränken? oder Das Ende der Wassermänner in Böhmen“ oder auch Serien wie die selige „Märchenbraut“: Ein großes Herz für das junge Publikum haben diese Produktionen, nehmen dessen seelische Innenwelt ernst und erzählen nicht von oben herab. Die Schöpfer von „Luzie“ sind zwei Schlüsselfiguren dieser Ära: Regisseur Jindrich Polak und Autor Ota Hofman, die sich unter anderem die exzellente utopische Kinderserie „Die Besucher“ (1981/83) ausdachten und natürlich den melonentragenden „Pan Tau“, einen Klassiker des Kinderfilms.

Die Serie „Luzie“ ist flott erzählt, die per Einzelbildtrick animierten Begleiter Friedrich und Friedrich (benannt nach der Firma des Knets) besitzen den Charme des Handgemachten, und die menschlichen Figuren sind ebenso plastisch: ob nun die resolute Luzie, Bandenchef Oswald, der zuhause elterlicherseits mit Klavierstunden gepiesackt wird, und Luzies wohlmeinende, aber manchmal überforderte und durch ihre Berufe oft abwesenden Eltern. Dass die Serie mit tschechischen Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt ist (darunter Otto „Pan Tau“ Simanek alias „Pan Tau“), die Außenkulisse aber deutsch anmutet – ein Supermarkt mit „Achtung! Preissenkung!“-Schildern und ein Kino, in dem der Belmondo-Film „Der Windhund“ läuft – ist zu erklären: Die Studio-Aufnahmen der Ko-Produktion entstanden in den berühmten Prager Barrandov-Studios, die meisten Außenaufnahmen wurden in Bonn, Köln und Hamburg gedreht – wie man in Thorsten Hanischs gelungenem Beiheft der DVD nachlesen kann.

Das Bild dieses TV-Klassikers wurde für die Heimkino-Veröffentlichung noch einmal überarbeitet, zudem gibt es nostalgische und wertvolle Extras: einmal Kostproben der Serie, wie sie in der Kindersendung „Spaß am Montag“ zu sehen waren (manche werden sich an Moderator Thomas Naumann im Dialog mit dem leuchtenden Ball namens Zini erinnern). Zudem kann man die Köpfe hinter „Luzie“ bei der Verleihung des Grimme-Preises sehen: Autor/Regisseur Polak und den zuständigen WDR-Redakteur Gert K. Müntefering, einen Pionier des Kinderfernsehens („Die Sendung mit der Maus“): Er kritisiert in dem Gespräch von 1981, dass es den meisten Kinderprogrammen an erzählerischer Fantasie mangele und „Luzie“ da ganz anders konzipiert sei. Das allerdings goutierte nicht jeder: Luzie erhielt in jenem Jahr den Grimme-Preis, allerdings bloß in Bronze (Gold und Silber wurden nicht vergeben). Die Begründung der Jury: Die Serie habe in seiner Gestaltung „zu sehr nach Hollywood“ geschielt. Kurios.

Erschienen auf Blu-ray und DVD bei Leonine.

„Tragödie in einer Wohnwagenstadt“ von Günter Gräwert

Pidax Tragödie in einer Wohnwagenstadt

 

„Du hast doch nichts dagegen, dass hier Recht herrscht, oder?“. Das ist die rhetorische und perfide Frage, mit der der Mob in diesem TV-Film von 1967 sich dem Finale entgegenbrüllt, mit Schaum vor dem Mund. Die Riegelsberger Firma Pidax, spezialisiert auf Filme und Fernsehspiele von einst (mittlerweile bringt sie auch Bücher und Hörspiele heraus), hat eine betagte ZDF-Produktion ausgegraben, die es in sich hat – und die leider bestens ins Heute passt. „Tragödie in einer Wohnwagenstadt“ spielt in einem US-Trailerpark, bewohnt von Arbeitern, die sich weder Haus noch Wohnung leisten können – man würde ihnen heute wohl das Etikett „abgehängt“ anhängen.

Wie sehr es hier unter der Oberfläche köchelt, wird klar, als ein 15-jähriges Mädchen im Wald nahe der Siedlung von einem Mann belästigt wird. Da der nächste Ort 12 Meilen entfernt ist, liegt es nahe, dass der Täter aus der Siedlung stammen muss. Schnell sind sich die lautesten Alpha-Männer einig: Polizei würde hier nur stören, Aufklärung und Bestrafung regelt man unter sich – ein selbsternanntes Komitee macht mit dem völlig aufgelösten Mädchen die Runde an den Wohnwagen vorbei und verhört die Bewohner. Mit dem Satz „Wer sich widersetzt, macht sich noch mehr verdächtig!“ wird fast jede Kritik am rüden Vorgehen erstickt.

Die Vorlage des Fernsehfilms stammt von Reginald Rose (1920-2002), dem Autor des mehrmals verfilmten Drehbuchs „Die 12 Geschworenen“. Rose beschäftigte sich mit Ungerechtigkeit, sozialen Fragen, Rassismus – all das findet sich auch hier. Mit Dokumentar-Anmutung beginnt der Film, lange folgt die Kamera von Jost Vacano („Das Boot“) einem Mann durch die Siedlung, aus den Wohnwagenfenstern hört man Nachrichten oder die Beatles, alles scheint zwar ärmlich, aber doch wohl geordnet – bis die Belästigung des Mädchens Unzufriedenheit, Frust, Existenzangst und Hass zum Ausbruch bringt. Das lässt der Film ziemlich rasch geschehen, ein bisschen Vorlauf hätte nicht geschadet, zumal der Film nur 70 Minuten lang ist und Raum zum Entfalten des Konflikts gehabt hätte.

Sobald die selbsternannte und selbstherrliche Untersuchungskommission seine Runden dreht, blühen Borniertheit und Hass, mal gespeist aus Neid, mal aus Rassismus. Der Vater des Opfers, an dessen Leiden keiner der Aufrührer wirklich interessiert, ist zwar betroffen, könnte die Tat aber besser verstehen, wie er sagt, „wenn sie wenigstens hübsch wäre – als Vater kann ich das ja sagen“. Beim Verhör der nicht-weißen Wohnwagenbewohner fallen Sätze wie „Du bis weit weg von zuhause, kleiner brauner Bruder“. Während all dessen grübelt ein Ehepaar, das von dem ganzen Treiben abgestoßen ist, darüber nach, wie man das Vorgehen des Mobs beenden kann – aber sie schweigen zu lange, zumal ihnen bald klar wird, wer der Täter ist.

Ruth Maria Kubitschek  Pidax Tragödie in einer Wohnwagenstadt

Ruth Maria Kubitschek Foto: Pidax

Besetzt ist das Fernsehspiel exzellent, mit bewährten Charakterköpfen: Peter Schiff, unsterblich als Synchronsprecher des Computers Hal in „2001“, spielt den etwas tumben Vater des Opfers,  Ruth Maria Kubitschek und Werner Schumacher spielen das rationale Paar – und herausragend ist Friedrich Georg Beckhaus (unter anderem flog er bei der seligen „Raumpatrouille“ mit): Den An- und Wortführer des Komittees stattet er mit einer Mischung aus Aggression und Berechnung. Sonderlich raffiniert muss er gar nicht agieren, um eine Meute hinter sich zu bringen. Ein paar Schlagworte, ein paar rhetorische Fragen reichen aus, die Gruppendyamik regelt den Rest. Am Ende hat der Mob zugeschlagen und geht befriedigt seiner Wege. Ob der Bestrafte überhaupt der Täter war, ist unwichtig – es ging nur um die Entladung.

DVD erschienen bei Pidax. Sehr gutes Bild, keine Extras.
www.pidax-film.de

„Tommaso und der Tanz der Geister“ von Abel Ferrara

Willem Dafoe Tommaso Abel Ferrara

Tommaso (Willem Dafoe) in seiner Suchtgruppe.   Foto: Good!Movies

 

Da muss man nicht lange grübeln, ob das Ganze autobiografisch ist: Abel Ferrara, US-Regisseur mir drogenintensiver Vergangenheit, der mittlerweile mit Frau und kleinem Kind in Rom lebt, hat einen Film gedreht über einen Regisseur mir drogenintensiver Vergangenheit, der mittlerweile mit Frau und kleinem Kind in Rom lebt. Den Regisseur spielt Willem Dafoe, der ebenfalls in Rom lebt, die Familie spielen Ferraras Frau und Tochter, gedreht wurde in Ferraras römischem Apartment.

Diesen Tommaso lernen wir in Rom bei einem Sprachkurs kennen (die Sprachen des Films sind Amerikanisch und Italienisch), beim Nippen an einem Espresso in einer Bar um die Ecke seines Apartments, dann beim Zusammensein mit seiner kleinen Tochter und seiner Frau. Eine römische Idylle scheint das zu sein, doch in der Nacht kommen die Dämonen: Erinnerungen suchen den Filmemacher heim, schlechte Träume, Fantasien – zu der ersehnten Ruhe nach den wilden Jahren scheint Tommaso nicht zu kommen. Da helfen auch seine langen Erzählungen bei den Anonymen Alkoholikern nicht, wo er einer Beichte gleich von seiner Vergangenheit berichtet, in dem sein Künstler- und Macho-Ego offensichtlich monströs aufgebläht war. Zudem ahnt man, dass ihm jene Zeit der hedonistischen Verantwortungslosigkeit trotz aller Beteuerungen doch in gewisser Weise fehlt, zumindest ein klein wenig.

Nicht leichter macht ihm das alles sein Alter – seine Frau ist deutlich jünger als er, und in der Nähe des Spielplatzes beobachtet er sie in inniger Umarmung mit einem anderen, jüngeren Mann. Oder ist das nur die Fantasie eines Alpha-Mannes, der in die Jahre kommt? Möglich wäre das, denn Ferraras Film lässt vieles in der Schwebe, ganz sicher kann man sich hier nicht sein, was sich tatsächlich abspielt oder nur in Tommasos Kopf. Eine kurze erotische Begegnung etwa mit einer jungen Studentin seines Schauspielkurses wirkt erträumt – tragikomisch realistisch ist dann aber eine lange Szene, in der Tommaso sich wortreich an eine Frau aus seiner Suchtgruppe heranmacht (Frau und Tochter sind gerade unterwegs) und er nach der durchaus freundlichen Abfuhr eben als das dasteht, was er ist: ein Mann in mittleren Jahren, den das ruhige Familienleben nicht ganz so ausfüllt, wie er sich das wünscht, und der nicht mehr so grenzenlos anziehend ist wie in der Blüte seiner Jugend.

Sollte Regisseur Ferrara hier ein Selbstporträt gedreht haben, ist es kein wirklich schmeichelhaftes. Denn dieser Tommaso ist oft ein ichbezogenes Würstchen, fühlt sich in der Beziehung zu seiner Frau manchmal durch die kleine Tochter zurückgesetzt, die Muse will ihn auch nicht immer küssen. In manchmal recht langen Szenen erzählt der Film seine Geschichte, Ferrara hat Bekannte als Laiendarsteller engagiert und lässt den exzellenten Dafoe ausgiebig improvisieren. Das hätte durchaus zur eitlen Nabelschau hätte werden können, zum Mythos-Klischee der großen Künstlerpersönlichkeit – aber Ferrara hat eine spürbare Distanz zu der Figur, auch wenn sie ihm persönlich vielleicht extrem nahe ist – letztlich erzählt er von einer Persönlichkeit, die auf ihrem Weg der Selbstfindung vor sich hin stolpert wie wir es alle tun, wenn vielleicht nicht alle mit so großer Geste wie Signore Tommaso. Aber Ferrara lässt ihm seine Chance und schließt den Film mit einem augenzwinkernden Verweis auf eine andere Rolle Dafoes, als er einst unter der Regie von Martin Scorsese einen weniger fehlbaren Mann spielte: Jesus.

Erschienen bei Good!Movies

„German Grusel“-Nostalgie: „Die Schlangengrube und das Pendel“

 

Ist es ein „sehr guter“ Film im strengen Sinne? Wohl nicht – aber ein auf seine eigene Weise faszinierender. 1967 soll „Die Schlangengrube und das Pendel“, das ist der Plan, eine abgerissene Tradition in Deutschland wiederbeleben: die des fantastischen Films, des Gruselkinos, des Horrors – Jahrzehnte nach Filmen wie „Nosferatu“, „Der Golem“ oder „Das Kabinett des Dr. Caligari“. Die Idee lag Mitte der 1960er auf der Hand: In den USA füllt Günstig-Filmer Roger Corman mit seinen kunstnebelumflorten Edgar-Allan-Poe-Adaptionen wie „Lebendig begraben“ die Kinos; in Italien dreht Mario Bava mit kleinem Budget und großen Ideen prächtige Schauerfilme wie „Die drei Gesichter der Furcht“. Und in England produziert die Firma Hammer bunte und sehr stilvolle Gruselwerke wie „Dracula“, „Frankensteins Fluch“ oder „Der Hund von Baskerville“ – gerne mit Christopher Lee und Peter Cushing.

Und In Deutschland? Da wabert zumindest ein wenig Grusel durch die Edgar-Wallace-Verfilmungen von Produzent Horst Wendlandt (und durch die „Dr. Mabuse“-Filme von Wendlandts früherem Chef und ewigem Konkurrenten Artur „Atze“ Brauner). Wendland wird Anfang 1967 vom Misserfolg seines Films „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ überrascht – seinen Karl-May-Filmen scheint die Luft auszugehen. Wendlandt plant um – warum nicht eine neue Welle lostreten mit veritablen Gruselfilmen, mit Seitenblick auf Corman, Bava und Hammer? Und mit bewährten Mimen, mit denen Wendlandt ohnehin noch einen Vertrag für einen hastig abgesagten May-Film hat: Lex Barker, unvergesslich als Old Shatterhand, und Karin Dor, die gerade ihre Rolle als mörderische Helga Brandt im James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ abgedreht hat. Christopher Lee, damals der amtierende Dracula der „Hammer“-Studios, ist dann sozusagen die Kirsche auf dem Gruselkuchen.

Und so beginnen am 16. Mai 1967 die Dreharbeiten zu „Die Schlangengrube und das Pendel“ (unter den Arbeitstiteln „Die Wassergrube und das Pendel“ und „Schloss Schreckenstein“, was ein bisschen wie ein Kinderbuch klingt). Regie führt Harald Reinl, Heimatfilm-, Wallace- und May-erfahren beziehungsweise „ein deutscher Spitzenregisseur“, wie der Sprecher des alten Filmtrailers im Bonusmaterial wunderbar ehrfürchtig intoniert (wobei Reinl Österreicher ist). Gedreht wird bei Detmold im Teutoburger Wald, im Isartal und in Rothenburg ob der Tauber. Im Oktober kommt der Film mit vielen Kopien ins Kino, doch der Erfolg ist überschaubar – „die neue Welle“, von der mehrere zeitgenössische TV-Berichte im Bonusmaterial sprechen, hat schon beim ersten Film ausgeplätschert. Ein Jammer. Was hätte aus diesem seriellen Teutonen-Grusel werden können?

 

 

„Die Schlangengrube und das Pendel“ erzählt von einem schreckenerregenden Grafen namens Regula, dem im Prolog des Films, der 1806 spielt, der Garaus gemacht wird. Kein Wunder. Da in seinem Schloss 12 Jungfrauen grausig zu Tode gekommen sind, hält die Justiz eine Enthauptung für zu milde, so dass er auf dem Markplatz gevierteilt wird. 35 Jahre später erhalten ein Anwalt (Lex Barker) und eine junge Baronesse (Karin Dor) mysteriöse briefliche Einladungen, das Schloss des Grafen im „Sandertal im Mittelland“ zu besuchen. Schon die Kutschenreise dorthin ist ein Abenteuer, mit nebelverhangenen Wegen, Leichen, die von Bäumen baumeln, und einem verständlicherweise entnervten Kutscher, gespielt von Dieter Eppler, der übrigens später, zwischen 1970 und 1973, Saarbrücker „Tatort“-Kommissar war.

Angekommen im Schloss – sehr atmosphärische Studiobauten mit leibhaftigen Skorpionen, Spinnen und auch Geiern – erleben sie dann gar Schreckliches. Der tote Graf Regula feiert kurzfristige Auferstehung, ausgerechnet am Karfreitag, denn er steht vor einem wissenschaftlichen Durchbruch: Aus dem Blut der 12 hat er einst eine Essenz des ewigen Lebens destilliert, wie genau, das lässt er im Dunkeln, er erklärt nur lapidar: „Ich will nicht ins Detail gehen“ (man hätte es ja gerne erfahren). Die Essenz wirkt aber erst wirklich, wenn er auch Jungfrau Nummer 13 verarbeitet hat – die Baronesse. Aber das kann und will ihr schneidiger Begleiter in Gestalt Lex Barkers nicht zulassen.

Dass der Film damals die Kinokassen nicht erbeben ließ – man kann es nachvollziehen. Der erste Teil, sieht man von der Vierteilung ab, die der Film geschmackvoll (und der FSK 12-Freigabe geschuldet) als Zeichnung eines Bänkelsängers darstellt, ist sehr gemächlich, bevor es im Schloss (gedreht in den Ateliers der Münchner Bavaria) dann sehr atmosphärisch und auch spannend wird: mit blubbernden Labor-Töpfchen, einem gläsernen Sarkophag und einem Gang, der mit hunderten von Totenköpfen bestückt ist. Insgesamt ist das Ganze weniger strammer Horror denn wohlige Schauerromantik, auf die man sich einlassen muss. Es fallen ehrfürchtig deklamierte Sätze wie „In mondlosen Nächten feiert der Teufel dort Feste“ (gemeint ist das Schloss des Grafen), über die man kichern kann oder die man gruselnd auf sich wirken lassen kann. Eine gewisse ernste Naivität besitzt der Film, wie auch die Winnetou-Filme von Regisseur Reinl. Man kann nur darüber spekulieren, wie der Film geworden wäre, hätte etwa Alfred Vohrer den Film inszeniert, neben Reinl der zweite Stammregisseur der Edgar-Wallace-Filme und eher ein Mann des extremen Effekts und des schwarzen Humors als Reinl.

Ein großer Trumpf des Films ist die Musik von Peter Thomas, nicht so grell wie manche seiner Wallace-Kompositionen, sehr atmosphärisch, teilweise mit Orgelklängen – und im Finale, wenn das Pendel über Lex Barkers Heldenbrust hin und her schwingt, hat das fast etwas von Minimal Music. Thomas‘ Musik ist auf CD beim Deluxe Mediabook enthalten, soll außerdem auf Vinyl und digital erscheinen – es lohnt sich.

Trotz mancher Macken: Der Film ist ein sympathisches Kuriosum des deutschen Kinos, ein „Was hätte daraus werden können“ mit viel Charme und Atmosphäre. Wie gut, dass der Film, der vor 15 Jahren erstmals erschien (bei e-m-s), nun hervorragend restauriert vorliegt, mit viel Bonusmaterial.

Die beiden Editionen, erschienen bei UCM.ONE:

 

MEDIABOOK

1 DVD mit dem Film und eine Blu-ray mit dem Film, plus Audiokommentar (Gerd Naumann, Christopher Klaese, Matthias Künnecke). Außerdem: Der Trailer von einst, 3.20 Minuten. Zitate des dramatischen Sprechers: „Eine romantische Gruselgeschichte“. „Aus dem Reich der Schatten greifen blutgierige Dämonen nach den Lebenden.“ „Das neue Meisterwerk eines deutschen Spitzenregisseurs.“ „Dieser Film gibt ihnen ein ganz neues Gruselgefühl.“

Neuer Teaser, 1.10 Minuten

Slideshow der Film-Rekonstruktion mit Beispiel-Bildern und -Szenen, 8.22 Minuten.

DELUXE MEDIABOOK

Wie das Mediabook, dazu CD mit der Musik von Peter Thomas auf CD und einer weiteren Bonus DVD:

„Ein Grusical wird gedreht.“ WDR-Bericht von 1967, 2.48 Minuten, schwarzweiß. Sehr flott zu Peter-Thomas-Musik montiert. „Der erste deutsche Horrorfilm der neuen Welle.“ (…) „unter der Regie von Dr. Harald Reinl“.

„Neues vom Film“, ZDF 1967 4.02 Minuten, schwarzweiß. „Harald Reinl legt den Grundstein zu einer neuen Kinowelle“, heißt es hoffungsvoll im Film. Reinl sagt, er hab die Poe-Vorlage „bereichert“. Dor erklärt, in Krimis ist man als Figur aktiver, im Horrorfilm eher passiv.

Ufa Wochenschau 1967, 1.28 Minuten. „Erstmals nach dem Kriege versucht ein deutsches Team Anschluss an die Horrorwelle zu finden. Dazu Interviewsätze identisch zu „Neues vom Film“.

Ein Interview mit Karin Dor aus der „Drehscheibe“ des ZDF von 1970. 4.01 Minuten. Interessantes Interview, Dor spricht vom Rollenmangel für sie in Deutschland. „Es gibt für mich hier nichts zu tun. Die Rollen sind einfach nicht vorhanden.“ Und: „Man hat zu 90 Prozent im deutschen Film nichts mehr verloren, wenn man nicht mehr 12 ist und nicht bereit ist, nackt über die Leinwand zu hüpfen.“ In den USA sei man noch „unberührt von der Nacktwelle.“ Und: „Ich kann es mir nicht leisten, TV-Filme zu drehen. Dann muss ich schon einen Film drehen.“

Vergleich der Drehorte damals und heute in Rothenburg ob der Tauber, 7.40 Minuten, von Markus Wolf. Sehr schön gemacht und überblendet.

Super 8-Fassung namens „Das Todespendel – die Burg des Grauens“, 16 Minuten.

Super 8-Fassung 2: „Die Schlangengrube des Dr. Dracula“, 15.22 Minuten, fast quadratisches Bild. Ganz anders geschnitten als die andere Fassung. Ohne den Prolog, und nach drei Minuten ist man schon im Gruselschloss.

Audio Interview mit Karin Dor (39.55 Minuten), vom ersten Berufswunsch (Innenarchitektin), über die Dreharbeiten zu „Man lebt nur zweimal“ zur „Schlangengrube“ (sie fand Christopher Lee, oft als arrogant verschrieb, sehr nett). Man erfährt auch, dass Fred Astaire „ein Schatz“ war und dass sie ihren Film „Haie an Bord“ ziemlich schlimm fand. Die Audio-Qualität ist bescheiden, man muss schon sehr genau hinhören.

Internationale Artwork-Galerie (4.42 Minuten), 48 Motive.

Bilder von den Dreharbeiten, (3.24 Minuten), 35 Motive fast alle in Schwarzweiß.

Heimkino, das Streaming nicht bietet

Capelight Rollerball James Caan

Kein Tempolimit. Eine Szene aus „Rollerball“. Foto: Capelight

Ja klar. Sich Filme per Streaming anzusehen, ist enorm bequem – aber mehr als den Film gibt es dort nicht zu sehen. Liebevolle Bluray-Editionen mit Zusatzmaterial sind eine Alternative. Wir stellen drei exzellente vor.

Sind DVDs und Blurays, die „physischen Datenträger“, angesichts Streaming nur noch Schnee von gestern? Die Zahlen sprechen für das körperlose Streaming, personifiziert vom Marktführer Netflix. Der steigerte während der Corona-Pandemie seine Abo-Zahlen auf 193 Millionen, der Börsenwert steht bei 232 Millionen Dollar. Läutet also für DVD und Bluray das Totenglöcklein, wie einst für die klobige Videocassette, ihrerseits Opfer der DVD?

Vielleicht schon, was lieblose Veröffentlichungen von Mainstream-Filmen angeht – warum sollte man sich die noch ins Regal stellen? Anders ist das bei schönen, mit Bonusmaterial angereicherten Film-Editionen. Denn eines kann man beim Streaming eben nicht: sich tief in einen Film versenken, mit Drehberichten, begleitenden Audiokommentaren oder Interviews;  wobei man nicht verschweigen darf, dass manche Filmfirmen ihre DVDs allzu gerne nur mit Schulterklopf-Werbe-Interviews vom Kinostart bestücken, à la „der Regisseur ist der netteste Mensch, dem ich je begegnen durfte“. Undsoweiter.

Wirklich aufwändige Editionen sind ein Stück Liebe zum Film. Eine der schönsten Veröffentlichungen der vergangenen  Monate ist „Rollerball“ (erschienen bei Capelight). Norman Jewisons Film von 1975 erzählt von einer Zukunft, in der es keine Nationalstaaten mehr gibt, nur noch globale Konzerne. Der Kapitalismus funktioniert, es gibt Brot für alle (mehr für die wenigen, weniger für die meisten) – und Spiele, um die Massen abzulenken: „Rollerball“, eine brutale Mischung aus Motorradrennen, Hockey und Football. Als einer der Spieler (James Caan) zu populär wird, kommt das Regime ins Grübeln – denn der „Rollerball“-Sport soll gesichtslos bleiben. Der Spieler-Star wird zum Rücktritt gedrängt, aber er wehrt sich.

Rollerball Capelight

Ein Blick auf die Mannschaft. Foto: Capelight

Wohl seit seinem Kinostart hat der Film nicht mehr so gut ausgesehen wie jetzt, dank einer peniblen Restaurierung; im Audiokommentar erzählt Regisseur Jewison von seiner damaligen Angst vor einer „Brot und Spiele“-Gesellschaft – wobei, das ist das kuriose Problem des Films, die Kritik an der Welt der Konzerne filmisch weniger spektakulär ist als das Spiel selbst – „Rollerball“ ist eben auch ein Actionfilm. Gedreht wurde der Film vor allen in München; davon berichtet eine 20-minütige Reportage, vergleicht dabei die Drehorte heute und damals – etwa die Radrennbahn der 1972 für Olympia gebauten Rudi-Sedlmayer-Halle, die seit 2011 „Audi Dome“ heißt, und die BMW-Türme, die in den 70ern purer Futurismus waren und heute ein gewisses Retro-Aroma versprühen. Der Stunt-Veteran und spätere Regisseur Craig R. Baxley berichtet von den monatelangen und gefährlichen Proben des Spiels, mehrere Dokumentationen schließen sich an.

 

Die neue Edition und Restaurierung von David Lynchs „Der Elefantenmensch“ (Arthaus, 1980) lässt Cineasten ebenfalls niederknien. Die Oscar-nominierte Schwarzweißfotografie von Freddie Francis sieht glorios aus, es gibt mehrere Filmbilder als Karten, ein Booklet und viel Bonusmaterial auf den beiden Blurays: Reportagen etwa  über die reale Person, auf deren Leben der Film basiert: der Engländer Joseph Merrick (1862-1890), dessen Körper schwerst missgebildet war und der auf Rummelplätzen als Grusel-Attraktion herumgereicht wurde, bis sich ein Mediziner (im Film gespielt von Anthony Hopkins) um ihn kümmerte.

In Interviews, zwischen 19 und 30 Minuten lang, sprechen die Beteiligten von den Dreharbeiten: darunter Hauptdarsteller John Hurt, Produzent Jonathan Sanger und Fotograf Frank Connor. Regisseur David Lynch wird mehrmals interviewt,  einmal bei einer Pariser Ausstellung seiner Gemälde und Skulpturen, und einmal vom Kollegen Mike Figgis („Leaving Las Vegas“). Der  platziert ihn einer Szenerie, die wohl klassische Lynch-Atmosphäre erschaffen soll: in einem leeren Korridor, mit dem Kopf neben einer nackten Glühbirne. Als Lynch das Drehbuch zu „Der Elefantenmensch“ zum ersten Mal las, erzählt er, „da explodierte eine kleine Bombe in meinem Kopf“. Anstoß zu einem seiner besten, berührendsten Filme.

 

Auch 24 Jahre nach seiner Premiere verstört David Cronenbergs „Crash“ immer noch. Der radikale, damals heftig umstrittene Film über Erotik, den Fetisch Auto und die morbide Faszination von Unfällen ist jetzt als exzellente  Bluray-Edition erschienen (bei Turbine Medien), mit restauriertem Bild und viel Begleitmaterial. Das reicht von den damaligen Trailern über Interviews zum Kinostart bis zu neueren und längeren  Gesprächen mit den Beteiligten: darunter Komponist Howard Shore und Cronenbergs regelmäßiger Kameramann Peter Suschitzky. Der berichtet von einer gemeinsamen „intellektuellen Sympathie“ und davon, dass er bei den für ihn zu drastischen Szenen die Kameraführung immer gerne an den Regisseur abgibt.

Zu sehen sind auch drei jüngere Kurzfilme Cronenbergs, gewohnt unbehagliche Miniaturen über Tod und die Schrecknisse des eigenen, vom Verfall bedrohten Körpers. Ein fast einstündiges  Gespräch mit Cronenberg (und dem Schauspieler Viggo Mortensen) gibt es auch, vom Filmfestival in Toronto, bei dem der Regisseur nicht so ganz erklären kann, was ihn filmisch umtreibt: „Ich bin der Letzte, den Sie fragen sollten, wie mein Gehirn funktioniert.“

Cronenberg Crash Turbine

Meister Cronenberg am Drehort. Foto: Turbine

Die grünen Männchen sind lila: „Die Farbe aus dem All“ von Richard Stanley

 

Color out of space nicolas cage farbe aus dem All Koch Media

Noch ist alles in Ordnung in Neuengland (gedreht wurde wegen Filmfördergelder in Portugal): Joely Richardson und Nicolas Cage als Ehepaar. Foto: Koch Media

 

Irgendwo in den Verträgen von Nicolas Cage muss er wohl stehen, Schwarz auf Weiß, vielleicht dick unterstrichen: der Passus, laut dem der Darsteller im Film mindestens eine Szene des kompletten Ausrastens spielen darf (oder muss), des Zusammenbruchs, des Durchdrehens, Augenrollen inklusive. Bei Youtube findet man minutenlange Montagen aus verschiedenen Filmen, in denen Cage sozusagen dem Affen des Ausrastens Zucker gibt, kiloweise.

So ist über die Jahre der Cage-Kollaps ein wenig zum filmischen Klischee geworden, man erwartet ihn, manchmal wirkt er beinahe pflichtschuldig. Im Film „Die Farbe aus dem All“ dagegen ist er dankenswerterweise ein schlüssiger Teil der Handlung – denn wer würde nicht an seine Nervengrenze kommen, wenn im Vorgarten ein kleiner Meteor einschlägt und alsbald alles aus den Fugen gerät – die Natur, die eigene Wahrnehmung, sogar die Zeit. Doch erst einmal beginnt dieser sehenswerte Film in aller Ruhe mit märchenwaldigen Naturbildern, ominös brummender Musik. Wir sind im tiefsten Grün Neuenglands, wohin sich die Familie Gardner zurückgezogen hat vor der Hektik der Großstadt. Hier ist der Rest der Welt ganz weit weg.

Doch das Familienquintett hadert noch mit der geballten Idylle: Der Vater (Cage) will als Ökobauer und Alpaka-Züchter reüssieren, wirkt aber etwas glücklos; seine Frau leidet an den seelischen Folgen einer Brustkrebs-Operation; die drei Kinder, die sich erst an das Übermaß an Ruhe gewöhnen müssen, trösten sich unter anderem mit dem Hineinarbeiten in die Hexenkunst und ins gepflegte Haschrauchen mit einem Eremiten in der Nachbarschaft, der ein Onkel des „Dude“ aus „The Big Lebowski“ sein könnte. Regisseur Richard Franklin erzählt da, vage nach einer Erzählung des Phantastik-Literaten H.P. Lovecraft (1890-1937), mit einigem schwarzen Humor von einer Familie, die sich zwar liebt, aber durchaus von der Gefahr eines Budenkollers in freier Natur bedroht ist; zugleich baut er mustergültig und fast klassisch Grusel auf, da der dampfende Meteorit vor dem Haus Merkwürdiges mit sich bringt: Das Obst im Garten wächst ungewohnt schnell, außerirdisch-fremdartige Insekten surren umher, der jüngste Spross der Familie hört die Stimme eines imaginären „Freundes“ aus dem Brunnen vorm Haus. Sogar die Tageszeiten scheinen zu verschwimmen. Die Realität ist nicht mehr das, was sie einmal war – ist sie vielleicht längst ein Traum?

Unmerklich steigert der Film das Unbehagen und wird dann nach einer Stunde wirklich grausig – und optisch psychedelisch. Das ganze Grundstück scheint sich langsam aufzulösen in lila Licht, in Visionen eines anderen Planeten (die Heimat des Meteors?), tote Figuren leben wieder (sind sie Erinnerungen ihrer selbst?) – da geht der Film in die Vollen, übertreibt es vielleicht ein wenig, aber erklärt das Grauen erfreulicherweise nicht rational. Handelt es sich um eine außerirdische Invasion? Oder um einen Besuch, der schrecklich schief geht? Wer will das sagen? Zurück bleibt buntes Chaos, schimmernd in der titelgebenden „Farbe aus dem All“ – ein schönes Lila, das an den außerirdischen Schimmer in Alex Garlands meisterlichem Film „Auslöschung“ (zurzeit bei Netflix zu sehen), der ebenfalls von einem Besuch aus dem All erzählt und sich als wunderbarer Partner für ein Doppelprogramm eignete.

 

Richard Stanley Color out of space Nicolas Cage

Regisseur Richard Stanley. Foto: Koch Media

 

„Die Farbe aus dem All“ markiert auch die Wiederkehr eines lange Verschollenen: Es ist die erste Spielfilmregie von Richard Stanley seit 1996. Damals wurde der Filmemacher nach drei chaotischen Drehtagen bei seinem jahrelang vorbereiteten Herzensprojekt „Die Insel des Dr. Moreau“ mit Marlon Brando geschasst und ersetzt – eine traumatische Erfahrung, über die ein Kollege von Stanley 2014 eine abendfüllende Dokumentation drehte. Die vergangenen Jahre verbrachte Stanley in einer Hütte in den Pyrenäen und führte Touristen durch die Berge – das zumindest erzählt er in Interviews.

Zu sehen ist der Film auf DVD und Bluray bei Koch Media und bei Amazon Prime.

Neue DVDs von Pidax

Pidax

Christopher Plummer (l.) und Robert Shaw in „Der Untergang des Sonnenreiches“. Foto: Pidax

Ältere Filme abseits der üblichen, immer wieder gerne neu veröffentlichten Klassiker haben es im Heimkino schwer. Die großen Studios scheinen wenig Interesse daran zu haben, sie auf DVD oder Blu-ray zu veröffentlichen; gut, wenn Anbieter abseits der Branchenriesen sich die brachliegenden Lizenzen besorgen und selbst tätig werden. Die Riegelsberger Firma Pidax ist Spezialist in dieser vielleicht gar nicht so kleinen Nische und hat zuletzt wieder einige Perlen veröffentlicht, aus denen man fast eine kleine Filmreihe zum Thema „Raue Männer im Film“ kuratieren könnte.

Zum Beispiel „Der Untergang des Sonnenreiches“. Das klingt nach Monumentalschinken, der Film ist aber, trotz einigen Aufwands, eher ein Kammerspiel, in dem Religionen aufeinanderprallen und Mentalitäten dazu. Irving Lerners Film von 1969 basiert auf dem Bühnentück „Die Jagd nach der Sonne“ von Peter Shaffer (1926-2016, „Amadeus“). Es erzählt vom spanischen Eroberer Pizarro (Robert Shaw), der mit 167 Männern nach Peru aufbricht. Dort sollen seine Soldaten das Gold der Inka rauben und den christlichen Glauben über die Beraubten bringen. Die Eskorte des Inkakönigs Atahualpa (Christopher Plummer) metzeln die Spanier nieder – in einer surrealen Szene, mit Mord in Zeitlupe und fröhlicher Folklore-Musik; dann nehmen sie den König gefangen.

Während die entsetzten Inkas ihr Gold als Lösegeld für ihren König heranschaffen, kommen sich Pizarro, vom verlogenen Katholizismus seiner Geistlichen abgestoßen,  und der König näher. Pizarro scheint bei dem Mann, der sich unerschütterlich für göttlich und unsterblich hält, einen gewissen spirituellen Frieden zu finden. Diese Beziehung steht im Mittelpunkt des Films und wird von seinen beiden Hauptdarstellern mühelos getragen – allerdings braucht man doch ein ein, zwei Minuten um sich an den Anblick und manche Manierismen des dunkel geschminkten und perücketragenden Kanadiers Christopher Plummer als Inkakönig zu gewöhnen. Dann aber kann man sich an dem Film erfreuen, der mit geschliffenen Dialogen die Kollision von Religionen behandelt, von Weltanschaungen und den Tod von Idealen unter dem Druck von Realpolitik. Eine schöne und wertvolle  filmische Entdeckung.

 

 

Eine Heimkino-Entdeckung ist „Die Hölle sind wir“ nicht, gab es den Film doch schon vor Jahren auf DVD – allerdings in einer miserablen Vollbild-Version, die das Breitwandbild des Films rechts und links verstümmelte. Die Pidax-Veröffentlichung zeigt jetzt das Originalformat dieses Films von 1968, in dem sich 1944 auf einer unbewohnten Pazifikinsel zwei Männer begegnen: ein japanischer Soldat (Toshiro Mifune) und ein amerikanischer (Lee Marvin). Die beiden beginnen sofort einen wortlosen und trickreichen Kleinkrieg gegeneinander, bei dem ihnen langsam klar wird, dass von ihnen auf der Insel keiner ohne den  anderen überleben wird. Ein rauer, exzellent gespielter Film, der sich mit nationalistischem Hass beschäftigt, ohne ein naives Loblied auf die verbindende Macht der Völkerverständigung zu singen.

 

 

Weltanschauungen prallen auch in „Das vergessene Tal“ (1971) aufeinander, der im 30-jährigen Krieg spielt. Ein Lehrer (Omar Sharif) findet vor blindwütigen Söldnern beider Konfessionen einen Zufluchtsort – ein bisher vom Krieg verschontes Alpendorf. Der Frieden dort ist kurzlebig, denn eine Soldatentruppe fällt ins Dorf ein; mit viel Diplomatie kann der Lehrer den Anführer (Michael Caine) überzeugen, das Dorf nicht niederzubrennen, sondern dort zu überwintern. Doch die Spannungen zwischen den Besetzten und den Soldaten sind bedrohlich, und auch in der Söldnertruppe brodelt es, sind dort die Auffassungen von Religion und Sinn beziehungsweise Sinnlosigkeit dieses Krieges sehr unterschiedlich. Ein getragener Film mit vielen Dialogen, einigen Gewalt­eruptionen und einer melancholischen Musik von John Barry.

 

 

Ein ruppiger  Abenteuerfilm ist die Jules-Verne-Adaption „Das Licht am Ende der Welt“ (1971) mit Kirk Douglas als Leuchtturmwärter, der es alleine auf seiner Insel mit einer Piratentruppe (angeführt von Yul Brynner) aufnimmt. Viel Atmosphäre des einsamen Eilands gibt es, dazu Stunts von Douglas höchstselbst. Und in gewisser Weise nimmt der Film die spätere „Stirb langsam“/Allein-gegen-alle-Formel der 1980er vorweg.

 

www.pidax-film.de

„Arctic“ mit Mads Mikkelsen

Mads Mikkelsen als Overgard. Foto: Koch Films Arctic

Mads Mikkelsen als Overgard. Foto: Koch Films

 

Stoisch und stumm gräbt der Mann im Schnee, schiebt Geröll und Steine hin und her, macht immer weiter. Was er da genau tut, zeigt sich erst, als die Kamera ihn von oben zeigt, aus der Vogelperspektive: Ein großes „SOS“ hat er in den Schnee gebuddelt. So beginnt „Arctic“, ein filmisches Kammerspiel in der Antarktis, ein Zwei-Personen-Stück, von denen eine meist bewusstlos ist und im ganzen Film nur ein Wort flüstert. Reicht das für die 95 Minuten?

„Arctic“, das Langfilmdebüt von Musiker und Videokünstler Joe Penna (auch Ko-Drehbuch) hat enormem Mut zur Reduktion. So stoisch, wie der Mann sein „SOS“ freigräbt, so stoisch folgt der Film dem Tagesablauf des Gestrandeten: Sorgsam kontrolliert er das Loch im Eis, in dem er ein Seil als Angelrute versenkt hat; sitzt mit einem Funksender, den  er per Handkurbel antreibt, auf einer Anhöhe; verstaut gefangene Fische im Eis, nimmt einen davon mit in sein Flugzeugwrack, schneidet ihn in exakte Streifen, isst ihn, legt sich dick eingemummt schlafen und schaut vorher noch einmal nach seinen Zehen, von denen einer schon erfroren ist. Wieder ein Tag überstanden und überlebt.

Was genau passiert ist, warum die Maschine abstürzte, erfährt man nicht. Das große Abwarten des Mannes, das rigide Festhalten an einem Tagesablauf,  scheint ohnehin ein Ende zu haben, als nach Wochen ein Hubschrauber über ihm kreist. Doch die Landung misslingt im schlechten Wetter: Der Pilot stirbt sofort, die Kopilotin (María Thelma) überlebt verletzt – so schwer, dass sie einen Arzt braucht, und der Mann mit ihr das in Angriff nimmt, was er wohl schon einmal vergeblich versucht hat: zu Fuß eine Siedlung zu erreichen. Er schnallt die bewusstlose Frau auf einen Schlitten, beginnt die Reise durch die Einöde mit ihren mörderischen Anstiegen, Schluchten im Schnee und einem weiteren Fleischfresser: einem Eisbären.

 

Mads Mikkelsen Arctic

Overgard am Ende seiner Reise. Foto: Koch Films

Wie reißerisch hätte man das inszenieren können – doch „Arctic“, für ein schmales Budget in Island gedreht, ist umso interessanter, als er  konsequent  das unterlässt und unterläuft, was man von einem konventionelleren Film wohl erwartet hätte: eine Exposition etwa, die einem die Figur des Gestrandeten näher bringt, ein wenig Hintergrund. Aber von dem Mann erfährt man kaum etwas, das darüber hinausgeht, was man sieht – die Figur definiert sich über ihre Handlungen. Immerhin einen schönen sprechenden Namen darf er (als Aufnäher an der Jacke) tragen, Overgard – ein großer Behüter und Hirte ist er ja durchaus. Aber Overgard erzählt nicht von einer Kleinfamilie mit Hund, die zuhause auf ihn wartet und spricht auch nicht – wie etwa Tom Hanks in „Cast Away“ – mit einem Volleyball mit einem Gegenstand, um über diesen Umweg dann doch ein paar Sätze ans Publikum zu richten. Die im Film früh angelegte Konfrontation mit dem Eisbären wird auch nicht zum großen Action-Finale, sondern ist einfach einer von mehreren Situationen, die Overgard gerade so überlebt, als Mensch in einer Natur, die weniger feindselig denn indifferent ist – der Mensch hat hier keinen rechten Platz.

Die ruhige Erzählweise mit den minimalen Dialogen und der sparsamen Musik ist riskant – mit einem ausdrucksarmen Schauspieler hätten sich wohl Längen ergeben, doch die Leistung von Mads Mikkelsen kann man schon herausragend nennen. Ohne dass er allzu viel tut, keine Zusammenbrüche, keine Weinkrämpfe zu spielen hat, macht der Däne das Innenleben seiner Figur spürbar: das Gefühl der Einsamkeit, der Durchhaltewille, an dem die Kälte und die Widrigkeiten der Reise unablässig zehren; und auch ein kurzer Moment, in dem sein Wille zur Aufopferung für einen anderen Menschen an seine natürliche Grenze kommt – wenn sich der Selbsterhaltungstrieb des Menschen einfach als stärker erweist. Das Ende dieses Films, der sich auch als sinniges Doppelprogramm mit der Ein-Personen-Odyssee „All is lost“ mit Robert Redford anbieten würde, soll hier nicht verraten werden. Aber es ist wunderbar zurückhaltend.

„Arctic“ ist als Blu-ray, DVD und digital bei Koch Films erschienen.

„Wenn der Wind weht“ auf Blu-ray

Turbine Medien

Jim und Hilda, als die Welt noch in Ordnung ist. Foto: Turbine

 

Am Ende hört das Zahnfleischbluten gar nicht mehr auf. Die Haare fallen in Büscheln auf den staubigen Boden – und es bleibt nur noch das Beten des Psalms 23, den das alte Ehepaar nicht mehr ganz zusammenbekommt. Die letzte Viertelstunde von „Wenn der Wind weht“ ist erschütternd – nachdem der Film zuvor die Härte seiner Geschichte noch ein wenig mit einem gewissen schwarzen, manchmal grausigen  Humor abgemildert hatte. Der britische Zeichentrickfilm von 1986, der jetzt in einer mustergültigen Edition mit viel Bonus-Material erstmal aus Blu-ray erscheint, erzählt eine einfache Geschichte: In England schlägt eine Atomrakete ein, ein Ehepaar versucht, sich eine Art Schutzraum zu bauen, angeleitet von einer himmelschreiend verharmlosenden Broschüre der Regierung. Die rät etwa, die Fenster weiß zu streichen, das helfe gegen die radioaktive Strahlung. Das hilft natürlich nicht – aber was sollte auch helfen?

Die Buchvorlage schrieb und zeichnete der  englische Künstler Raymond Briggs, der zuvor eher für Kinderbücher bekannt war wie „Oje, Du fröhliche“ (über einen vom Advent gestressten Weihnachtsmann). „Wenn der Wind weht“ erschuf er Anfang der 1980er Jahre, bewegt von der Angst vor Aufrüstung und einem atomaren Krieg. Im Buch wie Film steht fast ausschließlich das Paar Jim und Hilda Bloggs im Mittelpunkt, die Außenwelt dringt anfangs noch per Radio und Telefon zu ihnen, dann ist Stille. Insuläre Eheleute im beschaulichen Hinterland sind sie; er zumindest informiert sich noch ein wenig über die Weltlage, sie lebt ganz für eine britische Idylle zwischen Teestunde, Würstchen und Hackbraten. Briggs lässt da zwei schlichte Gemüter mit dem Unfassbaren kollidieren – der Auslöschung eines ganzen Landes, dem Ende der Welt.

 

Turbine Medien

Abendessen nach dem Einschlag. Foto: Turbine

 

Die politischen Spannungen und die Bedrohung durch Russland vor der Explosion versucht vor allem Hilda noch zu ignorieren. In den Zeitungen stehe ohnehin „nur Quatsch“, außerdem haben „wir den letzten Krieg überlebt, dann werden wir auch den nächsten überleben“. Als die letzten Radionachrichten melden, dass in drei Minuten eine Atomrakete einschlägt, sagt Hilda: „Dann hole ich noch schnell die Wäsche rein.“ Eine Atomexplosion verwüstet das Land, was der Film (inszeniert von Jimmy Murakami) nur aus der Perspektive des Paares zeigt und dafür von reinem Zeichentrick zu einer Mischung aus Animation und Modelltrick wechselt: Die Möbel werden von einer Druckwelle durchs Haus gewirbelt, zurück bleibt eine Ruine. Die einst sattgrünen Wiesen sind schwarzes Ödland, durch das der radioaktive Wind pfeift.

Briggs gönnt seinen Figuren kleine Fluchten des Elends, vor allem auf dem Weg der Verklärung der Vergangenheit. „War eigentlich schön der Krieg damals“, sagt Hilda, die auch Stalin mit seinem onkeligen Schnurrbart „immer sehr nett“ fand, ebenso wie das Übernachten in U-Bahnschächten, wenn deutsche Bomben fielen. Jim steigert sich in eine Kriegsfantasie hinein, in der England zurückschlägt und Russland die Demokratie aufzwingt, angeführt vom legendären „Monty“ Montgomery, von dem Jim nicht weiß, ob er nicht schon längst gestorben ist. Rule Britannia. Hatte Autor Briggs hier nebenbei auch eine Parodie auf manche seiner betont rückwärtsgewandten Landsleute im Sinn? Man kann sich vorstellen, wie Jim und Hilda zum Brexit stehen würden. In jedem Fall federt dieser Humor die Härte der Handlung lange etwas ab – bis es ans Sterben geht und man sich nichts mehr schön reden kann.

Meisterlich ist „Wenn der Wind weht“ in seiner kompromisslosen Konsequenz, zudem hat der Kontrast zwischen der Handlung und der knubbelnasigen und zarten Zeichnung seiner Figuren eine manchmal fast verstörende Wirkung. Synchronisiert wurde dieses Zwei-Personen-Weltuntergangsstück von zwei sehr prägnanten Schauspielern: Brigitte Mira (ebenso Fassbinders „Angst essen Seele auf“ wie der TV-Klassiker „Drei Damen vom Grill“) und Peter Schiff – mit seiner leicht angerauten Stimme sprach er auch den Computer Hal in der deutschen Fassung von Kubricks „2001“. In der Originalfassung von „Wenn der Wind weht“ sind es die britischen Bühnenstars Peggy Ashcroft und John Mills – der Vergleich beider Fassungen lohnt sich, klingt Ashcroft doch etwas weniger naiv und verhuscht als Mira, und Mills etwas weniger  wissend und alles erklärend als Schiff. Da besitzt das Ehepaar ein anderes, ausgeglicheneres Kräfteverhältnis.

Zeitlos wirkt dieser Film, nimmt man die Musik aus: David Bowies Titelsong hat das deutliche Aroma jener 1980er Jahre, in denen er sich schwer tat – hier ist das Pathos ziemlich aufdringlich, im Gegensatz zum Film, der das umgeht. Und eine sehr konventionelle Ballade  von Roger Waters zum Abspann hätte es nicht gebraucht, sie wird dem unkonventionellen Film nicht gerecht. Vielleicht wollte man dem Publikum keine Stille oder das schlichte Heulen des verseuchten Windes nicht zumuten.

 

Bonusmaterial:
Gutes Booklet.
Zwei Dokumentationen zum Film.
Audiokommentar von Schnittassistent Joe Fordham und Filmhistoriker Nick Redman.
Tonspur nur mit Musik und Klangeffekten.
Interview mit Raymond Briggs.
Internationale Trailer.

Erschienen bei Turbine Medien.
www.turbine.de

« Ältere Beiträge

© 2021 KINOBLOG

Theme von Anders NorénHoch ↑