KINOBLOG

Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

„Wenn der Wind weht“ auf Blu-ray

Turbine Medien

Jim und Hilda, als die Welt noch in Ordnung ist. Foto: Turbine

 

Am Ende hört das Zahnfleischbluten gar nicht mehr auf. Die Haare fallen in Büscheln auf den staubigen Boden – und es bleibt nur noch das Beten des Psalms 23, den das alte Ehepaar nicht mehr ganz zusammenbekommt. Die letzte Viertelstunde von „Wenn der Wind weht“ ist erschütternd – nachdem der Film zuvor die Härte seiner Geschichte noch ein wenig mit einem gewissen schwarzen, manchmal grausigen  Humor abgemildert hatte. Der britische Zeichentrickfilm von 1986, der jetzt in einer mustergültigen Edition mit viel Bonus-Material erstmal aus Blu-ray erscheint, erzählt eine einfache Geschichte: In England schlägt eine Atomrakete ein, ein Ehepaar versucht, sich eine Art Schutzraum zu bauen, angeleitet von einer himmelschreiend verharmlosenden Broschüre der Regierung. Die rät etwa, die Fenster weiß zu streichen, das helfe gegen die radioaktive Strahlung. Das hilft natürlich nicht – aber was sollte auch helfen?

Die Buchvorlage schrieb und zeichnete der  englische Künstler Raymond Briggs, der zuvor eher für Kinderbücher bekannt war wie „Oje, Du fröhliche“ (über einen vom Advent gestressten Weihnachtsmann). „Wenn der Wind weht“ erschuf er Anfang der 1980er Jahre, bewegt von der Angst vor Aufrüstung und einem atomaren Krieg. Im Buch wie Film steht fast ausschließlich das Paar Jim und Hilda Bloggs im Mittelpunkt, die Außenwelt dringt anfangs noch per Radio und Telefon zu ihnen, dann ist Stille. Insuläre Eheleute im beschaulichen Hinterland sind sie; er zumindest informiert sich noch ein wenig über die Weltlage, sie lebt ganz für eine britische Idylle zwischen Teestunde, Würstchen und Hackbraten. Briggs lässt da zwei schlichte Gemüter mit dem Unfassbaren kollidieren – der Auslöschung eines ganzen Landes, dem Ende der Welt.

 

Turbine Medien

Abendessen nach dem Einschlag. Foto: Turbine

 

Die politischen Spannungen und die Bedrohung durch Russland vor der Explosion versucht vor allem Hilda noch zu ignorieren. In den Zeitungen stehe ohnehin „nur Quatsch“, außerdem haben „wir den letzten Krieg überlebt, dann werden wir auch den nächsten überleben“. Als die letzten Radionachrichten melden, dass in drei Minuten eine Atomrakete einschlägt, sagt Hilda: „Dann hole ich noch schnell die Wäsche rein.“ Eine Atomexplosion verwüstet das Land, was der Film (inszeniert von Jimmy Murakami) nur aus der Perspektive des Paares zeigt und dafür von reinem Zeichentrick zu einer Mischung aus Animation und Modelltrick wechselt: Die Möbel werden von einer Druckwelle durchs Haus gewirbelt, zurück bleibt eine Ruine. Die einst sattgrünen Wiesen sind schwarzes Ödland, durch das der radioaktive Wind pfeift.

Briggs gönnt seinen Figuren kleine Fluchten des Elends, vor allem auf dem Weg der Verklärung der Vergangenheit. „War eigentlich schön der Krieg damals“, sagt Hilda, die auch Stalin mit seinem onkeligen Schnurrbart „immer sehr nett“ fand, ebenso wie das Übernachten in U-Bahnschächten, wenn deutsche Bomben fielen. Jim steigert sich in eine Kriegsfantasie hinein, in der England zurückschlägt und Russland die Demokratie aufzwingt, angeführt vom legendären „Monty“ Montgomery, von dem Jim nicht weiß, ob er nicht schon längst gestorben ist. Rule Britannia. Hatte Autor Briggs hier nebenbei auch eine Parodie auf manche seiner betont rückwärtsgewandten Landsleute im Sinn? Man kann sich vorstellen, wie Jim und Hilda zum Brexit stehen würden. In jedem Fall federt dieser Humor die Härte der Handlung lange etwas ab – bis es ans Sterben geht und man sich nichts mehr schön reden kann.

Meisterlich ist „Wenn der Wind weht“ in seiner kompromisslosen Konsequenz, zudem hat der Kontrast zwischen der Handlung und der knubbelnasigen und zarten Zeichnung seiner Figuren eine manchmal fast verstörende Wirkung. Synchronisiert wurde dieses Zwei-Personen-Weltuntergangsstück von zwei sehr prägnanten Schauspielern: Brigitte Mira (ebenso Fassbinders „Angst essen Seele auf“ wie der TV-Klassiker „Drei Damen vom Grill“) und Peter Schiff – mit seiner leicht angerauten Stimme sprach er auch den Computer Hal in der deutschen Fassung von Kubricks „2001“. In der Originalfassung von „Wenn der Wind weht“ sind es die britischen Bühnenstars Peggy Ashcroft und John Mills – der Vergleich beider Fassungen lohnt sich, klingt Ashcroft doch etwas weniger naiv und verhuscht als Mira, und Mills etwas weniger  wissend und alles erklärend als Schiff. Da besitzt das Ehepaar ein anderes, ausgeglicheneres Kräfteverhältnis.

Zeitlos wirkt dieser Film, nimmt man die Musik aus: David Bowies Titelsong hat das deutliche Aroma jener 1980er Jahre, in denen er sich schwer tat – hier ist das Pathos ziemlich aufdringlich, im Gegensatz zum Film, der das umgeht. Und eine sehr konventionelle Ballade  von Roger Waters zum Abspann hätte es nicht gebraucht, sie wird dem unkonventionellen Film nicht gerecht. Vielleicht wollte man dem Publikum keine Stille oder das schlichte Heulen des verseuchten Windes nicht zumuten.

 

Bonusmaterial:
Gutes Booklet.
Zwei Dokumentationen zum Film.
Audiokommentar von Schnittassistent Joe Fordham und Filmhistoriker Nick Redman.
Tonspur nur mit Musik und Klangeffekten.
Interview mit Raymond Briggs.
Internationale Trailer.

Erschienen bei Turbine Medien.
www.turbine.de

Frösteln in der Sonne: „Holiday“ von Isabella Eklöf

 

 

Victora Carmen Sonne Holiday Alamode Film

Victora Carmen Sonne als Sascha. Foto: Alamode Film

 

Lange rätseln muss man über diesen Film – sobald man sich von ihm erholt hat, denn „Holiday“ ist eine brutale Seh-Erfahrung. Er erzählt eine Geschichte, bei dem es einen fröstelt, der sonnendurchfluteten Szenerie zum Trotz. Sascha, eine junge Dänin mit schlecht blondierten Haaren und einem manchmal etwas leeren Blick,  ist das Zentrum, in jeder Szene, in fast jeder Einstellung zu sehen – vom ersten Stöckeln durch einen leeren Flughafen bis zu dem letzten Moment des Films, einem Blick Saschas in Richtung Kamera und Zuschauer. Um Gewalt und Sexualität  geht es im Regiedebüt der Schwedin Isabella Eklöf (Ko-Drehbuch von „Border“), um Unterwerfung und – möglicherweise – um das kühle Abwägen zwischen dem, was man zu ertragen bereit ist, und dem, was man dafür bekommt. Oder auch um Sadismus und Masochismus.

Sascha kommt im türkischen Ferienort Bodrum an, sitzt ein wenig Zeit in einem Hotel mit viertklassiger Animation ab und wird dann von einem Lakaien ihres Freundes / Gönners Michael abgeholt; im Auto gibt es die erste (und nicht die letzte) Ohrfeige des Films, weil sie sich von dem Batzen Bargeld, das sie wohl als Kurierin mitgebracht hat, etwas geborgt hat – die Kreditkarte hakte. Diese Szene deutet an, was dann klar wird, als Sascha sich bei der Clique von Michael in der Strandvilla niederlässt: Hier haben die Männer das Sagen, die Frauen sollen sich sonnen, gut aussehen und im Hintergrund bleiben, während die Herren ihre kriminellen Geschäfte abwickeln. Innerhalb der Männerriege gibt es klare Hierarchien;  wenn einer von ihnen einen Fehler macht, wird er zwecks Disziplinierung zusammengeschlagen – wenn er dabei zu sehr vor Schmerzen brüllt, wird der Fernseher für die Kinder und Jugendlichen im Wohnzimmer eben etwas lauter gestellt. Und sobald der Verprügelte und Rangniedrige sich wieder erholt hat, verteilt er mit Unterwerfungsgeste kleine Geschenke an alle Beteiligten, wie ein Hund, der sich auf den Rücken legt und seine Kehle zeigt.

 

Lai Yde Holiday Alamode Film

Ein Monster, das mit sich ganz im Reinen ist. Lai Yde als Michael. Foto: Alamode Film

 

Durch diese Welt laviert sich Sascha, genießt den (immer etwas lieblos und billig wirkenden) Luxus, den Michael ihr offeriert, und erträgt gleichzeitig sein Besitzdenken, das immer brutalere Züge annimmt: Dass er sie mit einer Droge im Drink bewusstlos macht und dann ihren Körper im Bett je nach Belieben drapiert wie eine Puppe, ist erst der Anfang – im Schlüsselmoment des Films, einer schmerzhaft grausigen und sehr expliziten Szene, vergewaltigt er sie. Was er wohl nicht einmal als Vergewaltigung ansieht, ist sie in seinen Augen doch sein Besitz. Und deshalb muss es ihn auch stören, dass Sascha eine Freundschaft mit dem jungen Holländer Thomas beginnt, der mit seinem Schiff (und leicht hippieesker Idealismus-Rhetorik) um die Welt segelt. Früher machte er in Marketing, heute  will er die Lügen des Berufslebens hinter lassen. Sagt er. Könnte er ein Ausweg sein für Sascha? Oder wird sie sich an Michael rächen, zumal der Film scheinbar unsubtil ein Klappmesser ins Spiel bringt? So viel sei verraten: Das Drehbuch von Isabella Eklöf und Johanne Algren legt einige falsche Fährten aus und überrascht immer wieder, so dass man als Zuschauer manche vorschnellen Urteile – über den Film wie über einige Figuren – revidieren muss.

Gespielt ist das hervorragend: Lai Yde, der auch für Edelmode für den reichen Mann 40 plus modeln könnte, verkörpert Michael als menschliches Monster, das dabei ganz mit sich im Reinen ist. „Ohne Schmerzen macht das Leben keinen Spaß“ ist einer seiner platten Sätze, aber man glaubt ihn ihm und weiß, dass er sein Leben meint und die Schmerzen anderer. Das Zentrum des Films ist Victoria Carmen Sonne als Sascha, mit einer körperlich furchtlosen Darstellung: mal mit maximalem Ausdruck – in der Titelsequenz, in der sie sich vor schwarzem Hintergrund tanzend windet und so aktiv und selbstbestimmt wirkt wie sonst selten im ganzen Film, mal passiv, in sich gekehrt, merkwürdig entrückt. Man blickt nicht ganz hinter sie – ist Sascha in brutaler Konsequenz kalkulierend, abwägend? Oder aber, schlicht gesagt, etwas dumm? Drehbuch, Darstellung und eine manchmal distanziert und teilnahmslos wirkende Kamera (Nadim Carlsen) lassen einen nicht ganz heran an diese Figur, und der Film bittet den Zuschauer nicht um Mitgefühl für sie. „Holiday“ urteilt nicht und bleibt auf Distanz, das Drehbuch zeigt die Menschen einfach bei dem, was sie sagen und tun. Und das ist meist hässlich. Die einzige nette Geste des Films ohne Berechnung und Hintergedanken kommt von Straßenarbeitern, die Sascha warnen, dass ihr langer Schal beim Vespa-Fahren gefährlich werden könnte. (Sie versteht es nicht und stürzt.)

Victora Carmen Sonne als Sascha. Foto: Alamode Film Holiday

Victora Carmen Sonne als Sascha. Foto: Alamode Film

Um Brutalität, Besitz, Macht und Alphatier-Gehabe geht es auch in der Sprache: Der Satz „Ich dachte, sie sei verfügbar“ fällt im Gespräch über Sascha, als wäre sie ein Gebrauchsgegenstand; Michael setzt in einem Gespräch mit dem möglichen Nebenbuhler Thomas sehr gezielt einen obszönen (und scheinbar endlosen) Witz ein, als Warnung für sein Gegenüber. Das wird sich in einer späteren, bestürzenden Szene noch steigern – Sprache als Waffe, oft sexualisiert.

„Holiday“ erzählt nicht nur innerhalb der Kriminellenclique und im Verhältnis des Paares von Machtverhältnissen – nebenbei und ohne platt zu werden, zeigt der Film auch die Kluft zwischen den reichen Touristen, die sich mit ihrem Geld nahezu alles kaufen und alles erlauben können, und den lokalen Normalbürgern, die außen vor bleiben. Menschen, die mit viel Zeit und wenig Geld auf alten Plastikstühlen an der Straße sitzen, während der Touristenbus vorbeifährt, oder die Tänzerinnen in einem tristen Nachtclub – der Mensch ist Verfügungsmasse in diesem Film. Wer nichts hat, wird besessen, wer nicht schlägt, wird geschlagen.

„Holiday“ ist bei Alamode auf Bluray/DVD erschienen und auch als Download verfügbar.

www.alamodefilm.de

Odin und die starken Männer: „Die Wikinger“ von Richard Fleischer

Kirk Douglas nach einer Begegnung mit Tony Curtis. Foto: Capelight

„Odiiiiiiiin!“ Manche TV-Kindheitserinnerung halten sich lange. Etwa die von einem bärtigen Wikinger, der mit einem dramatischen  „Odiiiiiiin“ auf den Lippen in eine Wolfsgrube (und den Tod) springt. Diese Szene stammt aus „Die Wikinger“ von 1958 – nun lässt sich dieser prachtvolle Film erstmals auf Bluray erleben: „in horizontweitem Technirama und leuchtendem Technicolor!“, wie der antike deutsche Trailer vollmundig verheißt (und nicht mal übertreibt).

In der Tat: „Die Wikinger“ ist ein kolossaler Kolossalfilm. Kirk Douglas, Star und Produzent, ließ nicht in Hollywood drehen, sondern in einem norwegischen Fjord, in der Bretagne, Belgien und in den Münchner Geiselgasteig-Studios. Der Plot köchelt vor barbarischem Wikingertum, Liebe und Leidenschaft. Douglas (hier der einzige Wikinger ohne Bart, aber schließlich ist er der Star) spielt Einar, den Sohn des Wikingerhäuptlings Ragnar (Ernest Borgnine, bizarrerweise ein paar Monate jünger  als sein Filmsohn Douglas). Mit im Dorf lebt ein junger Sklave (Tony Curtis), einst aus England verschleppt. Was weder er noch die Wikinger wissen: Er ist der Sohn Ragnars, der bei einem der regelmäßigen Raubzüge gen England einst die englische Königin vergewaltigte – und somit ist er auch der Halbbruder von Einar/Douglas. Das erfahren beide erst, als längst der Hass zwischen ihnen brodelt. Als sich beide in die englische Königin Morgana verlieben (Janet Leigh mit einem der Schwerkraft trotzenden Korsett), macht das die Lage nicht leichter.

 

Ernest Borgine (links), Janet Leigh und Kirk Douglas. Foto: Capelight

Es folgen Raubzüge, Liebesschwüre und auf einem Burgturm ein klirrendes Schwerterduell zwischen Douglas und Curtis, bei dem einem schwindeln kann – alles in wunderbar atmosphärischen Breitwandbildern (70 Millimeter), fotografiert von Kamerakünstler Jack Cardiff.

Bei alledem können einem die Wikinger fast ein bisschen leid tun (wenn man die Brutalität ihrer Raubzüge mal ausblendet) – irgendwie lauert hinter ihrem lauten Getue und dem Gegröle eine gewisse Todessehnsucht: Denn vor allem geht es ihnen darum, in Würde abzutreten – bevorzugt mit einem Schwert in der Hand –, um dann dereinst mit Gott Odin in Walhall zu Tisch zu sitzen. Das erklärt uns schon ein wunderbarer Vorspann mit einer Animation alter Wikingerdarstellungen und der samtigen Sprecherstimme von Curd Jürgens (in der US-Originalfassung spricht Orson Welles).

Die Bluray ist eine Freude, mit seinem strahlenden Bild und schönem Bonus-Material: der deutsche Trailer von einst etwa, in dem der Sprecher Heinz Petruo (Dekaden später die Stimme von Darth Vader) Sätze schnarren lässt wie „Für einen Wikinger erfüllte sich das Leben nur im Kampf!“ oder „Er hatte nur ein Ziel – den Tod in der Schlacht!“. Man fühlt sich ein wenig an deutsche Wochenschauen 1939-1945 erinnert.

In einem halbstündigen Interview von 2002 erinnert sich Regisseur Richard Fleischer (1916-2006) an die Arbeit am Film und die Detailtreue: Er ließ etwa ein Wikingerschiff exakt nach einem alten Vorbild bauen, aber beim Dreh merkte man, dass sich die hochgewachsenen Mimen beim Rudern herzhaft anrempelten – es war etwas eng an Deck. Fleischer: „Ich glaube, die Wikinger waren kleine Männer mit kurzen Armen“. Viel größer war da die Kamera, mit der Jack Cardiff das Geschehen filmte. Vier Männer mussten die Vistavision-Kamera herumtragen. Fleischer: „Sie sah aus wie ein Sarg – wenn sie an mir vorbeigetragen wurde, nahm ich immer die Mütze ab.“

Erschienen bei Capelight.

 

Tony Curtis und Janet Leigh, die bei den Dreharbeiten (noch) verheiratet waren. Foto: Capelight

 

 

Die Welt ist schlecht, das Wetter auch: „True Crime“ mit Jim Carrey

Jim Carrey.     Foto: Bartosz Mrozowski

Es ist ja nicht so, dass Jim Carrey nur Komödien gedreht hätte. Aber über viele Jahre hat er beim großen Publikum doch ein Image als Komiker der  Extrem-Mimik kultiviert und betoniert – in Filmen wie „Dumm und dümmer“, „Der Dummschwätzer“ oder „Der Ja-Sager“. Versuche in anderen Rollen unternahm er gerne, aber nur mit mäßigem Zuspruch, abgesehen von der gewitzten Medienkritik „Truman Show“, die aber auch schon 21 Jahre alt ist. Carreys Komödien machten ihn zeitweise zum Bestverdiener, doch sie nutzten sich irgendwann ab – die späte Komödien-Fortsetzung „Noch dümmer“ von 2014, 20 Jahre nach „Dumm und dümmer“, wirkte weniger humoristisch denn schlicht verzweifelt. Was das Publikum auch spürte. Und Weniges ist weniger witzig als verzweifelte Komödien.

Mit dem Film „Dark Crimes“ erweitert Carrey sein Spektrum noch einmal und scheint sein Image mit großer Geste beerdigen zu wollen. Er spielt den polnischen Polizisten Tadek, nach einem dienstlichen Vergehen ins staubgraue Archiv versetzt, den ein ungelöster Mordfall nicht loslässt – zumal er Verbindungen zum korrupten Polizeichef vermutet. Insgeheim ermittelt er und hat schnell einen Verdächtigen: einen Schriftsteller, der in einem Roman den unaufgeklärten Mord verblüffend präzise schildert, ohne die Akten zu kennen. Doch ganz so einfach wie vermutet liegt der Fall nicht, und Tadek verliert langsam den Überblick, zumal ihn eine andere Person aus dem Mord­umfeld fasziniert – die fragile Prostituierte Kasia (Charlotte Gainsbourg).

 

 

Düsternis, Wendungen, mysteriöse Figuren – für einen packenden Krimi könnte das wohl reichen. Aber der griechische Regisseur Alexandros Avranas, der 2013 in Venedig einen Silbernen Löwen für das Familiendrama „Miss Violence“ gewann, hat an der üblichen Thriller-Mechanik augenscheinlich wenig Interesse. Ihm geht es um die Charakterstudie eines nahezu Besessenen, der sich so in den Fall verbeißt, dass ihm sogar die eigene Familie entgleitet. Tadek starrt beim Essen vor sich hin, schweigt, führt die Gabel mechanisch-aggressiv zum Mund. Zum Fürchten.

Es ist durchaus interessant, Carrey zuzusehen, er bleibt auch ohne mimische Exzesse ein charismatischer Darsteller, wobei ihm das Drehbuch auch das zugesteht, was viele wohl unter besonders ernster Schauspielkunst verstehen: Schreien, Weinen (und sich Übergeben). Dazu ein Rauschebart, der an den Gesichtsschmuck erinnert, der einst bei Steve McQueen spross, als er sich so ambitioniert wie erfolglos an Ibsens „Ein Volksfeind“ versuchte.

Die Handlung an sich bleibt  spannungsreduziert, der Film scheint vor allem darum bemüht, mit kunstvoll trostlosen Bildern eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Das gelingt, unabhängig davon, wie realistisch sie auch sein mag – das Polen in diesem Film ist ein schmerzhaft öder, graubrauner Ort der muffigen Büros, des schlechten Wetters, der merkwürdig halbleeren Wohnungen (und Folterkeller für sexuelle Gewalt). Dieser auffällige Stilwille lässt „Dark Crimes“ manchmal prätentiös wirken, ein wenig wie der verdächtige Schriftsteller, der bei Pressekonferenzen so pompöse Sätze deklamiert wie „Alles ist subjektiv“ oder „Die Wahrheit ist das, was man aus ihr macht“. Die leicht erregbaren Journalisten klatschen andächtig.

Man muss sich bei diesem ambitionierten Film ein wenig bemühen: Gelingt es einem, sich auf den manchmal fast meditativen Rhythmus einzustellen, lohnt sich das: wegen der Bilder, der Atmosphäre und wegen Carrey. Gelingt es einem nicht, wird man bis zum traurigen, in Maßen überraschenden Ende nicht durchhalten.

„Dark Crimes“ ist als DVD und Blu-ray bei Studio Hamburg erschienen und auch bei Netflix zu sehen.

„Auslöschung“ von Alex Garland auf Blu-ray

Auslöschung Annihilation Netflix Horror Alex Garland The Thing

Natalie Portman (vorne) und Gina Rodriguez.                 Foto: Universal

Kommunikation ist eine komplizierte und entscheidende Angelegenheit. Ob nun die zwischen Liebenden oder die zwischen irdischem und außerirdischem Leben. Mit beiden, unter anderem, beschäftigt sich „Auslöschung“, ein Film zwar mit Science-Fiction- und mit Horror-Elementen, der aber dennoch in keine Genre-Schublade passt. Das macht die Vermarktung schwierig, und so hat das US-Studio Paramount nach einem kommerziell mäßigen Start in den USA und China den Film zügig für den Rest der Welt an Netflix verkauft – nun erscheint er bei uns auch auf DVD und Blu-ray. Schade, eine große Leinwand hätte man Alex Garlands Film und seinen oft faszinierenden, immer atmosphärischen Bildern gewünscht.

Kühl und rätselhaft beginnt es: Eine Frau (Natalie Portman) sitzt in einem Laborraum, um sie herum tragen die Menschen Schutzanzüge, man befragt sie, wie sie wieder „herausgekommen“ ist. Woraus genau, das erzählt der Film in Rückblenden, manchmal gar mit Rückblenden in Rückblenden oder mit kurzen Einschüben. Ein Meteor ist in einem Nationalpark in Florida heruntergegangen, seitdem breitet sich von dort langsam ein pulsierender, schlierenhafter Schimmer in Regenbogenfarben aus – was im Inneren des stetig wachsenden Gebiets geschieht, weiß man nicht, denn kein Forscher- oder Militärteam ist zurückgekehrt – außer dem Ehemann (Oscar Isaac) der Frau vom Filmbeginn; doch er ist merkwürdig verändert, scheint verwirrt und fällt ins Koma.

 

Auslöschung Annihilation Netflix Horror Alex Garland The Thing

Lena (Natalie Portman) im Inneren des Leuchtturms.          Foto: Universal

Seine Frau Lena, als Biologin mit Militärvergangenheit prädestiniert, beginnt eine Expedition in den „Schimmer“, begleitet von vier weiteren Wissenschaftlerinnen. Sie finden eine Natur vor, die sich verändert. Pflanzen und Tiere zeigen bizarre, manchmal wunderschöne, manchmal erschreckende Mutationen, scheinen manchmal die Gestalt des Menschen nachahmen zu wollen. Zugleich verändern sich die Frauen, Erinnerungslücken klaffen, Misstrauen bricht aus – und das nackte Grauen, als sie eine Botschaft der vorigen Expedition entdecken.

Der britische Regisseur und Autor  Alex Garland (nach der Buchvorlage von Jeff VanderMeer) stellt meisterlich das Schöne neben das Schreckliche, lyrische Naturbetrachtungen neben Horrormomente: Eine Konfrontation mit einem mutierten Bären ist eine wahrhaft grausige und dabei tragische Szene, viel mehr  als schlichter Monster-Grusel. Der Rhythmus des Films ist langsam, Garland (sein Debüt war 2014 der gefeierte „Ex Machina“) lässt sich Zeit für die Expedition  – man kann sich manchmal an die beinahe meditative Stimmung in Andrei Tarkovskys „Stalker“ erinnert fühlen, der auch durch eine „verbotene Zone“ führte. Kurze Rückblenden setzen dabei ein komplexes Bild Lenas zusammen, die ihre Ehe zwischenzeitlich aufs Spiel gesetzt hat.

Im Leuchtturm begegnet sie der außerirdischen Intelligenz, deren Ausbreitung die Welt bedrohen könnte. Dieses Finale ist dabei weder friedliebend wie bei „E.T.“ noch so aggressiv wie bei „Alien“, sondern ganz und gar ungewohnt; es treibt das Motiv der Veränderung und der  Nachahmung auf die Spitze. Der Film denkt die Außerdirdischen einfach weiter. Was wäre, wenn sie einfach da sind, kein Ziel haben und eine völlig andere Form der Kommunikation besitzen? Vielleicht so etwas wie ein PIlz oder Tumor sind, ohne etwas Böses zu wollen – und dennoch tödlich? „Ich weiß nicht, was sie wollen“, sagt Lena, „ich weiß nicht ob sie überhaupt etwas wollen.“

Erschienen bei Universal.
Extras: Drei längere Berichte von den Dreharbeiten, die ohne die gegenseitige Lobhudelei der Beteiligten interessanter wären.

 

Auslöschung Annihilation Netflix Horror Alex Garland The Thing

Natalie Portman und Regisseur Alex Garland.      Foto: Universal

Die Doku „The Frankenstein Complex“

The Thing Frankenstein Complex Alec Gillis und Tom Woodruff Jr. CGI Animatronics Amalgamated Dynamics

Alec Gillis und Tom Woodruff Jr. – mit ihrer Firma Amalgamated Dynamics schufen sie mechanische Effekte für „The Thing“ (2011), die dann letztlich durch nur mäßig überzeugende CGI-Tricks ersetzt wurden. Foto: Capelight

 

 

Rick Baker. Stan Winston. Rob Bottin. Wer sich im Kino für bizarre Wesen, Monster und Mutanten interessiert, für den sind diese Namen legendär. Wer die Namen noch nie gehört hat, den sollte die Doku „The Frankenstein Complex“, die jetzt bei uns auf DVD erscheint, dennoch faszinieren.

Die Franzosen Gilles Penso und Alexandre Poncet beschäftigen sich mit dem Beruf des „Creature Designers“, der Kreaturen entwirft und baut: ob nun aus Ton, Gummi oder Stahl, voller Elektronik oder einfach nur mit Platz für fünf Finger, die ein Wesen steuern – Prinzip Handpuppe. Kein Beruf, den man wählt, weil einem sonst nichts einfällt, sondern weil es kreativ in einem rumort. „Man fühlt sich wie ein Schöpfer“, sagt etwa Steve Johnson, der für den Unterwasserfilm „The Abyss“ quallen­artige Außerirdische baute, nachdem Regisseur James Cameron seine Wünsche recht vage formuliert hatte: „Ich will die himmlischsten Wesen, die man je gesehen hat – und sie  müssen wasserfest sein.“

Der Film zeichnet die Entwicklung des Berufs nicht detailliert nach, ein kleiner Abriss der Make-Up-Effektekunst muss genügen, die einst Darsteller Lon Chaney mit seinen selbstentworfenen Masken begründete und auch Jack Pierce mit seiner unsterblichen „Frankenstein“-Maske. Die Doku lässt viele Künstler in ihren Werkstätten zu Wort kommen und interessiert sich vor allem für die Brüche und Umbrüche der Branche. Als etwa Rick Baker 1981 in „American Werewolf“ die Verwandlung eines Menschen in einen zotteligen Vierbeiner derart realistisch gelingt, dass sich die Nackenhaare des Publikums kollektiv sträuben – und die Branche einen neuen Boom erlebt. Der größte Umbruch aber kommt Anfang der 90er Jahre, wie die Beteiligten (und Leidtragenden) hier erzählen: Steven Spielberg plant einen Dinosaurierfilm; Phil Tippett, ein Effektkünstler, der seine Kreaturen gerne mit Einzelbildtrick animiert –  Bewegung für Bewegung, die, hintereinander projiziert – eine fließende Bewegung ergeben, macht sich an die Arbeit mit kunstvollen Kunststoffdinos.

Greg Nicotero am Telefon. Foto: Capelight

Zugleich bastelt ein anderes Trickteam heimlich an ersten Computer-Animationen (CGI). Spielberg ist begeistert. Tippetts Dinos sind passé, Tippett sagt in der Doku: „Meine ganze Welt verschwand“, ihm blieben nur Depressionen und eine Lungenentzündung. „Jurassic Park“ wird ein Meilenstein der Computer-Animation – aber das Merkwürdige dabei: Bis heute wird gerne übersehen, wie oft die Dinos in dem Film lebensgroße Puppen sind, die elektronisch gesteuert sind (oder von Menschen, die in ihnen stecken). Die Kreaturen stammten von Stan Winston, der a) entsetzt war, dass Publikum und Presse das komplett ignorierten  und b) eine Wagenladung Computer kaufte, um bei dieser Entwicklung nicht abgehängt zu werden.

Und heute? Die Künstler plädieren dafür, dass ihre praktischen Effekte mit CGI ergänzt, aber nicht von ihnen verdrängt werden. Ob das Hoffen hilft? Tom Woodruff Jr. und Alec Gillis berichten von ihrer „schrecklichen Erfahrung“, dass beim Horrorfilm „The Thing“ (2011) ihre aufwändigen  Kunststoffkreationen (teilweise in der Doku zu sehen)  kurz vor Filmstart ersetzt wurden  – durch schwache Computertricks. Melancholisch klingt der Film aus, wie ein Abgesang. Rick Baker ist immerhin dankbar, „noch die goldene Zeit der Branche“ erlebt zu haben. Rob Bottin, dessen surreale Monstereffekte in „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) legendär sind, hat dem Geschäft so konsequent den Rücken gekehrt, dass kaum jemand weiß, wo er lebt und was er tut.

Erschienen bei Capelight.
Sehr gutes Bonusmaterial mit Werkstattbesuchen und längeren Interviews.

 

 

 

 

 

 

 

„The Bouncer“ mit Jean-Claude Van Damme

 

Jean-Claude Van Damme The Bouncer Lukas

Erste (Selbst-)Hilfe: Jean-Claude Van Damme. Foto: Labyrinthe Film

 

Was würde man für einen Arbeitsplatz alles tun? Eine Szene im Film „The Bouncer“ denkt die Frage konsequent zu Ende: Wir folgen einem Mann, der sich um einen Job als Türsteher bewirbt, in die labyrinthischen Kellergänge eines Nachtclubs. Zwischen Müll und Bierkästen wartet schon ein halbes Dutzend Mitbewerber. „Wer am Ende noch steht, der bekommt den Job“, sagt der Clubbetreiber. Die Bewerber zögern keine Sekunde, es beginnt ein stoisches Aufeinanderdreschen, Würgen, Treten.

Es ist die buchstäblich merkwürdigste Szene im finsteren Film „The Bouncer“, einer Produktion aus Frankreich und Belgien, die bei uns auf DVD erscheint. Dass der Film sehenswert ist, liegt nun wirklich nicht am Plot: Ein schweigsamer Witwer  verdingt sich als Türsteher in der Halbwelt und wird von der Polizei gezwungen, als Informant zu arbeiten. Sollte er keine Informationen über einen Clubbesitzer/Geldfälscher heranschaffen, verliert er das Sorgerecht für seine Tochter. Der Mann (namens Lukas) steigt langsam in der Gangsterhierarchie auf, immer in Angst, enttarnt zu werden. (Da muss man beim Lesen fast gähnen).

 

Aber: Die Umsetzung reißt es heraus und macht aus diesem Low-Budget-Film eine kleine Perle des modernen Film Noir. Hauptdarsteller ist Jean-Claude Van Damme, der gefallene Action-Star der 80er/90er Jahre und der bunteste Vogel unter den Muskel-Heroen seiner Zeit. Er brachte einst die ersten Hongkong-Regisseure wie John Woo und Ringo Lam nach Hollywood, torpedierte seine Karriere dann durch kokainbefeuerte  Größenwahnallüren und wurde vor allem in Frankreich und der belgischen Heimat zum gern gesehenen Gast in Talkshows – versuchte er doch mit großen Gesten und schwer nachvollziehbarem Amerikanisch-Französisch die Welt an sich zu erklären. Mit einem derartigen Sinn fürs Absurde, dass in Frankreich gar ein Buch namens „Parlez-vous le Jean-Claude“ seine größten Weisheiten sammelte. Etwa: „Luft ist gut für uns alle. Ohne Luft würden die Flugzeuge vom Himmel fallen.“ Mon dieu!

Van Damme ist mittlerweile 58, das Haar wird licht, und die Tränensäcke erzählen von einem bewegten Leben zwischen Triumph und Absturz. Das schwingt mit in seiner Darstellung, wobei Autor/Regisseur Julien Leclerq klug genug ist, Van Damme nur wenige Dialoge in den Mund zu legen (gedreht wurde in Französisch). Lange Sätze waren nie seine Stärke, abgesehen von seinem minutenlangen und tränenreichen Monolog in seinem früheren Ausflug ins europäische Kino, „JCVD“ von 2008, einem autobiografischen Film über schwindenden Star-Ruhm und Einsamkeit. Auch wenn das bei „The Bouncer“ mitschwingt, will der Film vor allem ein schnörkelloser Krimi sein. Das gelingt ihm mühelos. Untermalt von dunklen, pulsierenden Synthesizerklängen stapft Van Damme in einem immerwährenden Kapuzenpuli durch eine Grau-in-Grau-Großstadt (Drehort war vor allem Van Dammes Heimat Brüssel), durch Nachtclubs, menschenleere, von Fahrstuhlmusik beklimperte Luxus-Hotels und in einen Bauernhof. Dort findet das eher kleine denn große Finale statt, mit einem halb offenen, anrührenden Ende. Körper und Seele mögen ziemlich angeschlagen sein, aber die Würde ist noch da.

DVD und Blu-ray von Constantin Film. 

„Naja, ich war halt Anfänger“ – ein Interview mit Dominik Graf

Dominik Graf Die Katze Der Fahnder Tatort Polizeiruf John Carpenter Harms

Regisseur Dominik Graf.                                                          Foto: dpa

1982 kamen Sie mit „Das zweite Gesicht“ nach Saarbrücken zu Ophüls. Wie war Ihr Eindruck vom Festival?

Das war, ähnlich wie Hof damals, ein aufstrebendes junges Festival abseits der Kino-Zentren, das sich aber vorrangig um die nachkommende Generation gekümmert hat. Junge Leute mit einem jungen Kino.

Dem „Zweiten Gesicht“ attestieren Sie in Ihrem Buch „Schläft ein Lied in allen Dingen“ eine „quälende Länge“ – ist das nicht etwas harsch?

Naja, ich war halt Anfänger und hatte nicht sehr viel Praxis. Die Filmhochschüler heute drehen viel mehr Filme, kleine Produktionen schnell nebenher an der Hochschule und kommen so mit mehr Erfahrung in ihren ersten Spielfilm hinein. Ich war komplett überfordert als Regisseur und Autor. Ich hatte den fabelhaften Kameramann Helge Weindler, der später für Doris Dörrie gedreht hat, was mich aber vor Probleme gestellt hat, denn Ich konnte einige Fragen, die er hatte, gar nicht beantworten. Ich habe angefangen mit Studentenfilmen, in denen ich immer nur Großaufnahmen von einem Gesicht gefilmt habe, weil ich mehr als einen Schauspieler im Bild beim Inszenieren gar nicht beurteilen konnte. Mein Glück war, dass man damals längere Zeit die Möglichkeit hatte, Mist zu bauen. Aber ich weiß noch, dass Regisseur und Filmjournalist Eckhart Schmidt mich ein paar Jahre und ein paar Filme weiter warnte: „So, jetzt muss es aber mal klappen.“ In der Zeit der Fernsehserien bei der Bavaria habe ich mir dann immerhin eine gewisse Professionalität und ein schnelles Urteil am Set bilden können.

Sie schreiben im Buch auch, dass Sie sich früh vorgenommen haben, „keine Handschrift haben“ zu wollen. Wie ist das gemeint?

Ja, das war gegen das Autorenkino gerichtet. Vor der Generation, zu der ich gehöre, standen Fassbinder und Wenders im Rampenlicht. Und bei deren Generation hatten wir immer das Gefühl, dass der unbedingte Willen zur eigenen Handschrift den Filmen manchmal ein bisschen schadete. Wir waren eher auf der Suche nach Genrefilmen, nach Erzählkino und einer Normalität, auch in der Schauspielerführung – was mir lange überhaupt nicht gelungen ist. Es gibt diesen schönen Satz von Jean Cocteau, dass man keine künstlerische Handschrift haben wollen darf – aber dass einem das dann auf keinen Fall gelingen sollte. Insofern kann es natürlich absurderweise auch sein, dass gerade in den Defiziten und Fehlern, die „Das zweite Gesicht“ hat, doch eine eigene Handschrift vorgeprägt ist.

Haben Sie früher mit einem gewissen Neid nach Frankreich geschaut, wo man ein Starsystem hat und keine Berührungsängste mit dem Genrefilm, anders als hier?

Allerdings. Gerade beim Genrefilm ist der Unterschied arg. Die Franzosen hatten in den 1990ern ja mal ein paar Jahre Pause beim Polizeifilm, aber seit den 2000ern kommt bis heute wieder ein fantastisches Ding nach dem anderen. Kleine, oft unglaublich rabiat gedrehte Gangster- und Polizeifilme fürs Kino. Uns fehlen auch die Stars, die ein Genrekino dringend braucht. Jemand wie Götz George etwa hat bei „Die Katze“ damals allein schon mal eine Million Zuschauer mobil gemacht.

Verhindert bei uns nicht aber der allgegenwärtige „Tatort“ im Fernsehen, dass auch Krimis fürs Kino produziert werden?

In gewissem Sinn schon. Ich drehe ja auch „ Polizeirufe“ und „Tatorte“, das sind für mich die billigeren,die einfach zu finanzierenden Thriller. Wenn man dieses Genre nochmal ins Kino übertragen will, dann muss man die Filme über ein gewisses ästhetisches Level heben, damit das Publikum weiß, dass hier etwas anderes läuft als das, was jeden Tag im Fernsehen zu sehen ist. Eine hohe Finanzierung von Genrekino ist aber bei uns schwierig, weil es kein Zutrauen gibt, das war schon bei „Die Katze“ so und bei „Die Sieger“ noch mehr. Seither habe ich mich dann nicht mehr wirklich darum bemüht. Es ist schwer zu sagen, wie sich heute ein Kino-Genrefilm unterscheiden müsste von einem Genrefilm im Fernsehen. Die Versuche, die andere Leute seit den 1990er unternommen haben, so spannend sie waren, haben nicht wirklich die Schallmauer der Anti-Genre-Haltung durchbrechen können. Sogar Til Schweiger mit seinem Kino-„Tatort“, seinem Actionfilm „Schutzengel“ und mit seinem so großen Publikumsreservoir hat es nicht wirklich geschafft – wenn auch mehr als alle anderen. Es ist halt so: Nur die Komödie läuft noch in Deutschland. Andererseits gibt mir aber auch das Fernsehen die Chance, auf hohem Niveau zu erzählen, wie zum Beispiel bei „Im Angesicht des Verbrechens“.

Liefe solch eine Reihe heute bei Netflix? Sind die Streamingdienste eine Chance gerade für junge Filmemacher?

Ich kann die Streaming-Plattformen nicht einschätzen. Was ich dort sehe, zeigt mir bei den deutschen Produkten bislang keine Richtung, die mich interessiert. Es wird zwar gerade wie verrückt produziert, nachdem die Deutschen nach nur 20 Jahren internationalem Serienhype gemerkt haben, dass Serien interessant sein könnten. Aber jetzt ist der Hype schon fast wieder vorbei – ich sehe die Serie an sich eher schon auf dem absteigenden Ast.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Filmkritik? Bei „Die Katze“ etwa wurde viel gemäkelt, das sei alles zu amerikanisch. Heute wird das ganz anders gesehen. Wie ernst nehmen Sie Filmkritik?

Das ist personenabhängig. Die Film- und vor allem die Fernsehkritik als Ganzes kann man zur Zeit nicht wirklich ernst nehmen, weil überwiegend filmisch ignorante Leute schreiben. Aber es gab immer und es gibt natürlich in Zeitungen und in sehr speziellen Internet-Blogs Leute, die einen mit ihren Kommentaren Kritiken zum Nachdenken bringen, auch wenn sie einem auf die Finger klopfen. Und wenn sie einen loben, hat es Hand und Fuß. Aber bei vielen Kritikern ist ja sogar das Lob blind, es werden inhaltliche Banalitäten belobigt. Das kann man nicht annehmen.

Sie sind seit 2012 in der Jury des Michael-Althen-Preises, der an den Filmjournalisten Michael Althen erinnert, mit dem Sie unter anderem den Filmessay „München – Geheimnisse einer Stadt“ gedreht haben. Da muss es doch bessere Texte geben?

Letztes Jahr gab es einen tollen Text von Oliver Nöding über Rolf Olsens Krimi „Blutiger Freitag“ von 1972, dem hätte ich so sehr einen Preis gegönnt . Das ist eine schöne Art von Schreiben über Film, temperamentvoll, leidenschaftlich, frech, modern, persönlich, mit viel Wissen über die Filmgeschichte, obwohl Nöding 30 Jahre jünger ist als ich. Das macht Hoffnung.

Sie haben viele Preise gewonnen – ist das nicht auch gefährlich? Zementieren Preise nicht das, was man tut, und hemmen die Experimentierlust?

Nein, man muss sich immer bewusst sein, dass Preise aufgrund der Jurybesetzungen häufig so gut wie nichts bedeuten – die Preis-Kriterien sind heute meistens themen- und nicht wirklich filmorientiert, und da muß man sich eher schämen wenn man was gewinnt.

Sie haben in Ihrer Zeit bei der Bavaria lange mit dem Produzenten Günter Rohrbach gearbeitet, der aus Neunkirchen stammt – wie ist Ihr Blick auf ihn heute?

Er ist eine ganz große Figur. Wir haben uns über die Jahre und ein halbes Dutzend Filme lang ja auch heftig aneinander gerieben, aber ich habe ihm viel zu verdanken, weil er mich aus dem Vorabendserien-Dasein zum Kinofilm gebracht hat. Der Vorschlag, dass ich „Die Katze“ machen sollte, kam von ihm. Er hat schwierige Finanzierungen zusammenbekommen, und wenn die zu knapp waren, hat er sich trotzdem getraut, den Film zu machen. Er wollte Publikumsfilme und hohe Qualität zusammenbringen, wie bei Petersens „Boot“, da war er bahnbrechend, nicht nur bei der Bavaria. Man hatte damals ja die Vorstellung und den Wunsch, dass kommerzielle Filme auch möglichst gut werden sollen. Ich stelle Günter Rohrbach ebenbürtig neben Bernd Eichinger – mindestens.

Ihr Polizeifilm „Die Sieger“ war 1994 für einen deutschen Film sehr teuer, hat dann kein Publikum gefunden, und die Kritiken waren auch schlecht. Wie weh tut das?

Das war ein Niederschlag, aber da müssen die meisten Regisseure im Laufe ihrer Karriere ja durch. Ich wollte in jeder Hinsicht hoch hinaus damit, da kriegt man – nicht immer zu Unrecht- was auf die Ohren. Und vielleicht war es auch überraschend, dass der Film quasi nur zum Schein ein Polizeifilm st, gleichzeitig eher ein Gespensterfilm über die schaurige „Hoch die Tassen“-Bundesrepublik der 1990er. Ich habe „Die Sieger“ immer sehr geliebt wie ein widerborstiges Kind, und ich halte vieles daran für gelungen – aber nicht alles. Auf der Berlinale läuft er jetzt in der „Classics“-Reihe nochmal in einem Director’s Cut, zwölf Minuten länger, mit unter anderem zwei grossen Szenen, die sehr wichtig, aber jetzt erstmals im Film zu sehen sind.

Vielleicht ein gewagter Spagat – aber mich hat die Rezeption an die von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ erinnert: vernichtende Kritiken, ein Flop – und Carpenter war, anders als Sie, danach nicht mehr ganz derselbe.

Ich wusste nicht, dass die Kritiken damals so schlecht waren. Ich finde den Film fantastisch, das ist einer seiner allerbesten. Aber es ist oft so bei sehr guten, bei großen Regisseuren, dass die Filme, die den größten Erfolg hatten, gar nicht unbedingt ihre besten sondern eher die -für ihre Verhältnisse-mittelmäßigen waren. Und dass die untergegangenen, beschimpften Film auf Dauer die stärksten sind.

Sehen Sie das bei sich auch so?

Nein, das will ich auf mich nicht anwenden, weil ich mich eher in so einem cineastischen Mittelmaß verorte. Ich tue, was ich kann, und lerne immer noch dazu.

Vor 20 Jahren haben Sie mit Heiner Lauterbach den Film „Der Skorpion“ gedreht, für viele einer ihrer besten Arbeiten – werden Sie mal wieder zusammenarbeiten?

Wir hatten das geplant – eine sehr gute Kiez-Serie, die Nikolai Müllerschön geschrieben hat. Das wollten wir machen, aber im Moment ist die Finanzierungslinie etwas abgeschnitten.

Müllerschön hat mit Lauterbach den rauen Krimi „Harms“ gedreht – ist das eine Art Kino, von dem Sie sich wünschen, es gäbe mehr davon?

Natürlich, „Harms“ fand ich absolut herausragend. Ein Film, der plötzlich da war – im Grunde habe ich ihn nur auf DVD wahrgenommen, weil er so schnell aus dem Kino wieder verschwunden war. Furchtbar. Auch da haben sich leider einige Filmkritiker wenig mit Ruhm bekleckert, weil sie nicht gemerkt haben, was für eine Kraft und Melancholie in diesem schönen Film steckt. Es kann aber auch sein, dass das Schauen aufs Kino sich verändert hat. Dass bestimmte Qualitäten, die man in einem Film lesen könnte, sogar eher störend wirken. Das Publikum möchte den denkbar schlichtesten Flow. Niemand will sich mehr Mühe machen im Kino, das Leben ist schon zu schwierig. Und wenn ein Film dann auch noch maue Kritiken bekommt, dann hat er schnell gar keine Chance mehr.

Wie schauen Sie sich eigentlich Filme an? Vor allem im Kino?

Nein. Im Kino interessiert mich momentan wenig wirklich vital. Ich schaue DVD. Einen großen Beamer habe ich nicht, ich muss gestehen, dass ich manche Filme sogar am Laptop schaue. Als Student hatte ich einen winzigen Schwarz-Weiß-Fernseher, auf dem habe ich Kavallerie-Western von John Ford gesehen – ich bin so nahe rangekrochen, bis das Monumental Valley wieder groß war.

Fließen, Brummen, Pulsieren – Thom Yorks Musik zu „Suspiria“

Thom Yorke Radiohead Suspiria Dario Argento Giallo Horror

Thom Yorke, fotografiert von Gregg Williams.

 

Eigentlich ist es ja eine gute Idee, Filmmusik zu hören, ohne den Film schon gesehen zu haben. So sind Musik, Bilder und Handlung noch nicht ineinander geflossen, die Assoziationen noch ungebunden. Und gerade die Musik zu „Suspiria“ weckt nahezu endlose Assoziationen, sie ist ein Füllhorn an Atmosphäre, Stimmungen, Klängen zwischen harmonisch und dissonant, recht selten warm einhüllend, öfter beunruhigend.

1977 drehte Regisseur Dario Argento „Suspiria“ über Morde in einer Tanzschule im beschaulichen Freiburg im Breisgau – heute ein Klassiker des fantastischen Films. Argentos Kollege Luca Guadagnino hat den Stoff nun neu verfilmt beziehungswiese neu interpretiert; sein Film lief 2018  beim Filmfestival in Venedig, erhielt überwiegend gute Kritiken und ist nun auch in Deutschland zu sehen, wenn auch in einer überschaubaren Zahl von Kinos – aus der Saarbrücker Camera Zwo hat er sich gerade verabschiedet.

 

 

Die Musik zum Film hat Thom Yorke aufgenommen, Sänger und Komponist der britischen Band Radiohead. Anfangs recht konventionelle Alternative Rocker, mittlerweile lustvolle und trickreiche Klangfummler. Yorke, gerne auch solo und mit Kollegen abseits seiner Band im Studio, legt mit „Suspiria“ nun seine erste Spielfilmmusik vor – und die geht in die Vollen, was die Länge angeht (80 Minuten) und den Inhalt: „Suspiria“ schlägt einen weiten Bogen von merkwürdig entrücktem Pop bis zu Neuer Musik, vom psychedelischen Krautrock der 1970er zu Chorälen. Das könnte nun Kraut und Rüben sein – aber alles fließt organisch ineinander, Kontraste gibt es zuhauf, aber keine Brüche.

Da gesellen sich, nach einer flirrenden, schabenden Streicherdissonanz zum Auftakt (aufgenommen mit dem London Contemporary Orchestra and Choir), minimalistische Klaviermotive zu orchestraler Wucht, breit ausgewalzte Keyboard-Klänge mit Spätsiebziger-Aroma zu Klangmalerei: „The unevitable pull“ brummt und dröhnt so unheilvoll, dass man es nicht alleine in einem dunklen Zimmer hören sollte. Vergleichsweise sonnig ist dann „Suspirium“, eines der wenigen Stücke, auf denen Yorke singt, hier in einem anrührenden, zerbrechlichen Falsett. Zu hören ist er auch auf „Has ended“, das mantrahaft hypnotisch und psychedelisch vor sich hin pulsiert und orgelt, von einem Bass angetrieben – da sind die deutschen Krautrocker Can gedanklich nicht weit weg. „Unmade“ dagegen ist eine zarte Balladenschönheit, einer der wenigen Momente, bei denen man sich beruhigt und warm eingehüllt zurücklehnen kann, wie auch beim kurzen Choral „Sabbath Incantation“. Aber man muss eben auf der Hut sein und weiß nie genau, was einen erwartet auf diesem ambitionierten, aufregenden Album.

Thom Yorke:  Suspiria
(Beggars/XL Recordings).

„Bitte mal Applaus für unsere Mönche!“ Powerwolf in Saarbrücken

Powerwolf in Saarbrücken, 17. Novemver 2018

 

Am Ende, als ein paar Tausend Fans glücklich in die kalte Nacht strömen, da schwebt der Mond über der Saarlandhalle. Leider lunar etwas mickrig, ein Fast-Halbmond. Wie gut hätte da ein satt strahlender Vollmond gepasst, wie aus einem Werwolf-Film – aber man kann ja nicht alles haben. In der Halle allerdings, da haben die Fans so ziemlich alles bekommen, weswegen sie zu Powerwolf gehen. Donner und Blitz, Heavy Metal, eingängige Refrains, Publikumsanimation – eine Rundum-Sorglos-Show, Profi-Entertainment.

Als Feierabendprojekt hat die Saarbrücker Band einst angefangen, heute ist das Quintett die erfolgreichste deutsche Heavy-Metal-Band in Deutschland; die jüngsten Alben schafften es mindestens in die Top 3, sie ist weltweit unterwegs, spielt in großen Hallen. Der Samstag in der vollen Saarlandhalle ist das Finale des ersten Tourabschnitts zum jüngsten Nr.1-Album „The Sacrament of Sin“ (auf dem unter anderem die alte Kirchenorgel von Thionville verewigt ist), 2019 geht es dann international wieder weiter. Es läuft also bei der Band, und man merkt es: Groß ist der Aufwand und sehr gut der Sound. Flammenwerfer schießen Feuerfontänen in die Luft, das Bühnenbild mit scheinbaren Relikten einer alten gotischen Kirche, zwei begehbaren Ebenen, Bildern von Wölfen und staubigen Ruinen verströmt einen wohligen Retro-Grusel. Dass auch ein paar Mönche umher wandeln, wundert da gar nicht.

 

Hier malocht die Band kraftvoll, in vorderster Reihe Sänger Attila Dorn (ein schöner Künstlername), zugleich Zeremonienmeister und Animateur, mit einer Aura irgendwo zwischen Rasputin, Bud Spencer und Ivan Rebroff, der die Fans gerne R-rollend mit „Meine lieben Frrrreunde“ anspricht und dabei ein bisschen wie der selige Bela Lugosi als Graf Dracula in den 1930ern klingt. Kraftvoll singt er sich durch Nummern wie „Demons’s are a girl’s best friend“, „Amen & Attack“ und auch „Resurrection by Erection“, laut Dorn ein Stück über die „Auferstehung, untenrum“. Man ahnt es: Mit dem heiligen Ernst, der manch andere Heavy-Metal-Bands beseelt, haben Powerwolf nichts im Sinn. Man wird sogar den Verdacht nie völlig los, dass sich hinter den weißgekalkten Gesichtern gewitzte Ironiker verbergen, die das Musik-Genre, das sie offenkundig lieben, genüsslich und gekonnt auf die Spitze treiben: das faustreckende Publikumsanheizen von Keyboarder Falk Maria Schlegel, die Refrains mit viel „blood“, „fire“, „night“, „demons“ und cross“, die Gitarren-Rockgott-Posen von Matthew Greywolf und Charles Greywolf. Nur Schlagzeuger Roel van Helden macht einfach seine musikalische gute Arbeit, er hat hinter seiner Schießbude genug zu tun.

Die Musik ist maximal eingängig zum Mitsingen und Faustrecken, die Band spielt kompakt und wie aus einem Guss, das ist famoses Handwerk mit hohem Tempo; immerhin eine Ballade zum Schwenken der vielen Handys gibt es, dann geht es wieder hochtourig um Dämonen, den Papst, die Kreuzzüge – und vor allem um das Gemeinschaftserlebnis. Vielleicht liegt es daran, dass die Band in der Heimat gastiert – aber einen solchen Einklang zwischen Musikern und Publikum erlebt man nicht oft. Immer wieder applaudiert die Band den Fans, die wiederum den Bandnamen skandieren, wie Wölfe heulen, einmal im Kollektiv niederknien und auf Dorns Anweisung den isländischen WM-Schlachtruf durch die Halle tönen lassen – wenn auch mit „Blut“ statt „Huh“ (was vor Ort weniger bedrohlich klingt als es sich liest). Überhaupt wirkt Dorn („bitte mal Applaus für unsere Mönche!“) wie ein souveräner Anheizer mit der Erfahrung von 1000 Stadtfesten. Wenn er die Halle zum Gesangswettbewerb in Gruppen teilt, „wie Moses das Rote Meer“, wenn er den Fans das Mitsingen erklärt, könnte das ein bisschen plump oder absurd wirken – aber es ist einfach ein großer Jux, ein liebgewonnenes Ritual, ein Rock-Klischee, das gepflegt wird, zur Freude aller. „Wie ich sehe“, sagt Dorn zufrieden mit Blick ins Rund, „sind wir alle vom Heavy Metal gesegnet“. So ist es.

 

 

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